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Digitalisierte Arbeitswelt

Willkommen in der Informationsgesellschaft

In sozialen Netzwerken Werbebotschaften platzieren, Unternehmensdaten in der sogenannten "Cloud" oder "Wolke" verwalten und Content von Webseiten für die Nachwelt archivieren: Digitale Entwicklungen nehmen massiven Einfluss auf die Abläufe in der Arbeitswelt, stellen manche Branchen vor große Herausforderungen und haben einige Berufsbilder bereits grundlegend verändert.

Ein schwarzer Laptop auf dem geschrieben wird.

Computer sind von den meisten Arbeitsplätzen nicht mehr wegzudenken.

Foto: Pieth

Zum Beispiel das von Redakteuren – denn Zeitungen und Zeitschriften sind schon lange nicht mehr nur in gedruckter Form erhältlich, sondern zunehmend auch mit professionellen Portalen im Internet vertreten. Um die Betreuung dieser Seiten kümmern sich in der Regel Online-Redakteure wie Inga Leister, die 2007 bei Brigitte.de angefangen hat und dort seit einem Jahr stellvertretende Redaktionsleiterin ist. „Online-Beiträge sind ganz anders aufgebaut als Heftartikel“, erklärt die 30-Jährige. „Sie sind klarer strukturiert, kleinteiliger und serviceorientierter.“ Um die Beiträge interessant zu gestalten, gilt es, die multimedialen Möglichkeiten auszuschöpfen. „Bei einem Beitrag über eine Sängerin beispielweise kann man neben Text und Fotostrecke wunderbar Video- und Audiobeiträge integrieren.“ Neben audiovisuellen spielen aber auch interaktive Elemente eine große Rolle, vor allem für die Nutzerbindung. „Auf Brigitte.de gibt es zum Beispiel eine ‚Schuh-Ampel’, über die sich Nutzerinnen die passenden Schuhe zum gewählten Outfit anzeigen lassen können.“ Online-Redakteure sollten nicht nur crossmedial denken können, also etwa Print und online im Blick haben, sondern auch souverän mit Verwaltungssoftware, wie Content-Management-Systemen zur Inhaltspflege von Websites, umgehen können.

Smartphone & Online-Netzwerke

„Zentral ist auch, neue technische Entwicklungen zu berücksichtigen“, sagt Inga Leister. „Von Brigitte.de etwa gibt es eine Mobilversion für Smartphones und seit letztem Jahr auch eine iPhone-App. Möglichst alle Inhalte unserer Website müssen also mobil darstellbar sein.“ Auch in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder YouTube ist Brigitte.de vertreten – und es gibt eine Community. „Dadurch sehen wir, welche Themen die User bewegen. Das fließt dann zum Teil in die Themenplanung mit ein“, erläutert die Online-Redakteurin, die sowohl ein Journalistikstudium an der TU Dortmund als auch die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg erfolgreich abgeschlossen hat.

Inga Leister hat langes, lockiges blondes Haar und trägt eine Brille. Sie hat eine blaue Bluse mit weißen Streifen an.

Inga Leister

Foto: Privat

Zu ihren speziellen Aufgaben als stellvertretende Redaktionsleiterin gehört es, die digitalen Angebote von BRIGITTE weiterzuentwickeln. „Zum Beispiel überlege ich mit, wie wir unsere Newsletter oder das Angebot für Smartphones optimieren können.“ Wichtig zur Weiterentwicklung ist natürlich die Frage: Was genau mögen und klicken die Userinnen eigentlich? Um das herauszufinden, wertet Inga Leister unter anderem jeden Morgen aus, wie die Online-Beiträge des Vortags gelaufen sind. „Ich schaue mir die Nutzerstatistiken an, checke die Visits (Besucherzahlen) und die Page Impressions (Seitenabrufe).“ Um möglichst viele Leser auf die Website zu ziehen, müssen die Artikel bei Suchmaschinen, vor allem Google, möglichst weit oben gelistet sein. „Dafür müssen sie gängige Keywords enthalten, nach denen Leser auch suchen“, sagt Inga Leister.

