Sprachprofis im Einsatz
Wer als Dolmetscher und Übersetzer arbeiten möchte, braucht Begabung und Leidenschaft für Sprachen, sowie Interesse an anderen Kulturen. Und er sollte keinen gesteigerten Wert auf eine Festanstellung legen, denn die meisten Dolmetscher und Übersetzer arbeiten als Freiberufler.
Übersetzer spezialisieren sich in der Regel auf einen bestimmten Bereich, beispielsweise Literatur, Technik, Wirtschaft, Medizin oder Recht.
Foto: Becker
Zu ihrem Berufsalltag gehört es nicht nur, die mit den Lektoren vereinbarten Termine einzuhalten, sondern immer wieder neue Projekte bei den Verlagen zu akquirieren. „Wer als Literaturübersetzer seltene Sprachen wie Ungarisch oder Isländisch beherrscht, kann den Buchmarkt beobachten und den Verlagen in Deutschland auch Vorschläge für Übersetzungen anbieten“, erklärt Claudia Feldmann.
Spezialisierung finden
Das Übersetzen von Literatur ist nur ein Zweig innerhalb des Berufs. Andere Übersetzer haben sich zum Beispiel auf Texte aus dem Bereich Technik, Wirtschaft, Medizin oder Recht spezialisiert. „Von unseren Übersetzern erwarten wir einen Diplom- oder Masterabschluss, außerdem Termintreue und ein gewissenhaftes, akribisch genaues Übersetzen“, sagt Heiko Hegewisch von der TRADEX GmbH, einer Übersetzungs-Agentur aus Saarbrücken. Die Agentur arbeitet mit etwa 250 Freiberuflern zusammen, die rund 40 Sprachen abdecken. Übersetzt werden vor allem Werbematerialien und technische Dokumentationen – angefangen vom Katalog bis hin zur Produktbeschreibung. Die wichtigsten Sprachen sind Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Niederländisch.
Gute Berufschancen, sowohl für Freiberufler als auch für Festangestellte, gibt es auch bei der EU. Allein die Europäische Kommission hat 558 festangestellte Dolmetscher und 1.700 Übersetzer, arbeitet aber auch mit sehr vielen Freiberuflern zusammen. Das Europäische Parlament beschäftigt ebenfalls viele Freiberufler und hat zusätzlich noch 380 fest angestellte Dolmetscher und 700 Übersetzer. Beim Europäischen Gerichtshof arbeiten neben den Freiberuflern 70 Dolmetscher und 600 Übersetzer als Festangestellte und beim Europäischen Rat und dem Rat der Europäischen Union sind 630 Übersetzer angestellt. Und es wird weiter eingestellt: „Bei der Europäischen Kommission in Brüssel besteht zum Beispiel momentan ein hoher Bedarf an Dolmetschern in den drei ,großen‘ Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch“, erklärt Anne-Kristin Krämer vom Verband der Konferenzdolmetscher im Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer. „Der Grund hierfür ist ganz einfach: Viele Dolmetscherinnen und Dolmetscher wurden vor rund 30 Jahren eingestellt, also wird ein großer Teil von ihnen in den nächsten Jahren pensioniert.“
Zu den fachlichen Anforderungen von Dolmetschern gehört es, sich schnell und gründlich in neue Fachgebiete einzuarbeiten. „Wichtig sind außerdem hohe Konzentrationsfähigkeit und Teamgeist – Dolmetscher sitzen immer zu zweit in einer schalldichten Kabine und erbringen eine Teamleistung“, erklärt Anne-Kristin Krämer.
Zahl der gemeldeten Stellen gestiegen
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren 2010 in Deutschland rund 6.700 Dolmetscher und Übersetzer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, zwei Prozent weniger als 2009. „Am Arbeitsmarkt für Dolmetscher und Übersetzer waren 2010 noch deutliche Nachwirkungen der Wirtschaftskrise zu erkennen“, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit. „Die Arbeitslosigkeit ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. 2.500 Übersetzer und Dolmetscher waren 2010 im Durchschnitt arbeitslos. Mit der wirtschaftlichen Belebung beginnt sich die Situation aber wieder zu verbessern.“ So sei die Zahl der gemeldeten Stellen nach deutlichen Rückgängen 2009 im vergangenen Jahr wieder um acht Prozent angestiegen, auf 600. „Als angehender Absolvent sollte man aber auf jeden Fall auch eine selbstständige Tätigkeit ins Auge fassen, denn mehr als die Hälfte der in Deutschland tätigen Dolmetscher und Übersetzer arbeiten freiberuflich“, rät der Experte.




