Neues für den Markt
Als Produktmanagerin bei der adidas Group braucht Sonja Pützer (28) ein sicheres Gespür für Trends und Kosten. Um Ideen umsetzen zu können, ist zudem eines wichtig: Kommunikationsstärke.
Sonja Pützer arbeitet als Produktmanagerin bei adidas.
Foto: Privat
Wenn jemand mitten in Berlin, Aachen oder Osnabrück über Bänke und Blumenbeete springt oder über Bauzäune klettert, dann ist das wahrscheinlich kein Spinner, sondern ein Traceur, der einen Parkour ausübt. „Parkour“ ist eine urbane Sportart, bei der der Läufer den schnellsten und effizientesten Weg zu einem selbstgewählten Ziel nimmt und dabei sämtliche Hindernisse überwindet, die ihm dabei im Weg sind, also nicht nur Blumenbeete und Bauzäune, sondern auch Mauern, Litfaßsäulen oder Hochhausschluchten. Menschen, die trendige Sportarten wie Parkour ausüben, will Sonja Pützer mit ihren Produkten erreichen. Die 28-Jährige ist Produktmanagerin beim Sportartikel-Hersteller adidas und im globalen „Sport Performance“-Bereich für „City Sport Culture Produkte“ zuständig.
Geschäftssprache Englisch
Die Produkte werden für die Märkte rund um den Globus produziert. Internationalität bestimmt deshalb den Berufsalltag von Sonja Pützer und auch im Hauptsitz der adidas Group in Herzogenaurach spricht man Englisch. Mit ihrem Bachelor in Betriebswirtschaft, den sie an der European School of Business in Reutlingen absolviert hat, war Sonja Pützer gut darauf vorbereitet: An der international ausgerichteten Hochschule hat sie die Hälfte ihres Studiums in Dublin absolviert.
Dass sie nach ihrem Abschluss als Trainee im Marketing bei adidas anfangen konnte, liegt aber nicht nur an ihrem sehr guten Abschluss. adidas verlangt von seinen Einsteigern Leidenschaft für den Sport und für die drei Streifen: „Ich hätte mich auch in der Automobilindustrie bewerben können, aber ein Auto bringt mich von A nach B, da hängt mein Herz nicht dran“, sagt Sonja Pützer. Anders geht es ihr mit Sport. Sie selbst spielt aktiv Tennis und Golf, hat als Kind voltigiert, fährt gerne Rollschuh und Ski. „Man muss kein Profisportler sein, aber einen Bezug zu den Produkten sollte man auf jeden Fall mitbringen“, rät die 28-Jährige. Wie authentisch die Leidenschaft eines Bewerbers wirklich ist, versucht das Unternehmen in einem mehrtägigen Assessment-Center herauszufinden.
Aus ihren diversen Praktika in Marketingfunktionen weiß sie, dass diese Abteilung in jedem Unternehmen anders aufgebaut ist. Bei der adidas Group basiert sie auf zwei Säulen: Produktmarketing und Kommunikation. Sonja Pützer wollte ins Produktmarketing und konnte ihre Stelle bereits vor Ende des Traineeships antreten: „Das Traineeprogramm war eine gute Gelegenheit, die nötigen Kontakte herzustellen und meinen Einstieg dort vorzubereiten“, erzählt sie. Produktmarketing ist eine Schnittstellenposition zwischen Design, Beschaffung, Logistik und Kommunikation, wobei ihr Schwerpunkt auf den betriebswirtschaftlichen Aufgaben liegt: „Ich überlege mir, in welcher Preisklasse sich die Produkte bewegen sollen, welche Materialien wir benötigen und wie das jeweilige Produkt vertrieben werden soll“, umreißt sie ihre Schwerpunkte. Dabei arbeitet sie eng mit Textilingenieuren und Designern zusammen und bringt die Entwürfe in die Produktion. Gefragt nach den wichtigsten Fähigkeiten, überlegt sie nicht lange: „Natürlich muss ich fit sein in den gängigen Office-Programmen und auch betriebswirtschaftliche Basisdaten errechnen können, aber das Wichtigste ist Kommunikation: Den Großteil des Tages verbringe ich mit Gesprächen.“
Zwei Kollektionen stehen jedes Jahr auf dem Programm. Sonja Pützer weiß heute schon, was Tausende von Freizeitsportlern im Frühjahr und Sommer 2012 tragen werden. Natürlich erfindet sie nicht jede Saison das Rad neu: „Neben Produktneuheiten baue ich auf das auf, was sich bewährt hat. Verbessere die Produkte und gebe ihnen einen frischen Anstrich.“ Einmal im Jahr reisen die Einkäufer aus den Märkten weltweit in die fränkische Kleinstadt, um die Neuheiten einzukaufen: „Das ist jedes Jahr ein riesiges Event!“ Am schönsten aber sei es, wenn sie auf der Straße Menschen sieht, die „ihre“ Shirts oder Jacken tragen: „Das ist einfach ein tolles Gefühl!“




