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Ausbildung mit Doppelabschluss

Bonjour und Guten Tag

Zweisprachiges Lernen: Anna Beisner (20) macht bei einer Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft in Paris eine Ausbildung zur Industriekauffrau und erwirbt zugleich einen französischen Abschluss.

Auf dem Foto ist Anna Beisner zu sehen. Im Hintergrund erstreckt sich das Panorama von Paris und der Eiffelturm.

"Ich wollte beruflich auf jeden Fall etwas mit Französisch machen."

Foto: Privat

Für Anna Beisner lag das Ausland wortwörtlich nahe. Sie wuchs in Geilenkirchen nahe Aachen auf, ein Katzensprung zur belgischen Grenze, und auch nach Frankreich fuhr die Familie häufig. Eins wusste sie deshalb schon als Schülerin: „Ich wollte beruflich auf jeden Fall etwas mit Französisch machen.“ Sie erfuhr von der zweisprachigen Ausbildung zur Industriekauffrau, die die IHK Aachen in Kooperation mit der Ecole Franco-Allemande de Commerce et d’Industrie (EFACI) in Paris anbietet. „Ich habe mich im Internet noch näher informiert und war begeistert“, erinnert sich die Auszubildende.

Bewerbung auf Französisch

Nach der Online-Bewerbung – auf Französisch – wurde Anna Beisner zum Vorstellungsgespräch eingeladen. „Mein erstes Vorstellungsgespräch in Aachen habe ich auf Deutsch und Französisch geführt“, erinnert sie sich. Nachdem sie diese Hürde gemeistert hatte, lud ein Ausbildungsbetrieb in Paris zu einem weiteren Gespräch – dieses Mal komplett auf Französisch. Zurück in Deutschland kam die Zusage. „Ich habe mich riesig gefreut, denn mit dieser Ausbildung bin ich doppelt qualifiziert“, freut sich die 20-Jährige. Neben dem IHK-Titel „Industriekauffrau“ erwirbt sie den französischen Abschluss „Brevet de Technicien Supérieur (BTS) Comptabilité-Gestion.“ Im Sommer 2009 startete die insgesamt zweijährige Lehrzeit, die Anna Beisner in Paris verbringt. Nur im Urlaub und an manchen Wochenenden fährt sie nach Hause. Schon von Deutschland aus hatte sie sich um eine Unterkunft bemüht und fand einen Platz in einem Wohnheim für junge Arbeitende.

Jetzt, im zweiten Lehrjahr, erhält Anna Beisner eine Vergütung von rund 620 Euro, außerdem gibt es bis zu 300 Euro Wohngeld vom französischen Staat. Davon müssen Lebensunterhalt und die Unterkunft bezahlt werden.

Bei der Ausbildung lernt die junge Deutsche immer abwechselnd einen Monat lang die Praxis im Unternehmen und anschließend einen Monat die Theorie in der Berufsschule. Im Ausbildungsbetrieb hat Anna Beisner bisher in der Buchhaltung und im Steuerwesen Aufgaben übernommen. „Aber auch in der Wirtschaftsprüfung und in der Wirtschaftsberatung konnte ich schon Erfahrungen sammeln“, sagt sie. Die meisten ihrer Kollegen seien Franzosen, aber es gebe auch einige Deutsche. „Und einige französische Kollegen sprechen gut Deutsch“, meint die Auszubildende.

In der Berufsschule vermittelt eine deutsche Lehrerin die Ausbildungsinhalte für Industriekaufleute, auf Basis des IHK-Lehrplans. Zusätzlich werden noch Ausbildungsinhalte für den BTS-Abschluss gelehrt, auf Französisch. Auf dem Stundenplan stehen beispielsweise Fächer wie Rechnungswesen, Mathe, Wirtschaft, Französisch und Informatik.

Gut integriert

Mit ihrem Schulfranzösisch kann Anna Beisner die Ausbildung gut bewältigen. „Ich hatte das Fach als Leistungskurs und war zuvor bereits für ein halbes Jahr als Austauschschülerin in Frankreich.“ Ein Vorteil, aber kein Muss nach ihrer Einschätzung. „Ich kenne auch Auszubildende, die diese Erfahrung nicht gemacht haben und gut mit den Inhalten zurechtkommen.“ Im Wohnheim hat sie, wie im Betrieb, fast ausschließlich mit Franzosen zu tun. Da sie Frankreich schon sehr gut kannte, fiel es ihr leicht, sich im Alltag zu integrieren. „Man sollte sich vor einem Auslandaufenthalt mit der anderen Kultur auseinandersetzen“, weiß sie aufgrund dieser Erfahrung. „Für manch anderen Azubi war die Umstellung größer.“

Im kommenden Sommer wird Anna Beisner ihren zweisprachigen Ausbildungsabschluss als Industriekauffrau machen. Das BTS deckt zugleich die ersten beiden Jahre des französischen Bachelorstudiums ab. Sie plant deshalb noch ein Jahr in Frankreich zu studieren, um auch diesen akademischen Abschluss zu erwerben. Schon jetzt ist sie froh, den Schritt ins Ausland gewagt zu haben. „Es ist eine riesige Chance, zweisprachig ausgebildet zu werden.“

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