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Eurokaufmann

Kombination aus Wirtschaft und Sprache

"Irgendwas mit Sprachen" wollte Martin Brunner (21) nach dem Abi machen, aber nicht unbedingt studieren. Eine Berufsmesse an seiner Schule brachte dann die Lösung: Er macht jetzt eine Abiturientenausbildung zum Eurokaufmann bei der Lindner AG im bayerischen Arnstorf.

Martin Brunner in rotem T-Shirt

Die Ausbildung zum Eurokaufmann empfindet Martin Brunner als anspruchsvoll, "aber machbar".

Foto: IHK-Akademie in Ostbayern

Eurokaufleute übernehmen fremdsprachige Geschäftskorrespondenz, machen Übersetzungen, wickeln Zollverfahren ab, stellen Rechnungen aus – sind also eine Mischung aus Kaufleuten und Fremdsprachenkorrespondenten. „Ich mache eine IHK-Ausbildung zum Industriekaufmann“, erklärt Martin Brunner. „Und gleichzeitig eine Weiterbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten für Englisch, Französisch und Spanisch.“ Nach insgesamt drei Jahren kann er sich dann Eurokaufmann nennen.

Martin Brunner ist inzwischen im fünften Ausbildungssemester. Die Theorie lernt er an der IHK Akademie in Ostbayern in mehrwöchigem Blockunterricht. Auf dem Stundenplan stehen nicht nur kaufmännische Grundlagen wie „Entwicklung von Unternehmensstrategien“, sondern auch „Grundlagen der Export- und Importabwicklung“, Grundlagen der EDV, Präsentations- und Moderationstechnik und natürlich Wirtschaftsenglisch, -französisch und -spanisch. Er lernt beispielsweise, wie man einen Geschäftsbrief auf Französisch schreibt oder wie man Exportpreise kalkuliert. Dieses Wissen kann er dann während der Praxisphasen bei der Lindner AG anwenden.

In seiner Klasse sind insgesamt 26 Schüler, davon fünf Männer. „Anscheinend ist bei uns die Männerquote sogar noch relativ hoch“, hat Martin Brunner erfahren. Aber die Ausbildung mit der Mischung aus Wirtschaft und Fremdsprachen ist genau das, was sich der Vilshofener vorgestellt hat.

Auslandsaufenthalt inklusive

Bei der Lindner AG durchläuft er – wie alle Azubis – verschiedene Abteilungen. Das Unternehmen ist Europas führender Spezialist in den Bereichen Innenausbau, Fassadenbau und Isoliertechnik und hat weltweit über 5.500 Mitarbeiter. „Meine erste Abteilung war eine unserer Produktsparten, die Abteilung für Decken. Dort gehörte unter anderem die Arbeitsvorbereitung für diverse Projekte zu meinem Aufgabenbereich, also beispielsweise die Beschaffung von Materialien.“ Aber auch die Fremdsprachen kamen nicht zu kurz. Martin Brunner musste Dokumente übersetzen und Datenblätter für verschiedene Deckensysteme auf Deutsch und Englisch erstellen. In der Finanzbuchhaltung lag sein Arbeitsschwerpunkt auf der Systembetreuung der ausländischen Tochterfilialen, das heißt, wenn Buchhalter Probleme mit dem Buchungssystem hatten, half er ihnen weiter. „Außerdem hatte ich dort logischerweise auch viel mit Zahlen zu tun“, erinnert er sich, „und habe beispielsweise Rechnungen erfasst.“

Die dritte und letzte Abteilung vor Ende seiner Ausbildung ist die Abteilung „Internationale Projekte“, in der er auch nach seiner Ausbildung eingesetzt werden wird. Dort bereitet er – ähnlich wie in seiner ersten Abteilung – Projekte vor, angefangen bei der Angebotsabgabe. Aber auch die englische, französische und spanische Geschäftskorrespondenz gehört hier zu seinen Aufgaben. Und immer wieder muss er beispielsweise Dokumente übersetzen.

Aber die Internationalität endet damit nicht: „Ich habe schon vier Wochen bei der Tochtergesellschaft in London mitgearbeitet und war zwei Wochen in Holland“, erinnert sich der Azubi. Und dabei wird es bei einem solchen internationalen Unternehmen wahrscheinlich nicht bleiben. „Ich werde sicher noch öfter ins Ausland gehen, auch mal nur für ein paar Tage“, ist er sich sicher.

Die Ausbildung findet er anspruchsvoll, „aber machbar“. Die Prüfung zum Englisch-Fremdsprachenkorrespondenten hat er bereits im vierten Semester abgelegt, im kommenden Jahr kommt es dann geballt: Er wird die IHK-Prüfung zum Industriekaufmann machen sowie die Fremdsprachenkorrespondentenprüfung in Spanisch und Französisch. Aber Martin Brunners Pläne reichen bereits weiter: „Ich möchte dann berufsbegleitend BWL studieren.“

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