Studien- und Ausbildungswege
Wer eine Karriere als Dokumentar, Archivar oder Bibliothekar plant, kann mit der Wahl eines entsprechenden Studiengangs oder Studienschwerpunkts bereits die Weichen für die zukünftige Karriere stellen.
Nicht alle Bundesländer bieten Volontariate oder Referendariate für wissenschaftliche Bibliothekare an, und wenn, dann sind die Stellen eher dünn gesät.
Foto: Dörfel
Dokumentation beispielsweise kann man an Fachhochschulen studieren, entweder eigenständig, mit dem Schwerpunkt Medizinische Dokumentation, in Verbindung mit Informatik und Kommunikation oder als Schwerpunkt in den Studiengängen Medizinische Informatik, Technikkommunikation oder Umweltmonitoring. Auch im Bereich Bibliothekswesen gibt es eigenständige Studiengänge, beispielsweise Bibliotheksmanagement, Bibliothekswesen, Bibliotheks- und Informationswissenschaft und Bibliotheks- und Informationsmanagement. Trotz der unterschiedlichen Bezeichnungen haben die Studiengänge vergleichbare Inhalte.
Bibliothekare und Archivare sind meistens im öffentlichen Dienst beschäftigt, entweder im gehobenen oder im höheren Dienst. Für die Laufbahn im gehobenen Dienst ist ein abgeschlossenes Fachhochschulstudium oder ein Bachelorabschluss Voraussetzung. Die Absolventen sind beispielsweise in Stadt-, Behörden- oder Schulbibliotheken tätig, oder in Archiven. Je nach Stelle können sie auch verbeamtet werden. Der Großteil der Bibliothekare gehört zum gehobenen Dienst.
Die Mitarbeiter im gehobenen Archivdienst sind bei Archiven des Bundes, der Länder, bei kommunalen oder Parlamentsarchiven tätig. Hierfür wird die Ausbildung an Fachhochschulen sowie zusätzlich an Archivschulen, beispielsweise an der Archivschule Marburg, und bei Ausbildungsarchiven durchgeführt.
Wissenschaftlicher Bibliothekar.
Archivare und Bibliothekare können aber auch eine Laufbahn im höheren Dienst einschlagen, sie arbeiten dann als Archivassessoren oder wissenschaftliche Bibliothekare. Die Anforderungen sind hoch: Neben einem abgeschlossenen Masterstudium und eventuell sogar einer Promotion müssen die Bewerber in der Regel noch einen zweijährigen Vorbereitungsdienst durchlaufen. Wer beispielsweise als „wissenschaftlicher Bibliothekar“ arbeiten möchte, also zumeist in leitender Position an einer Hochschulbibliothek, muss ein abgeschlossenes Masterstudium vorweisen, und zwar möglichst in dem Fachbereich, für den er in der Bibliothek als Fachreferent zuständig sein möchte. „Vor allem Naturwissenschaftler und Ingenieure sind gefragt“, weiß Katrin Schneider vom Verein Deutscher Bibliothekare. Es sei möglich, dass diese sogar direkt nach dem Masterstudium in einer wissenschaftlichen Bibliothek einsteigen. Etwas schwieriger sei es dagegen für Absolventen der geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen. Um als wissenschaftlicher Bibliothekar zu arbeiten – und eventuell auch im höheren Dienst verbeamtet zu werden – wird nämlich in der Regel nach dem Master noch eine zweijährige Ausbildung verlangt. Der klassische Weg führt immer noch über ein Referendariat. Dabei wird die praktische Ausbildung in der Bibliothek ergänzt durch Theorie entweder an der Bayerischen Bibliotheksschule in München oder am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Während des Referendariats sind die angehenden Bibliothekare Beamte auf Widerruf im Vorbereitungsdienst und erhalten Anwärterbezüge. Das Referendariat endet mit einer Staatsprüfung.
Da in den neuen Bundesländern Bibliothekare nur selten als Beamte beschäftigt werden, wird dort in der Regel auch kein Vorbereitungsdienst für Beamte angeboten; derzeit gibt es in Thüringen und Sachsen die Alternative eines Volontariats, das zwar ebenfalls vergütet ist, aber nicht mit einer Staatsprüfung endet.
Nicht alle Bundesländer bieten Volontariate oder Referendariate für wissenschaftliche Bibliothekare an, und wenn, dann sind die Stellen eher dünn gesät. In Berlin beispielsweise gibt es in diesem Jahr nur elf Referendariatsplätze. Jährlich stehen bundesweit etwa 30 bis 35 Referendariatsplätze zur Verfügung. Wer bei seiner Bewerbung keinen Erfolg hat, kann seit einigen Jahren sein Glück auch über ein Weiterbildungsstudium versuchen. Neben der Humboldt-Universität zu Berlin bieten auch die Hochschule Darmstadt, die Fachhochschule Hannover, die Fachhochschule Köln, die Hochschule der Medien Stuttgart sowie die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) Masterstudiengänge an, mit denen man sich für eine Karriere als wissenschaftlicher Bibliothekar qualifizieren kann. „Die Stellen werden aber deshalb nicht mehr“, warnt Katrin Schneider vom Verein Deutscher Bibliothekare.





