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Archivar

Effizienter arbeiten dank elektronischer Medien

Von wegen alte Dokumente in Aktenordnern abheften: Archivare wie Dr. Michael Diefenbacher arbeiten heutzutage mit Datenbanken und Archivsoftware. Der 54-Jährige ist Leiter des Stadtarchivs Nürnberg und Vorsitzender des VdA - Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.

Regal mit Büchern

Mittlerweile haben Archivare fast mehr mit digitalen Dokumenten als mit solchen in Papierform zu tun.

Foto: Rathke

Archivar – dieser Beruf hat Michael Diefenbacher schon fasziniert, als er noch zur Schule gegangen ist. „Vor allem der Umgang mit Geschichte und originalen Quellen hat mich gereizt und dass man entscheiden kann, was die Zukunft über die Gegenwart erfahren wird“, sagt der Leiter des Stadtarchivs Nürnberg, der nach seinem Staatsexamen in Geschichte, Germanistik, Mittellatein und Politikwissenschaften die Laufbahn des höheren Archivdienstes eingeschlagen hat und nach einem Vorbereitungsdienst beim Generallandesarchiv Karlsruhe an der Archivschule Marburg war. Was die Kernaufgabe anbelangt, ist in dem Beruf auch im digitalen Zeitalter noch alles beim Alten. Ansonsten hat die digitale Technik die Arbeitsabläufe in den vergangenen Jahren jedoch komplett verändert.

Michael Diefenbacher hat kurzes graues Haar und trägt eine rahmenlose Brille mit getönten Gläsern.

Michael Diefenbacher

Foto: Privat

Der Arbeitsalltag in einem größeren Kommunalarchiv wie dem Nürnberger Stadtarchiv beginnt heutzutage damit, dass die Archivare den Computer einschalten. „Der PC ist schließlich mittlerweile das wichtigste Arbeitsmittel eines Archivars“, erklärt der 54-Jährige, der auch Vorsitzender des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare ist. „Denn das Archivmaterial wird hauptsächlich mit dem elektronischen Aktensystem verwaltet und nicht mehr analog in einem Aktenordner gelagert.“

Auswählen und einordnen

Die Arbeit von Archivaren dreht sich nach wie vor um zwei zentrale Tätigkeiten: „Es geht einerseits darum, Entscheidungen zu treffen, welche Quellen und Akten, die im Archiv landen, aufgehoben werden und welche nicht“, erklärt Michael Diefenbacher. „Andererseits muss das Aufgehobene erfasst und so ins System eingeordnet werden, dass es schnell wiederzufinden ist.“ Das ist in allen acht Sparten so, in denen Archivare tätig sind: Dazu zählen etwa die staatlichen, kommunalen und kirchlichen Archive, die Wirtschafts- und Medienarchive, die Partei- und Parlamentsarchive oder die Archive der Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen. 

„Der Einsatz elektronischer Medien und Datenbanken hat die Arbeit für Archivare und Nutzer gleichermaßen stark vereinfacht und sehr viel effizienter gemacht“, sagt Michael Diefenbacher. Im Stadtarchiv Nürnberg etwa können Mitarbeiter Anfragen der Bürger – etwa nach Dokumenten wie einer Sterbeurkunde – schneller beantworten, und auch die Suche nach Informationen oder Bildern wird stark vereinfacht, wenn beispielsweise eine Ausstellung vorbereitet oder eine Publikation erstellt wird.

Überall auf Inhalte zugreifen

Ein Beispiel dafür wäre die Einsicht einer mittelalterlichen Urkunde: „Früher war es so, dass diese Urkunde bestellt werden musste, bevor man sie vor Ort im Lesesaal des entsprechenden Archivs einsehen konnte“, erklärt der Archivar, der das Nürnberger Stadtarchiv seit 1990 leitet. „In digitalisierter Form hingegen muss der Archivar nicht mehr das Original aus dem Archiv holen, sondern ein Forscher kann überall dort auf Inhalte zugreifen, wo es eine Verbindung mit dem Internet gibt.“ Das heißt allerdings keinesfalls, dass Archivare damit beschäftigt sind, alte Quellen, Akten und Bestände zu digitalisieren. „Wenn alte Archivbestände digitalisiert werden, weil sie etwa häufiger gebraucht werden, dann erledigen das andere Mitarbeiter – bei uns im Haus etwa Magazinmitarbeiter oder Fotografen.“

Michael Diefenbacher hofft, dass der Umgang mit den neuen Medien den Beruf für junge Leute nicht nur interessanter macht, sondern dass dadurch auch alte Klischeebilder verändert werden. „Archivare sind schließlich keine im Staub wühlenden, schrulligen Menschen mit Ärmelschonern, die vor Bücherwänden sitzen, sich durch Akten wühlen und auch nicht zufällig irgendwo irgendwas finden. Für moderne Archivare sind kommunikative, soziale und mediale Kompetenzen ebenso wichtig wie Managementfähigkeiten und Dienstleistungsorientierung.“

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