Spaß am Ausprobieren
Biologielaboranten wie Stefanie Koch helfen dabei, dass neue Medikamente entwickelt werden können. Beim Pharmahersteller Sanofi-Aventis in Frankfurt am Main arbeitet die 24-Jährige an Präparaten für Diabetiker mit.
"Ganz wichtig ist außerdem, dass man sorgsam und gewissenhaft arbeitet", sagt Biologielaborantin Stefanie Koch.
Foto: Privat
„Wir arbeiten mit Leberzellen, an denen wir verschiedene Substanzen testen“, erklärt Stefanie Koch, die bei Sanofi-Aventis seit zwei Jahren in der Abteilung im Einsatz ist, die sich mit der Entwicklung neuer Medikamente für Diabetiker beschäftigt. Mit einer Pipette gibt die Biologielaborantin die Substanzen – also die Bestandteile eines späteren Medikaments – zu den Zellen. Über Nacht wirken sie ein – der Fachbegriff dafür heißt inkubieren –, und am nächsten Tag schaut sich die 24-Jährige die Ergebnisse an. „Mit diesem Verfahren können wir zum Beispiel einen veränderten Proteinspiegel in den Leberzellen feststellen“, erklärt sie. Die Ergebnisse ihrer Forschung trägt sie in Excel-Tabellen ein und wertet diese anschließend aus. „Um die Experimente zu dokumentieren, schreiben wir regelmäßig Laborjournale. Außerdem muss ich mich mit der Erstellung von PowerPoint-Präsentationen auskennen, mit denen ich meinem Vorgesetzten die Ergebnisse präsentiere.“
Bis zu fünfzehn Jahre für ein neues Medikament
Stefanie Koch arbeitet in einem dreiköpfigen Team, das sich auf die frühe Phase einer Medikamentenentwicklung konzentriert. Bis dann am Ende ein fertiges Medikament herauskommen kann, sind viele weitere Entwicklungsschritte notwendig, an denen zahlreiche Teams aus unterschiedlichen Laboren beteiligt sind. „In der Pharmabranche braucht man Geduld und Ausdauer“, betont Stefanie Koch. „Im Schnitt dauert es zehn bis fünfzehn Jahre, bis ein Medikament auf den Markt kommt.“ Nicht jeder Versuch funktioniere auf Anhieb, oft müsse man immer wieder neue Ideen entwickeln und Methoden ausprobieren, um einen Schritt weiterzukommen. Eine hohe Frustrationstoleranz sollte man also für die Arbeit in einem Forschungslabor mitbringen. Gerade dieses Ausprobieren ist aber eine Sache, die der Biologielaborantin bei ihrer Arbeit am meisten Spaß macht.
„Ganz wichtig ist außerdem, dass man sorgsam und gewissenhaft arbeitet“, sagt Stefanie Koch, denn bei den Versuchen kommt es auf jedes Detail an. Englisch ist ebenfalls ein Muss, denn viele der Publikationen, die sie für ihre Arbeit liest, sind in englischer Sprache verfasst. Durch das Lesen der Fachlektüre und den Austausch mit Forscherkollegen aus anderen Abteilungen bekommt man Ideen für neue Forschungsmethoden, die hoffentlich irgendwann zum Erfolg führen. Auch Teamarbeit ist eine notwendige Voraussetzung, „denn wir sind nur ein ganz kleines Teilchen im Prozess der Medikamentenherstellung“.
Leidenschaft für Biologie und Chemie
Biologie und Chemie hatten es der 24-Jährigen, die ursprünglich aus Halberstadt in Sachsen-Anhalt stammt, schon in der Mittelstufe angetan, sodass sie die beiden Fächer schließlich auch als Leistungskurse wählte. Nach zwei Praktika in einem Labor für Umweltanalyse beziehungsweise einem Labor für Molekularbiologie stand für sie fest: Nach ihrem Abitur möchte sie im Labor arbeiten. Nach nur wenigen Bewerbungen bekam sie dann eine Ausbildungsstelle als Biologielaborantin bei Sanofi-Aventis Deutschland in Frankfurt am Main angeboten, die sie im Juni 2009 erfolgreich abschloss.
Ihr Tipp für Schüler, die ebenfalls eine Ausbildung zum Biologielaboranten machen wollen: „Durch Praktika kann man herausfinden, ob man wirklich für den Beruf geeignet ist oder vielleicht eine falsche Vorstellung von der Arbeit im Labor hat.“ Um beruflich weiterzukommen, hat Stefanie Koch mittlerweile ein Bachelorstudium aufgenommen: Berufsbegleitend studiert sie derzeit Chemieingenieurwesen an der privaten, staatlich anerkannten Provadis Hochschule im Frankfurter Stadtteil Höchst. „Denn klar ist: Ich will auch langfristig in einem Forschungslabor weiterarbeiten.“