Digitalisierte Arbeitsabläufe

Die Medienbranche ist aber nicht die einzige, die sich durch die Digitalisierung stark verändert hat. „Es gibt im Grunde keine Branche, die von diesen Entwicklungen nicht massiv betroffen ist“, sagt Professor Jo Groebel, Direktor des Deutschen Digital Instituts in Berlin. „Die gesamte Arbeitswelt hat sich im Zuge der Digitalisierung deutlich gewandelt.“ Mit Digitalisierung ist allerdings nicht der Binärcode aus Nullen und Einsen gemeint, sondern die Tatsache, dass immer mehr Arbeitsabläufe in Unternehmen von digitaler Informations- und Kommunikationstechnik – also Computern, Internet, aber auch neueren Entwicklungen wie Smartphones oder Cloud Computing (siehe Hintergrund „Von Revolutionen und Web-Utopien“) etc. – unterstützt werden.

 Die Grafik zeigt eine Rangliste von Ländern in denen Beschäftigte am häufigsten einen Computer benutzen. Deutschland ist Rang 6 mit 61%. Erster ist Finnland mit 71%

 

Nach Angaben des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) nutzen 61 Prozent der Beschäftigten in Deutschland regelmäßig einen PC bei der Arbeit. In welcher Branche der Computer am stärksten genutzt wird, dazu liefert die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages in einer schriftlichen Stellungnahme vom Juli 2010 Informationen: Die vorderen Plätze in der Computernutzung belegen die Telekommunikationsbranche und die Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie – gefolgt von Forschung und Entwicklung sowie dem Verlagswesen.

Ein Berufsbild, das sich mit neuen digitalen Entwicklungen kontinuierlich wandelt, ist das des Kommunikationsdesigners. „Bis das Internet in den 1990ern zum Massenmedium und Vertriebskanal wurde, haben wir fast ausschließlich Drucksachen konzipiert: Flyer, Plakate, Anzeigen. Dann stieg die Nachfrage nach Fachkräften, die Websites gestalten können“, erinnert sich Henning Krause, Präsident des Berufsverbands der deutschen Kommunikationsdesigner. „Heutzutage müssen Kommunikationsdesigner crossmediale Kommunikationskonzepte liefern: Diese können auch Anwendungen für mobile Endgeräte oder Auftritte in sozialen Netzwerken beinhalten. Darum ist es wichtig, immer auf dem Laufenden zu sein und die Möglichkeiten zu kennen.“ Und zwar nicht nur, was das Design, sondern auch, was die Umsetzbarkeit angeht. Ständige Weiterbildung ist unerlässlich. „Die Innovationszyklen sind kurz. Wollten Unternehmen zum Beispiel vor fünf Jahren noch in der virtuellen Welt ‚Second Life’ vertreten sein, so kräht heute kein Hahn mehr danach“, sagt Henning Krause.

Auch Fotografen sind ein gutes Beispiel: Die klassischen Fotoapparate, Filme und die fotochemische Entwicklung werden zunehmend abgelöst von Digitalkameras, Speicherkarten und rechnergestützter Bildbearbeitung. Mit der dadurch stark wachsenden Menge an Bildmaterial sind auch neue Formen der Datenspeicherung gefragt. Einer ähnlichen Herausforderung begegnen etwa Archivare, Bibliothekare und Dokumentare: Galt es früher, Datenträger wie Bücher zu erhalten, so müssen heute auch die Informationen aus dem Internet für die Nachwelt bewahrt werden. „Früher war das historische Wissen das wichtigste Gut der Archivare“, resümiert Dr. Christian Keitel vom Landesarchiv Baden-Württemberg, „heute wird auch sehr viel Wert auf IT-Verständnis gelegt.“ (siehe Hintergrund „Von Revolutionen und Web-Utopien“).

