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Umweltberufe

Feldarbeit, Bilanzen und Gesetze

Der Umweltschutz rückt zunehmend in den Fokus von Politik und Wirtschaft. Rund 1,8 Millionen Menschen sind laut dem neuesten Umweltwirtschaftsbericht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit deutschlandweit im Dienste der Umwelt beschäftigt, so wie die Umweltingenieurin Kornelia Buchczyk (45).

Aus einem Abflussrohr fließt schmutziges Wasser.

Deponie- und Abfallbeauftragte sorgen dafür, dass die Abfallrahmenrichtlinie eingehalten wird.

Foto: André Deco / WillmyCC

Eine davon ist Kornelia Buchczyk (45). „Technische Berufe haben mich schon immer fasziniert, außerdem wollte ich etwas Sinnvolles für nächste Generationen tun“, sagt die Umweltingenieurin. Sie arbeitet bei Buderus Edelstahl in Wetzlar, einem Konzern, der unter anderem Werkzeugstahl, Zahnräder und Armaturen herstellt. „Nach dem Abfallwirtschaftsgesetz müssen Abfälle möglichst vollständig verwertet werden. Bei unseren Produktionen fallen aber auch unverwertbare Industrieabfälle wie Schlacken an.“ Als Deponie- und Abfallbeauftragte ist sie dafür zuständig, dass alle Stoffe auf angemessene Weise entsorgt oder gelagert werden. Sie leitet die interne Deponie von Buderus Edelstahl und berät ihr Unternehmen zu allen Fragen der Abfall- und Deponiewirtschaft.

Die gebürtige Polin hat 1998 ihr Studium der Umwelt- und Hygienetechnik an der Fachhochschule Gießen beendet. „Das damals erworbene Fachwissen ist natürlich eine gute Basis. In diesem Beruf muss man aber auch bereit sein, sich laufend über den neuesten rechtlichen Stand zu informieren. Das Abfall- und Deponierecht ist sehr dynamisch, es gibt immer wieder Änderungen in vielen Bereichen.“ Kornelia Buchczyk achtet darauf, dass beim Qualitäts- und Umweltmanagement die Euronormen eingehalten werden. Um auf dem Laufenden zu sein, besucht sie regelmäßig Fortbildungen und erhält dafür Zertifikate, die sie der Aufsichtsbehörde vorlegen muss. „Der rechtliche Part spielt in diesem Beruf eine enorme Rolle, man ist zugleich ein halber Jurist“, sagt die Umweltingenieurin. 

Schwerpunkt: Mathe und Physik

Foto von Hans-Joachim Burkhardt.

Hans-Joachim Burkhardt

Foto: Privat

Wer im Bereich Umwelt arbeiten möchte, kann auch über die Rechtswissenschaften einsteigen. „Hier gibt es viele Möglichkeiten“, bestätigt Hans-Joachim Burkhardt vom Team Akademische Berufe der Arbeitsagentur Hamburg. „Schließlich sind es Juristen, die letztendlich zuständig sind, wenn etwa Grenzwerte für Emissionen festgelegt werden. Der Weg führt dann allerdings zunächst über das klassische Jurastudium. Eine Spezialisierung auf Umweltaspekte ist frühestens im Referendariat möglich, zum Beispiel bei einer Umweltbehörde.“

Er sieht aber noch ganz andere Wege. „Lehrer können Umweltaspekte oft im Unterricht integrieren. Umweltschutz betrifft auch Landschaftsplaner und Architekten, wenn zum Beispiel eine Ortsumgehung geplant ist, Betriebswirte im Emissionshandel oder Naturwissenschaftler in vielen Einsatzbereichen.“ Als studierter Biologe, der seine Diplomarbeit dem Thema Ozonbelastung widmete, weiß er das aus eigener Erfahrung. Bei Idealisten rückt der Berufsberater jedoch das Bild gerade. „Viele bekommen bei dem Wort Umwelt leuchtende Augen, vergessen aber, dass dies auch Mathe und Physik vom Feinsten bedeutet. Da muss man realistisch sein und genau wissen, was auf einen zukommt.“

Vielfalt der Umweltberufe

Interessierte, die einen Umweltberuf studieren möchten, informiert Hans-Joachim Burkhardt über neue Bachelor-Studiengänge wie „Umweltmonitoring/Umweltanalyse“, der beispielsweise von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden angeboten wird. Beim Umweltmonitoring geht es um die Erfassung der Umgebung anhand ökologischer Parameter – ein vielfältiges Gebiet, das beispielsweise Bodenkunde, Meteorologie und Hydrologie beinhaltet. Manche Branchen bieten besondere Chancen für Umweltexperten. „Der Beratungs- und Dienstleistungssektor in diesem Bereich wächst, sehr im Kommen ist die Regenerative Energieberatung“, bestätigt Burkhardt. „Hier sind vor allem gute Ingenieure und Juristen gefragt.“ Was die Wahl spezialisierter Bachelor-Studiengänge angeht, gibt Rüdiger Wolfertz, Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (VDI-GEU), folgendes zu bedenken: „Die Betriebe stellen bevorzugt Ingenieure mit breitem Fachwissen ein, etwa in Maschinenbau oder Verfahrenstechnik und setzen diese auch für Aufgaben in der Umwelttechnik ein. Seltener werden „reine“ Umweltingenieure beschäftigt. Das hängt aber auch von der Ausrichtung des Unternehmens ab, zum Beispiel, ob die Kernkompetenz in der Verwertung von Abfällen liegt.“

Chancen für Auszubildende

Als Alternative zum Studium bietet sich eine Ausbildung an, beispielsweise zum Biologisch-Technischen Assistenten oder Kaufmännischen Assistenten beziehungsweise Wirtschaftsassistenten der Fachrichtung Umweltschutz. Aber auch ausgebildete Industrie- und Bürokaufleute werden in der Umweltbranche gebraucht.

Die Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten erschwert eine Abgrenzung der Umweltberufe und damit eine Einschätzung der konkreten Arbeitsmarktsituation. Es zeichnen sich jedoch wegweisende Trends ab. Ralf Beckmann vom Team für Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit nennt einige Beispiele: „Auf Wachstumskurs befinden sich die Erneuerbaren Energien. Selbst im Jahr der Wirtschaftskrise gab es in der Herstellung von Solarzellen, -modulen und -wärmekollektoren ein Beschäftigungsplus von knapp 30 Prozent. Einschließlich der Zulieferbetriebe sind hier bundesweit rund 300.000 Arbeitsplätze zu verzeichnen.“ Prognosen zufolge soll die Zahl der Beschäftigten bis zum Jahr 2020 auf eine halbe Million steigen, sagt Ralf Beckmann. Im eher klassischen Umweltbereich, also der Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, im Recycling oder der Beseitigung von Umweltschäden, bewege sich die Zahl der Beschäftigten zudem auf stabilem Niveau.

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