Sie hält den Straßenverkehr im Fluss
Lichtsignalanlagensysteme, also Ampeln, bestimmen Jenny Wegmeyers Alltag. Nicht als Fußgängerin oder Autofahrerin, sondern von Berufs wegen: Die 27-jährige Diplom-Bauingenieurin arbeitet als Verkehrsingenieurin bei gevas humberg & partner, einem Büro für Verkehrsplanung und -technik in Essen.
Jenny Wegmeyer arbeitet als verkehrsingenieurin in der Verkehrsplanung.
Foto: Privat
„Wir programmieren verkehrsabhängige Lichtsignalanlagensteuerungen, beispielsweise zur Beschleunigung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Ich kümmere mich also praktisch um alles, was mit Ampeln zu tun hat“, so beschreibt Jenny Wegmeyer ihren Arbeitsbereich. Manchmal handelt es sich um eine einzelne Fußgängerampel – im Fachjargon „Fußgängerschutzanlage“ genannt – manchmal sind es 40 und mehr Ampeln in einem neuen Wohngebiet. Die Kunden sind Städte, Gemeinden, Landkreise, aber auch private Auftraggeber.
Einen typischen Arbeitstag kennt sie bei ihrer abwechslungsreichen und anspruchsvollen Tätigkeit allerdings nicht. Mit spezieller Software für Verkehrsplanung programmiert sie die Ampeln, was in der Praxis folgendermaßen aussieht: „Der Fußgänger drückt auf den Knopf an der Ampel“, erklärt sie, „und ich sage der Anlage, was sie machen soll: Gleich oder mit Verzögerung auf Grün schalten oder wenn es zusätzlich dazu Busse und Straßenbahnen gibt, die Vorrang haben, muss ich das beim Programmieren beachten.“ Variablen wie die Anzahl der Fahrstreifen, Verkehrsdichte, Geschwindigkeitsbegrenzungen oder das Einbeziehen des öffentlichen Nahverkehrs fließen dabei zusammen. Dank ihres technischen Verständnisses eignete sich Jenny Wegmeyer das für ihren Beruf nötige Wissen im Bereich Informatik schnell an.
„Eigentlich war es mein Ziel, nach der Uni Straßen zu entwerfen und planen“, berichtet sie. Nach dem Abitur hatte sie sich zunächst für ein Architekturstudium interessiert und absolvierte deshalb eine Ausbildung zur Bauzeichnerin in einem Verkehrsplanungsbüro. Dort merkte sie schnell, dass sie ihre Fähigkeiten in einem anderen Bereich besser einbringen kann. „Ich bin eher ein naturwissenschaftlicher, technischer Mensch. Das Kreative, das man als Architekt benötigt, ist nicht so mein Ding“, erzählt sie.
Sicherheit vor Grüner Welle
Und so entschied sich Jenny Wegmeyer nach Abschluss ihrer Ausbildung, die sie als gute Zusatzqualifikation ansieht, für ein Studium des Bauingenieurwesens an der Universität Duisburg-Essen. Als Schwerpunkt wählte sie Städte- und Straßenbau, schätzt jedoch gleichzeitig die fundierte, breite Ausbildung dieses „Querbeet-Studiums rund um den Bau“ sehr. Zu den Lerninhalten gehörten Fächer wie Physik, Bodenmechanik und Baustoffkunde.
Dank ihrer Flexibilität, sich auch abseits des Studienschwerpunkts zu bewerben, fand sie bald eine Arbeitsstelle am Essener Standort des Unternehmens. Im April 2009, kurz nachdem sie ihr Diplom in der Tasche hatte, trat sie die Stelle als Verkehrsingenieurin an.
Ihre Arbeit sieht heute folgendermaßen aus: Je nach Verkehrsaufkommen werden die Grünphasen programmiert und die Zeitabstände zwischen dem Umschalten auf Rot bei der einen Ampel und dem Umschalten auf Grün bei der anderen Ampel sind unterschiedlich. „Das darf weder zu kurz noch zu lang sein, weil sonst ortskundige Fahrer das ausnutzen könnten und noch schnell drüber fahren“, erläutert sie.
Das hört sich vielleicht etwas trocken an, aber ein einsamer Bürojob ist es nicht. Teamwork sei ganz wichtig, um einerseits die Kundenwünsche zu erfüllen, andererseits Wirtschaftlichkeit und Gewinn im Auge zu behalten. „Jede Kreuzung ist anders und auch die Aufgaben im Team werden häufig unterschiedlich bestimmt“, sagt Jenny Wegmeyer. Je nach Kunde kann es nämlich vorkommen, dass bei einer Ampel ein Dauer-Grün eingerichtet oder die Dauer der Gelbphase variiert.
Die Bauingenieurin ist mit ihrer ersten Arbeitsstelle nach dem Studium sehr zufrieden. „Ich kann und muss selbstständig arbeiten, gleichzeitig stimmen hier dank eigener Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auch die beruflichen Perspektiven.“ Die Entscheidung, sich bei gevas zu bewerben, bereut sie daher auf keinen Fall. „Ich finde meine Arbeit super und bin total zufrieden“, sagt die 27-Jährige.




