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Bachelor Welcome!

Bachelorabsolventen auf dem Arbeitsmarkt

1999 haben deutsche Hochschulen begonnen, im Zuge der Bologna-Reform ihre Studiengänge auf die Abschlüsse Bachelor und Master umzustellen. 2011 sind bereits 82 Prozent in die neue gestufte Studienstruktur überführt. Zur Akzeptanz gerade der Bachelorabsolventen auf dem Arbeitsmarkt hat abi>> Personalverantwortliche von Unternehmen befragt, die 2010 die Neuauflage der "Bachelor Welcome!"-Erklärung unterzeichnet haben. Die Tendenz: Der Berufseinstieg gelingt auch ohne Master.

Markus Lecke, Leiter Team Bildungspolitik bei der Deutschen Telekom AG in Bonn

Auf dem Foto ist Markus Lecke abgelichtet.

Markus Lecke

Foto: Deutsche Telekom AG

Wir stehen hinter der Bologna-Reform und haben als Erstunterzeichner der „Bachelor Welcome!“-Erklärung die Strukturen im Unternehmen frühzeitig angepasst. So bieten wir beispielsweise Praktika mit kürzerer Dauer an, weil das Bachelorstudium den Studierenden in der Regel nur zehn bis zwölf Wochen Zeit dafür einräumt. Die Telekom engagiert sich mit der Initiative „Bologna@Telekom“ als Investor in Bildung und bildet auch selbst im Rahmen dualer Studienangebote Bachelors aus – zum Beispiel an der unternehmenseigenen Hochschule in Leipzig. Zu „Bologna@Telekom“ gehören zudem weitere Angebote, ganz nach dem Idealbild des „Lebenslangen Lernens“. Berufseinsteiger mit Bachelor-Abschluss können etwa nach zwei Jahren Berufserfahrung im Konzern ein berufsbegleitendes Masterstudium absolvieren und sich dabei fachlich auch neu orientieren. Bei der Einstellung haben die Bachelors die gleichen Chancen, wir differenzieren nicht nach Abschlüssen. In den vergangenen beiden Jahren verfügten bereits 40 Prozent unserer Einsteiger mit Hochschulabschluss über den Bachelor, unter die restlichen 60 Prozent fallen weitere Abschlüsse wie Master, Diplom, Magister oder Promotion. Auch beim Gehalt machen wir keine Unterschiede. Wir haben eine Bandbreite, in der sich die Einsteiger bewegen. Die Höhe des Einstiegsgehaltes hängt dann von der Position ab und ist natürlich auch Verhandlungssache.

 

Christoph Fay, Leiter Hochschulmarketing und Nachwuchsführungskräfteprogramme bei Lufthansa in Frankfurt am Main

Bei Lufthansa ist der Bachelor bereits seit Längerem in der Normalität angekommen. Lufthansa unterstützt den Bologna-Prozess seit Jahren und hat seit 2002 bereits zahlreiche Bachelors eingestellt. Grundsätzlich suchen wir nicht nach bestimmten Abschlüssen, sondern nach dem passenden Gesamtpaket. Bachelorabsolventen haben gute Berufschancen bei Lufthansa, wenn sie die Voraussetzung der jeweiligen Stellenausschreibung erfüllen. Teilweise stehen sie mit Masterabsolventen im Wettbewerb um die gleiche Stelle. Entscheidend ist, wer die bessere Qualifikation für die jeweilige Stelle mitbringt und das hängt eben nicht nur vom Abschluss ab. Neben der fachlichen Qualifikation erwarten wir von den Bewerbern insbesondere ein hohes Maß an interkultureller Kompetenz, sprachlicher Vielfalt und Kommunikationsstärke, aber natürlich auch Serviceorientierung und Führungsstärke.

Bachelors finden sich in zahlreichen Bereichen bei Lufthansa: Im Vertrieb, im Netzmanagement und in der Produktentwicklung ebenso wie auch im Prozessmanagement und im Personal- und Kommunikationsmanagement. Jedem Mitarbeiter steht nach seinem individuellen Bedarf ein umfangreiches Angebot von Schulungsprogrammen an der Lufthansa School of Business zur Verfügung. Insofern finden auch die Bachelors ein umfangreiches Weiterbildungsangebot.

 

Robert Szwedo, Abteilungsdirektor Personalmanagement und -entwicklung bei AXA in Köln

Auf dem Foto ist Robert Szwedo abgelichtet.

Robert Szwedo

Foto: AXA

Grundsätzlich ist für AXA das persönliche Profil eines Bewerbers entscheidend. Wer persönlich überzeugt und von seinen fachlichen Voraussetzungen her auf die zu besetzende Stelle passt, hat gute Chancen – unabhängig davon, ob auf seinem Abschlusszeugnis Bachelor, Diplom oder Master steht. Mit dem so genannten „Kölner Modell“ bilden wir Bachelorabsolventen speziell für die Versicherungswirtschaft aus. Dieses Modell integriert die Ausbildung zum Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen in das Bachelorstudium. Wir unterstützen dieses duale Studium natürlich mit dem Ziel, Absolventen zu übernehmen.

Im Ressort Finanzen bieten wir die Möglichkeit, über ein Trainee-Programm einzusteigen. Im Vertrieb bietet AXA einen Einstieg, der Theorie- und Praxisbausteine verbindet und mit der Qualifikation „Fachmann/-frau für Versicherungen und Finanzen (IHK)“ abschließt. Wer direkt – ohne Einstiegsprogramm – seine Laufbahn im Konzern starten möchte, hat sich idealerweise bereits über sein Studium, erste Berufserfahrungen oder Praktika Schwerpunktqualifikationen angeeignet. Ein solcher Schwerpunkt lässt sich aber auch in den ersten Berufsjahren durch training on the job und über zusätzliche Qualifizierungsaktivitäten ausbilden.

