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Musiklehrer

Zwischen Prüfung und Bandprobe

Klavierspielen bis zum Abwinken und Singen bis zum geht nicht mehr: So sieht für Michaela Schneider ein perfekter Tag aus. Die 21-Jährige besucht im vierten Semester das Musikfachseminar in Stuttgart und ist von ihrer Ausbildung zur Musiklehrerin restlos begeistert.

Auf dem Foto sind die Tasten eines Klaviers abgebildet und Frauenhände, die darauf spielen.

Klavierspielen gehört für Michaela Schneider zum Leben - und zur Ausbildung.

Foto: WillmyCC

Für ihren Traum ist die Abiturientin von Adelsheim ins knapp 100 Kilometer entfernte Stuttgart gezogen und drückt dort 32 Wochenstunden die Schul- und noch etliche mehr die Klavierbank. Die Anforderungen sind hoch: Jedes Halbjahr schließt mit praktischen und schriftlichen Prüfungen; zu den Unterrichtsfächern gehören neben Improvisation, Methodik oder Arrangement auch Deutsch und Gemeinschaftskunde (Politik). Als Hauptfächer hat Michaela Schneider Klavier und Elementare Musikpädagogik (EMP) gewählt. Als Nebenfächer belegt sie Gesang und Dirigieren.

Neben der Theorie spielt der praktische Teil am Musik-Fachseminar eine wichtige Rolle: Die 21-Jährige spielt und singt im Orchester, im Schulchor, einer Bigband, einer Akustik-Gruppe, einer russischen Band und einem christlichen Rock-Pop-Ensemble. Zum einen, weil zwölf Wochenstunden Bandarbeit Pflicht sind. Zum anderen „weil es einfach Spaß macht“, wie sie fröhlich erzählt.

Musik hat die Schülerin schon während ihrer gesamten Schulzeit an einem musischen Gymnasium in Baden-Württemberg begleitet. Für eine berufliche Karriere in diesem Bereich hat sie sich jedoch erst in der zwölften Klasse bewusst entschieden. „Durch meinen späten Entschluss war die Vorbereitungszeit etwas knapp“, erzählt die 21-Jährige schmunzelnd. Für die künstlerische Laufbahn an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart hat es darum nicht gereicht. Wohl aber für die Ausbildung zur Musikpädagogin am privaten Berufskolleg. Michaela Schneider entschied sich vor allem wegen des hohen Praxisbezugs dafür – mit dem klaren Ziel, später an einer privaten Musikschule unterrichten zu können. „Ich würde gerne Klavierstunden geben – auch schon als Maßnahme der Frühförderung für Kinder.“

Selbst produzierter Tonträger für die Bewerbung

Für die Aufnahme am gebührenpflichtigen Musikfachseminar in Stuttgart musste Michaela Schneider zunächst einen einseitigen Antrag mit Angaben zur Person ausfüllen. Dem waren ein Lebenslauf, eine Kopie des Schulzeugnisses sowie ein selbst produzierter Tonträger mit maximal drei Titeln beizufügen. Dabei ist wichtig, dass das eigene Instrument oder der eigene Gesang gut hörbar sind. Die Adelsheimerin überzeugte mit ihrer Hörprobe und wurde zur Aufnahmeprüfung eingeladen. Bei dieser werden die Bewerber einen ganzen Tag lang in allgemeiner Musiklehre und Gehörbildung schriftlich und mündlich geprüft und müssen zwischen zwei und drei Lieder vorsingen beziehungsweise auf ihrem Instrument vorspielen. So soll ermittelt werden, ob die Berufskolleg-Interessenten die notwendigen pädagogischen Voraussetzungen und die erforderlichen Grundkenntnisse im Instrumentalbereich mitbringen.

Reicht der Leistungsstand noch nicht für die Aufnahme ins erste Semester aus, besteht die Möglichkeit, ein halbes Jahr lang die Vorklasse zu besuchen, um Defizite aufzuarbeiten. Wer die Aufnahmeprüfung besteht, ergattert direkt einen der 40 kostenpflichtigen Seminarplätze. Die Basis-Ausbildung kostet im Monat 300 Euro, die mit Schüler-BAföG finanziert werden kann. Wer, wie Michaela Schneider, zwei zusätzliche Fächer belegt, muss mehr bezahlen: 380 Euro investiert die Musikliebhaberin monatlich in ihre Ausbildung.

Das Abitur ist laut Akademieleiter Rolf Eberhard, der seit 1999 in der privaten Einrichtung ausbildet, für die Aufnahme nicht zwingend erforderlich. „Wir bereiten unsere Schüler darauf vor, draußen Kinder zu unterrichten“, schildert Rolf Eberhard, der auch Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Privatmusikschulen (BDPM) ist. Der Verband setzt sich für eine qualifizierte und praxisorientierte Ausbildung privater Musiklehrer ein. Diese setzt sich am Musikfachseminar Stuttgart aus je einem Drittel Orchesterarbeit, Musiktheorie sowie Pädagogik zusammen und dauert insgesamt sechs Semester – also drei Jahre. Der Abschluss „Musikpädagoge“ befähigt zum Unterricht an privaten oder staatlichen Musikschulen, in Musikvereinen oder auf selbstständiger Basis. Weitere Berufsfelder finden sich in der Musikindustrie, in Bands, Orchestern, Ensembles oder bei Musicals. Auch als Kulturmanager, Veranstaltungstechniker, Mitarbeiter in Tonstudios, Dirigent, Arrangeur sowie als Komponist und Sounddesigner kann der Einstieg ins Arbeitsleben gelingen. Musikpädagogen, die ihren Lebensunterhalt nach der Ausbildung beispielsweise als Orchestermusiker verdienen wollen, können von den Diensten der ZAV-Künstleragentur der Bundesagentur für Arbeit profitieren. Sie unterhält Agenturen in vielen Großstädten und berät und vermittelt Musiker. Wer hingegen Musik an staatlichen Schulen unterrichten will, der braucht in der Regel ein Hochschulstudium. In Bayern ist es aber möglich, mit einer schulischen Ausbildung als Fachlehrer an Grund-, Haupt- oder Realschulen eingesetzt werden. Christian Prauschke (24) hat eine schulische Ausbildung absolviert und macht gerade sein Referendariat an einer Nürnberger Hauptschule (siehe Reportage „Mit Spaß und Lebensfreude unterrichten“).

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