Arbeitgeber Hochschule
Überlegt man, welche Mitarbeiter es an Hochschulen gibt, kommen einem zuerst die Dozenten oder die wissenschaftlichen Mitarbeiter in den Sinn. Dabei gibt es viele weitere Beschäftigte an Universitäten, Fachhochschulen oder dualen Hochschulen: etwa das Verwaltungspersonal, Bibliothekare oder technische Mitarbeiter. abi>> gibt einen Einblick in das Berufsfeld Hochschule.
An Hochschulen arbeiten neben Professoren oder wissenschaftlichen Mitarbeitern etwa auch Studienberater, Informatiker im Rechenzentrum oder Bibliothekare.
Foto: Schwelle
Bei Demenz oder Alzheimer ist eine ausreichende Durchblutung des Gehirns nicht mehr gewährleistet, die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Zelltypen und den Blutgefäßen ist gestört. An dieser Stelle beginnt das Forschungsthema „Neurovaskuläre Kopplung“ der Wissenschaftlerin Martina Füchtemeier. Die 33-Jährige gehört zu den rund 3.800 Wissenschaftlern und Ärzten, die an der Charité Berlin, der gemeinsamen Uniklinik der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin, Grundlagen für neue Therapien entwickeln. Die Biologin hat bereits ihre Promotion in der Abteilung für Experimentelle Neurologie absolviert, in der sie heute als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig ist. „Als Doktorand arbeitet man überwiegend an den Ideen anderer. In der Postdoc-Phase generiert man eigene Ideen und versucht, diese im Experiment umzusetzen.“ Das bedeutet: Martina Füchtemeier muss Forschungsgelder beantragen, Mitarbeiter betreuen, die experimentellen Versuche organisieren, Daten analysieren, Meetings abhalten, an Konferenzen teilnehmen und – ganz wichtig – ihre Forschungsergebnisse veröffentlichen: „Als Wissenschaftler wird man leider an der Anzahl seiner Publikationen gemessen. Dadurch entsteht ein gewisser Druck, dem sich oftmals andere wichtige Aufgaben, wie etwa die Lehre, beugen. Generell verbringt man, je länger man sich in der Postdoc-Phase befindet, mehr Zeit mit organisatorischen Aufgaben und weniger Zeit im Labor.“ Da ihr Forschungsfeld von gesellschaftlichem Interesse ist, konnte sie die Finanzierung ihrer Stelle für drei Jahre sichern.
Eine Professur strebt Martina Füchtemeier allerdings nicht an: „Die Stellen sind rar gesät, nur wenige erhalten einen Ruf.“ Doch trotz langer Arbeitstage und der Ungewissheit über die Anschlussfinanzierung möchte sie weitermachen: „Meine Leidenschaft, an diesem Thema zu forschen, ist ungebrochen.“
Mehr Hochschulpersonal
Martina Füchtemeier gehört zum wissenschaftlichen und künstlerischen Personal an Hochschulen und Hochschuleinrichtungen, das mit Forschung und Lehre betraut ist. Laut Statistischem Bundesamt umfasste dieses Ende 2010 rund 324.000 haupt- und nebenberuflich beschäftigte Mitarbeiter – acht Prozent mehr als 2009. Wissenschaftliche Mitarbeiter stellten mit 156.200 Beschäftigten die größte Gruppe dar, ein verhältnismäßig kleiner Anteil – 41.500 – entfiel auf die Professoren. Betrachtet man die Zahlen für Universitäten und Fachhochschulen gesondert, so fällt auf, dass es Ende 2010 an deutschen Unis deutlich mehr wissenschaftliches und künstlerisches Personal (insgesamt 483.300) gab als an Fachhochschulen (97.200). Allein die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter betrug an Unis 147.200, an FHs hingegen 7.300.
Wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten an Forschungsprojekten mit und sind meist in die Lehre eingebunden, sie halten beispielsweise Seminare oder Übungen ab. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Nachwuchswissenschaftler, die an ihrer Promotion arbeiten oder nach einer Promotion als sogenannte Postdocs beschäftigt sind. Während Doktoranden oft noch als wissenschaftliche Angestellte bezeichnet werden, sind mit wissenschaftlichen Assistenten in der Regel Habilitanden gemeint, die sich als Hochschullehrer qualifizieren wollen und auf eine Professur hoffen. „Wissenschaftliche Mitarbeiter haben in der Regel Qualifizierungsstellen inne, die leider keine Dauerbeschäftigung bieten“, erklärt Dr. Matthias Jaroch vom Deutschen Hochschulverband (DHV), der Berufsvertretung der Universitätsprofessoren und des wissenschaftlichen Nachwuchses.
An Hochschulen arbeitet jedoch nicht nur wissenschaftliches und künstlerisches Personal, auch nichtwissenschaftliche Mitarbeiter machen einen großen Teil der Beschäftigten aus. Dem Statistischen Bundesamt zufolge lag die Zahl der Mitarbeiter in Verwaltung, in technischen und sonstigen Diensten, wie etwa Bibliotheken, Rechenzentren oder Hochschulkliniken, im Jahr 2010 bei rund 278.400. Darunter sind Akademiker der unterschiedlichsten Fachrichtungen vertreten. Geisteswissenschaftler arbeiten beispielsweise in der Studienberatung oder in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In den Personalabteilungen oder im Controlling sind etwa Betriebswirte zu finden, in den Rechenzentren der Hochschulen arbeiten unter anderem Mathematiker, Physiker und Informatiker oder auch Informationselektroniker. Ein ganz eigener Kosmos sind die knapp 250 Universitäts-, Hochschul- und Landesbibliotheken, in denen Archivare, Bibliothekare und Dokumentare arbeiten und ausgebildet werden.
Im Gegensatz zum wissenschaftlichen Personal – das immer einen akademischen Abschluss mitbringen muss – gibt es unter den nichtwissenschaftlichen Mitarbeitern auch solche ohne Hochschulabschluss. Viele Hochschulen bieten eine breite Palette an anspruchsvollen Ausbildungsberufen an, etwa im kaufmännischen, im IT- oder im gewerblich-technischen Bereich. So arbeiten zum Beispiel an den naturwissenschaftlichen Fakultäten unter anderem Chemielaboranten, an medizinischen Fakultäten können neben Wissenschaftlern auch Medizinisch-technische Assistenten oder Medizinisch-technische Radiologieassistenten beschäftigt sein. In Werkstätten sind etwa Industriemechaniker tätig, in den Rechenzentren Fachinformatiker und in den Sekretariaten der Verwaltungseinrichtungen oder Fakultäten sind Bürokaufleute im Einsatz.