 

Michael Donat, Director Human Resources bei der Unternehmensberatung BearingPoint in Frankfurt am Main

Auf dem Foto ist Michael Donat abgelichtet.

Michael Donat

Foto: BearingPoint

Der Bachelor ist der erste qualifizierte Studienabschluss. Noch machen Bachelors weniger als zehn Prozent unserer Einstellungen aus, das wird sich in den nächsten Jahren aufgrund der Absolventenprognosen allerdings drastisch nach oben ändern. Wir werden zukünftig auch Bachelors einstellen, die die Bereitschaft mitbringen, berufsbegleitend ein Masterstudium anzuschließen. Aktuell erwarten die meisten Unternehmensberatungen aber noch den Masterabschluss, da Masterabsolventen ein umfangreicheres und vertieftes Fach- und Methodenwissen mitbringen. Aufgrund des derzeitigen Angebots im Absolventenmarkt haben Master- und auch Diplomabsolventen daher noch einen Vorteil. Bezüglich der Sozial- und Persönlichkeitskompetenzen sehen wir jedoch keinen Unterschied.

Der Berufseinstieg erfolgt für alle Studienabsolventen ohne Berufserfahrung als Analyst. Das Einstiegsgehalt für Analysts ist nicht nach Studienabschlüssen differenziert, erst in den späteren Berufsjahren wird beim Gehalt nach Leistung unterschieden. Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit mehreren Partnern an berufsbegleitenden Masterstudiengängen. Ein Beispiel dafür ist das von der SAP initiierte berufsbegleitende SAP-Masterstudienprogramm, das an der Steinbeis-Hochschule Berlin, der Technischen Universität München und der SRH Hochschule Heidelberg angeboten wird.

 

Susanne Wiemer, Leiterin Konzern-Personal der TUI AG in Hannover

Auf dem Foto ist Susanne Wiemer abgelichtet.

Susanne Wiemer

Foto: TUI AG

Viele Jobeinsteiger sind heute Absolventen der neuen Studienabschlüsse. Bewerber mit Bachelor- und Masterabschlüssen werden bei den Gesellschaften des TUI Konzerns ebenso begrüßt wie Bewerber mit anderen Studienabschlüssen. Bei der Bewerberauswahl und der Stellenvergabe reduzieren wir die Absolventen grundsätzlich nicht ausschließlich auf ihre Abschlüsse, sondern beurteilen das jeweilige Qualifikationsprofil in seiner Gesamtheit. Wir berücksichtigen Bachelorabsolventen beim Auswahlprozess ebenso wie alle anderen Absolventen. Masterstudenten können jedoch häufig auf ein größeres Potpourri an Qualifikationen zurückgreifen, zum Beispiel durch Spezialisierung auf bestimmte Fachbereiche.

Die Zahl der Neueinstellungen schwankt von Jahr zu Jahr. Grundsätzlich kann man aber davon ausgehen, dass sich der Trend bei der universitären Ausbildung auch in unseren Neueinstellungen widerspiegeln wird. Die Erwartungen, die wir an neue Mitarbeiter stellen, variieren dabei je nach Stelle und Berufserfahrung, genauso wie die Vergütung. Gute Einstiegschancen haben Bachelorabsolventen in erster Linie in unsere Traineeprogramme. Wir bieten jedoch verschiedene Weiterbildungsmaßnahmen, Seminare und Trainings an.

 

Dr. Rudolf-Carl Meiler, Leiter Recruiting und Personalentwicklung ThyssenKrupp Steel Europe AG in Duisburg

Auf dem Foto ist Dr. Rudolf-Carl Meiler abgelichtet.

Dr. Rudolf-Carl Meiler

Foto: ThyssenKrupp Steel Europe AG

ThyssenKrupp beurteilt die hochschulpolitischen Reformbemühungen grundsätzlich als richtig und unterstützenswert. Bachelorabschlüsse als erste Berufsqualifizierung sollten ein Fundament und Einstieg in berufliche Tätigkeiten sein. Die berufliche Entwicklung findet dann vor allem im Unternehmen statt. Prinzipiell stehen Bachelorabsolventen alle Abteilungen offen. Die Einstellungschancen sind nicht primär an einen speziellen Hochschulabschluss gekoppelt. Letztlich spielt die Frage, mit welchen spezifischen Studieninhalten sich der jeweilige Kandidat auseinandergesetzt hat, eine größere Rolle. Genauso wie die Art der Praktika oder die Mobilitätsbereitschaft. Etwa zwei Drittel der eingestellten Hochschulabsolventen bei ThyssenKrupp Steel Europe sind Ingenieurwissenschaftler. Da die Studienreform in den Ingenieurwissenschaften erst verhältnismäßig spät umgesetzt wurde, sind die Absolventenzahlen noch relativ gering. Es ist allerdings davon auszugehen, dass ihre Zahl in den kommenden Semestern die der Diplomierten übersteigt, was automatisch auch Auswirkungen auf die Einstellungen in unserem Unternehmen haben wird.

Alle Hochschulabsolventen – ob Bachelor, Master oder Diplom – nehmen an einem individuellen Trainee-Programm teil, das in der Regel zwölf Monate dauert. Die Gehaltsdifferenz zwischen Bachelor- und Masterabsolventen liegt bei ThyssenKrupp Steel Europe im Trainee-Jahr bei circa sechs Prozent. Danach werden die Mitarbeiter über einen Zeitraum von zwei Jahren stufenweise an ihr Zielgehalt herangeführt und es wird nicht mehr zwischen den Abschlussniveaus unterschieden.

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