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Werbebranche

Querdenker und kühle Rechner

Die Werbebranche gilt als Spielwiese für schräge Vögel und Kreative. Nach einer Flaute geht es nun wieder aufwärts. Neben Textern und Grafikern sind vor allem auch Experten für neue Medien gefragt.

In Werbeagenturen können Texter, Marktforscher, Betriebswirte und IT-Experten arbeiten, die Anwendungen für die digitale Kommunikation programmieren können.

Foto: Tanja Borgschulte

Anna-Lena Pittelkow fühlt sich wohl in ihrem Arbeitsumfeld – eine der Bedingungen, die für sie notwendig sind, damit sie kreativ arbeiten kann. „Wir sind ein junges, dynamisches Team und arbeiten respektvoll auf Augenhöhe zusammen“, sagt die 28-Jährige. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet sie als Texterin für die Ideenagentur „Zum goldenen Hirschen“ am Standort Köln. Dass sie lange vor der Tastatur sitzt, ohne dass ihr etwas einfällt, kommt eigentlich nicht vor. „Werbung muss Spaß machen“, findet die Diplom-Medienwissenschaftlerin, die

Anna-Lena Pittelkow

Anna-Lena Pittelkow

Foto: Privat

zuvor für eine TV-Produktionsfirma neue Formate entwickelt hat. „Man muss quer und schräg denken und schnell im Kopf sein“, sagt sie. Als Texterin arbeitet sie an Werbe- oder Imagekampagnen für Marken mit. Solche Projekte werden langfristig geplant und können mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Anna-Lena Pittelkow textet TV- und Rundfunkspots, Flyer, Broschüren und gelegentlich auch einen Slogan, der später in riesigen Lettern an einer Plakatwand zu lesen ist. „Es ist eine Herausforderung, aus dem Nichts einen kreativen Einfall zu entwickeln. Man muss das Ziel haben, für den Kunden die beste Idee zu entwickeln, und sich selbst motivieren können“, fasst sie zusammen.

Mehr Umsatz, mehr Jobangebote

Anna-Lena Pittelkow ist eine von 549.500 Mitarbeitern, die laut Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) Ende 2010 in der Werbebranche beschäftigt waren. Neben den Mitarbeitern im Bereich Werbegestaltung und Webemittel-Verbreitung gehören nach Definition des ZAW dazu auch die Zulieferbetriebe wie Druckindustrie und Telefon-Marketing-Agenturen. Das Spektrum der Berufe reicht von Art Directoren in Werbeagenturen über Mediaexperten in den Marketingabteilungen von Unternehmen, Texter, Kontakter und Marktforscher bis hin zu Anzeigenfachleuten bei Medien. Aber auch Betriebswirte, die sich mit Finanzen auskennen und IT-Experten, die Anwendungen für die digitale Kommunikation programmieren können, gehören dazu. Aus einer Arbeitsmarkt-Analyse des ZAW geht hervor, dass das Stellenangebot für Art Directoren im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 163 Prozent gestiegen ist, bei den Textern waren es 153 Prozent und bei den Grafik- und Mediendesignern 65 Prozent.

Eine positive Prognose wagen auch die Arbeitsmarktexperten der Bundesagentur für Arbeit: „Zwar hat in den vergangenen beiden Jahren die Wirtschaftskrise zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Werbefachleuten geführt, doch aktuell schlägt sich der wirtschaftliche Aufschwung auch am Werbemarkt nieder. Die Nachfrage nach Werbefachleuten steigt kräftig und die Arbeitslosigkeit geht zurück“, sagt Arbeitsmarktexperte Ralf Beckmann. In den beiden ersten Quartalen 2011 seien insgesamt 22.800 Stellen für Werbefachleute bei der Bundesagentur gemeldet worden, neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Gesamtumsatz der Branche lag 2010 bei 29,53 Milliarden Euro und damit 2,4 Prozent höher als 2009. 77 Prozent der Agenturen rechnen laut einer Stichprobenbefragung des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen (GWA) für 2011 mit weiteren Umsatzsteigerungen. Deutlich wird auch, dass sich die Arbeitsschwerpunkte von der klassischen Werbung wie Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften hin zu den Neuen Medien, Multimedia, Online-Marketing und E-Commerce verlagern. „Zu diesem Bereich gehören zum Beispiel die Gestaltung von Online-Shops, Online-Auftritte von Unternehmen bis hin zu Kampagnenwebsites für einzelne Produkte“, sagt Mirco Hecker vom Gesamtverband Kommunikationsagenturen.

Das sieht auch der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft so und erwartet deshalb, dass künftig vor allem im Bereich der technischen Dienstleistungen wie beispielsweise der aufkommenden elektronischen Bezahltechniken und in der Markt- und Sozialforschung Experten gesucht werden, also beispielsweise Webentwickler, Social Media Manager und Informationsarchitekten.

Trend zur Akademisierung

Das hat Auswirkungen auf die Ausbildung. „In der Branche zeichnet sich eine zunehmende Akademisierung ab“, sagt Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit. So sei der Anteil von Hochschulabsolventen von 9,8 Prozent im Jahr 2007 auf 11,7 Prozent im Jahr 2010 gestiegen. Inzwischen gibt es beispielsweise auch einen dualen Studiengang „Medien- und Kommunikationswirtschaft/Digitale Medien in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Für manche Stellen ist ein Hochschulabschluss sogar Pflicht: „Für die Kreativberufe und den Managementbereich ist beim Berufseinstieg ein abgeschlossenes Studium Voraussetzung, beziehungsweise ein laufendes für ein Praktikum“, sagt Torben Gefken, der Sprecher der Hamburger Agentur FischerAppelt. Die Agentur bietet aber beispielsweise auch Berufsausbildungen für Kaufleute für Marketingkommunikation, Kaufleute für Bürokommunikation, Mediengestalter Bild & Ton, Mediengestalter Digital & Print sowie Fachinformatiker der Fachrichtung Systemintegration an.

„Da die Arbeit immer internationaler wird, sind Auslandsaufenthalte, in denen man seine Fremdsprachenkenntnisse gefestigt hat, sehr gerne gesehen. Erste Erfahrungen in der Branche, zum Beispiel über Praktika oder freie Mitarbeit sollten ebenfalls bereits gesammelt worden sein. Querdenkertum und Meinungsstärke sind für uns ebenfalls wichtige Faktoren – und vor allem eines: Neugierde. Denn die zeichnet einen guten Werber aus“, meint Torben Gefken.

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