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Firmeninternes Programm

Sieben Wochen Vietnam

Exotischer Alltag: Einen Teil ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau verbrachte Anja Ostrowski (21) in einem Außenbüro ihres Arbeitgebers, der InWEnt gGmbh, in Hanoi.

Auf dem Foto ist Anja Ostrowski auf einem Bootssteg zu sehen. Im Hintergrund das Meer und Berge.

"Mit meinem Lohn kam ich in Vietnam sogar weiter als in Deutschland, weil das Leben dort viel günstiger ist."

Foto: Privat

Auf dem Papier hatte Anja Ostrowski sich schon mit berufsbildenden Auslandseinsätzen beschäftigt: Sie absolvierte ihre Ausbildung zur Bürokauffrau bei der InWEnt – Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH in Bonn. „Die Teilnehmer unserer Programme erwerben weltweit internationales und interkulturelles Know-how“, erklärt die 21-Jährige. Sie übernahm hierbei Koordinierungsaufgaben und führte Korrespondenzen. Im zweiten Ausbildungsjahr wollte sie dann selbst Auslandserfahrung sammeln und das Arbeiten in einem InWEnt-Außenbüro kennenlernen.

Außenstelle in Hanoi

Um ihr Ziel zu erreichen, musste Anja Ostrowski viel Eigeninitiative zeigen. Sie erkundigte sich, in welchen Außenbüros überhaupt personelle Unterstützung gebraucht wurde. Auch ihre Qualifikationen waren entscheidend. „In Lateinamerika etwa wären Spanischkenntnisse erforderlich gewesen.“ Die konnte sie nicht vorweisen, dafür fließende Englischkenntnisse. In die engere Wahl kam schließlich das Außenbüro Vietnam. Es folgten Bewerbungsgespräche mit der Regionalkoordination Asien/Südosteuropa und der Personalabteilung in Bonn, auch die Finanzierung musste vorab geklärt werden. Als die Leiterin des Büros Hanoi geschäftlich in Bonn zu tun hatte, trug die Auszubildende ihren Wunsch vor. Dann die gute Nachricht: Ein siebenwöchiger Aufenthalt wurde sowohl vom Außenbüro als auch von ihrem Arbeitgeber in Bonn als Auslandsdienstreise bewilligt.

Im Juli 2009 packte Anja Ostrowski ihre Koffer. Zuvor galt es noch viel Bürokratisches zu erledigen: das Visum musste beantragt, die Flüge gebucht und der Dienstreiseantrag von allen Verantwortlichen unterschrieben werden. Bei all dem wurde sie von der firmeninternen Reisestelle unterstützt. Für die nötigen Impfungen besuchte sie den Ärztlichen Dienst des Deutschen Entwicklungsdienstes. Außerdem informierte sie sich ausgiebig über ihr Reiseziel. „Ich habe sehr viel gelesen und mit anderen Azubis gesprochen, die bereits im Ausland waren.“

Mit dem Moped-Taxi zur Arbeit

Bei den Reisekosten wurde Anja Ostrowski seitens der Organisation ein Limit gesetzt, das sie durch geschickte Planung gut einhalten konnte. Sie fand eine günstige Unterkunft, indem sie ein Zimmer in einem Haus für Praktikanten anmietete. Außerdem gab es weiterhin die Ausbildungsvergütung. „Mit meinem Lohn kam ich in Vietnam sogar weiter als in Deutschland, weil das Leben dort viel günstiger ist.“ Werktags arbeitete die angehende Bürokauffrau von 9 bis 18 Uhr. Sie bereitete zum Beispiel ein Training für ehemalige Teilnehmer der InWEnt-Programme mit vor und flog hierfür nach Ho-Chi-Minh-Stadt. In der Freizeit traf sie sich mit Einheimischen, um die vietnamesische Kultur und Lebensweise besser kennen zu lernen. „Auch der Weg zu Arbeit war spannend“, schmunzelt sie. Eine bleibende Erinnerung ist das Moped-Taxi. „Der Fahrpreis wurde mit Händen und Füßen ausgehandelt, denn viele Vietnamesen sprechen kein Englisch.“ Ihre Kollegen im Büro dagegen, ebenfalls größtenteils Einheimische, beherrschten die Sprache perfekt. So kam Anja Ostrowski mit ihren Sprachkenntnissen im Job gut zurecht und profitierte dabei auch von ihrer Zeit als Austauschschülerin in Neuseeland.

Ihren Auslandsaufenthalt bewertet die Bürokauffrau im Rückblick durchweg positiv: „Die Zeit hat mir beruflich viel gebracht, ich konnte unsere Arbeit so auch mal direkt vor Ort erleben.“ Außerdem seien ihr ihre beruflichen Ziele dadurch noch klarer geworden. Im Juli 2010 schloss Anja Ostrowski ihre Ausbildung als Jahrgangsbeste ab. Bei InWEnt (inzwischen ein Teil der GIZ – Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) wurde sie von der Regionalkoordination Asien/Südosteuropa in Bonn übernommen. Nebenbei studiert sie nun BWL mit Blick auf einen entwicklungspolitisch ausgerichteten Masterabschluss. Südostasien hat einen festen Platz in ihrem Leben eingenommen.

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