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Technomathematikerin

Der Simulation auf der Spur

Kerstin Brandes (29) arbeitet bei der Volkswagen AG in der Konzernforschung. Als Technomathematikerin forscht sie gemeinsam mit ihren Kollegen an den Motoren der Zukunft.

Auf dem Bild ist eine junge Frau neben einem Auto zu sehen. Im Hintergrund Planzne.

Kerstin Brandes: "Als Frau muss man sich generell Durchsetzungsvermögen erarbeiten. Man muss überzeugen — und das prägt den Charakter, eröffnet aber auch neue Chancen."

Foto: Privat

„Bei meiner Berufs- und Studienwahl habe ich mich an meinen Interessen und Stärken orientiert“, sagt Kerstin Brandes. „Die Naturwissenschaften haben mir schon immer Spaß gemacht, genauso wie die Beschäftigung mit Zahlen.“ Nach ihrem Studium der Mathematik mit Nebenfach Ingenieurwissenschaften an der Universität Bayreuth stieg sie 2007 als Doktorandin bei VW ein, derzeit beendet sie ihre Promotion und ist seit dem 1. Januar 2010 fest angestellt. „In der konzernübergreifenden Forschungsabteilung, in der für alle Konzernmarken geforscht wird, bin ich in der Abteilung Brennverfahren tätig“, erläutert die 29-Jährige. Ihre Hauptaufgabe ist es, physikalische Vorgänge, wie zum Beispiel Strömungen, zu simulieren, was einen wichtigen Schritt im Produktentwicklungsprozess eines Automobils darstellt. „Strömungen können sehr unterschiedlich sein. Die physikalischen Vorgänge werden je nach ihrer Art durch mathematische Gleichungen abgebildet und von uns berechnet.“ Schließlich müssen die Ergebnisse ausgewertet und interpretiert werden.

Gefragt sei dabei unter anderem eine Menge Erfahrung im Umgang mit speziellen Simulationsprogrammen. „Man muss wissen, welche Programme es gibt und welche für eine bestimmte Anwendung geeignet sind.“ Doch nicht nur das. Gerade für „Berechnungsspezialisten“ wie sie ist Kommunikation besonders wichtig. „Wir arbeiten eng mit Vertretern anderer Disziplinen, etwa mit Ingenieuren und Technikern zusammen, die bestimmte Aufgaben an uns herantragen. Daher sollten Mathematiker lernen, die Sprache der Ingenieure zu verstehen“, sagt die 29-Jährige. Auch englische Sprachkenntnisse seien bei einem international operierenden Konzern wie VW gefordert – für Software-Support, Fachliteratur oder auch Meetings.

Positive Erfahrungen im Technik-Beruf

Mit Rollenklischees im Bereich Technik hat Kerstin Brandes keine Probleme, sie fühlt sich sehr wohl anerkannt: „Meine Erfahrungen als Frau in diesem Beruf sind durchweg positiv“, erklärt sie. „Letzten Endes ist es entscheidend, durch Leistung zu überzeugen und sich gegenseitig wertzuschätzen.“ Zudem verfügten Frauen über einen klaren Vorteil: „Frauen haben eine andere Herangehens- und Denkweise, die man einbringen kann.“ Zum Beispiel, wenn man mit männlichen Kollegen über das Modellieren von Simulationen fachsimpelt. Dennoch räumt sie ein: „Als Frau muss man sich generell Durchsetzungsvermögen erarbeiten. Man muss überzeugen – und das prägt den Charakter, eröffnet aber auch neue Chancen.“

Und wie sieht es mit weiteren Karriereschritten aus – Projektleitung etwa oder administrativ-organisatorische Aufgaben als Führungskraft? Noch sei es zu früh, daran zu denken, meint Kerstin Brandes. „Jetzt will ich erst einmal auf fachlicher Ebene arbeiten.“

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