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Chemiebranche

Kreative Forscher gefragt

Ob Arznei- oder Waschmittel, Farben, Kleb- und Dämmstoffe, Blumendünger oder Kunststoffprodukte - Chemie steckt in vielen Dingen des täglichen Gebrauchs. Und die Anwendungsmöglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft. Für neue Ideen sucht die Chemiebranche fortlaufend gute Mitarbeiter.

EIn junger Chemiker im Labor bei einem Versuch.

In der Chemiebranche werden fortlaufend gute Mitarbeiter gesucht.

Foto: Becker

Wie wird eine Oberfläche kratzfester? Wie erhöhe ich bei Lacken den UV-Schutz? Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich Ninja Hanitzsch, Laborleiterin Nanotechnologie bei der Byk Chemie GmbH in Wesel. Nach einer Ausbildung zur Lacklaborantin studierte Ninja Hanitzsch Chemieingenieurwesen an der Hochschule Esslingen. Im Praxissemester und während der Bachelorarbeit war die 26-Jährige bereits bei Byk Chemie tätig, nach ihrem Studienabschluss stieg sie als Trainee ein. Seit Mai 2010 führt sie als Laborleiterin sechs Mitarbeiter. „Ich bin vor allem für die Organisation des Labors zuständig“, erzählt Ninja Hanitzsch. „Ich plane neue Versuche, werte gemeinsam mit meinen Mitarbeitern Ergebnisse aus, suche nach neuen Anwendungsgebieten und halte Vorträge bei Kunden.“ Bei all dem kann sie auf im Studium erworbene Kenntnisse zurückgreifen: „Ich habe bereits im Studium im lacktechnischen Labor gearbeitet und kenne mich daher mit den Anwendungsgebieten gut aus“, erklärt die Chemieingenieurin.

Schwerpunkt Mittelstand

Ninja Hanitzsch ist nur eine von rund 416.000 Mitarbeitern, die in der Chemischen Industrie in Deutschland tätig sind. Aber in der Branche arbeiten nicht nur Chemiker und Chemieingenieure. Je größer ein Unternehmen, umso vielfältiger die Einsatzmöglichkeiten für Abiturienten und Hochschulabsolventen. Bei BASF zum Beispiel können Schulabgänger unter anderem eine Ausbildung zum Chemie- oder Lacklaboranten oder zum Chemikanten absolvieren, die Süd-Chemie AG sucht auch angehende Industriekaufleute. Und überall gilt: Hochschulabsolventen haben oftmals einen Abschluss in Chemie oder in einer anderen natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Disziplin, etwa in Verfahrenstechnik. Auch Wirtschaftswissenschaftler sind gefragt.

Jeder zehnte Chemiebeschäftigte arbeitet laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) in der Forschung und Entwicklung (FuE), in die jährlich rund 8,3 Milliarden Euro investiert werden. „Für Chemiker im Bereich Forschung und Entwicklung ist zumeist eine Promotion und Forschungserfahrung erwünscht“, weiß Dirk Meyer, Geschäftsführer Bildung beim Bundesarbeitgeberverband Chemie. „Bei anderen Fachrichtungen, die die Branche benötigt – also weitere Naturwissenschaften, Ingenieurwesen oder Betriebswirtschaft – bestehen je nach Einstiegsposition gute Perspektiven für Master- und auch Bachelorabsolventen.“ Chemie- oder Verfahrensingenieure beispielsweise sind meist in Produktion und Technik beschäftigt: „Sie planen zum Beispiel neue Produktionsanlagen, in denen man neu entwickelte Produkte der BASF verarbeiten kann“, meint Sarah Ulmschneider, Referentin Personalmarketing bei BASF.

Gute Aussichten

Der Umsatz der rund 2.000 deutschen Chemieunternehmen lag 2009 bei über 145 Milliarden Euro. Über 90 Prozent der Arbeitgeber sind kleine und mittelständische Unternehmen. Doch auch der Anteil großer, international tätiger Unternehmen ist in Deutschland laut dem VCI überdurchschnittlich hoch. Zu den großen Chemiekonzernen gehören zum Beispiel Bayer, BASF und Evonik.

Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind positiv: „Nach einer relativ hohen Arbeitslosigkeit zur Jahrtausendwende ist die Arbeitslosenzahl stetig zurückgegangen, wenngleich die Wirtschaftskrise Spuren hinterlassen hat“, berichtet Arbeitsmarktexperte Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit. Waren 2000 noch rund 6.400 Chemiker und Chemieingenieure arbeitslos, so sank die Zahl auf 2.500 im Jahr 2009. Und auch für die Zukunft ist er optimistisch:  „In den kommenden Jahren werden schon allein aufgrund der Demografie weitere Chemikerinnen und Chemiker gesucht, denn jeder sechste Beschäftigte ist zurzeit über 55 Jahre alt.“ Mit rund 41.000 Beschäftigten zeige sich die Zahl der Chemiker und Chemieingenieure seit Jahren recht stabil, meint Ralf Beckmann weiter.

Der Akademikeranteil in der Chemiebranche liegt laut Dirk Meyer, Geschäftsführer Bildung beim Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), bei 20 Prozent – Tendenz steigend. Neben Absolventen der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) werden vor allem Einsteiger für duale Studiengänge mit naturwissenschaftlichen, technischen oder kaufmännischen Fachrichtungen gesucht.

Aber auch die Absolventen von Ausbildungsberufen sind begehrt: „Als Hochleistungsbranche beschäftigen wir überwiegend qualifiziertes Personal“, meint Dirk Meyer. Welchen Weg auch immer Abiturienten und Absolventen in der Chemiebranche gehen: „Sie beschäftigen sich immer mit Innovationen und sogenannten Megatrends, was die Sache sehr spannend macht“, sagt Sarah Ulmschneider von BASF. „In der Chemie gibt es keine Routinejobs, sondern man hat immer die Möglichkeit, neue Dinge zu entdecken, die das Leben für viele Menschen einfacher machen.“

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