Neugier und Interesse

„Es gibt unzählige Beispiele für Berufe, die durch digitale Neuerungen einen Wandel erfahren haben“, bestätigt auch Berufsberater Werner Brendli von der Agentur für Arbeit München. „Die Aufgaben haben sich oft nicht so sehr verändert, aber die Arbeitsmittel und das Arbeitsumfeld.“ Dabei seien nicht nur die Telekommunikationsbranche und die IT-Berufe betroffen, die unmittelbar mit den technologischen Prozessen in Verbindung stehen. „Zum Beispiel verändern sich auch für Personaler die Formen der Nachwuchs- und Mitarbeiterrekrutierung, wenn sie über soziale Netzwerke gehen oder etwa Azubi-Blogs einsetzen.“ Auch in Werbung und Marketing eröffnen sich neue Möglichkeiten, Werbebotschaften über Social Media und mobile Anwendungen zu verbreiten. In Jobbörsen werden darum momentan auch häufig Stellen wie SEO-Manager (Suchmaschinenoptimierer), SEM-Manager (Suchmaschinenmarketing-Experten) beziehungsweise Online-Marketing-Manager ausgeschrieben. „Man sollte die Entstehung solcher neuen Berufsprofile jedoch nicht überbewerten“, warnt Werner Brendli, „da solche Bezeichnungen auch schnell wieder verschwinden können.“

Werner Brendli hat braunes kurzes Haar und trägt einen Anzug mit lila Krawatte

Werner Brendli

Foto: Privat

Um für berufliche Anforderungen in einer digitalisierten Arbeitswelt fit zu sein, braucht es vor allem Neugier und Interesse an den neuen Entwicklungen, meint der Berufsberater. „Wer gut mit dem PC umgehen kann, selbst Blogs schreibt, eine Homepage betreibt oder sich mit sozialen Netzwerken auskennt, ist gut gerüstet.“ Technische Neuerungen fließen auch in die Rahmenlehrpläne ein, wenn Berufsausbildungen modernisiert werden. „Manchmal muss sogar eine neue Berufsbezeichnung gefunden werden, die das veränderte Profil besser widerspiegelt“, sagt Werner Brendli. „So werden seit 2006 keine Verlagskaufleute mehr ausgebildet, sondern Medienkaufleute Digital und Print. Und aus den Druckern werden in diesem Jahr erstmals Medientechnologen.“ Auch Studiengänge werden an digitale Entwicklungen angepasst. Als neu entstandene Studiengänge nennt Werner Brendli etwa Geoinformatik. Die Navigation per Satellit oder Dienste wie Google Earth verlangen nach immer neuen Fachleuten.

„Wenn man sein berufliches Ziel von vornherein klar kennt, ist eine sofortige Spezialisierung durchaus sinnvoll. Oft ist es aber risikoloser, sich im Bachelorstudium erst mal breit aufzustellen, etwa mit einem Studium in Informatik, Elektrotechnik oder BWL, und sich bei Bedarf dann noch in einem Masterstudium zu spezialisieren, etwa in Medieninformatik oder eBusiness“, sagt Werner Brendli. Diesen Ratschlag können Interessierte auch für den Studiengang Gamedesign verfolgen. Allerdings gibt es an privaten und staatlichen Hochschulen inzwischen auch grundständige Angebote, die mit guten Jobaussichten locken. „Der Bereich Games bietet gute Chancen für Absolventen“, bestätigt Dr. Stephan Pfisterer von BITKOM.

Gute Arbeitsmarktaussichten in der digitalen Welt

Überhaupt sieht der Arbeitsmarkt im Bereich Informatik künftig gut aus. „Zurzeit werden vor allem Softwareentwickler gesucht“, weiß der BITKOM-Experte.

 Die Grafik zeigt, dass Software-Entwickler zu 81% gesucht werden und dadurch die mit Abstand gefragtesten IT-Spezialisten sind.

 

Die positiven Aussichten für Informatiker bestätigt auch Arbeitsmarktexpertin Judith Wüllerich von der Bundesagentur für Arbeit. „Die Nachfrage stieg 2010 wieder um ein Viertel an.“ Und auch für Journalisten und Kommunikationsdesigner sieht es wieder besser aus: „Die Zahl der gemeldeten Stellen für Journalisten ist nach deutlichen Rückgängen 2009 im vergangenen Jahr wieder angestiegen“, weiß Judith Wüllerich, „und auch die Nachfrage nach Kommunikationsdesignern hat wieder angezogen: 2010 waren 2.300 Stellen bei der Bundesagentur gemeldet.“ Für Archivare, Bibliothekare und Museumsfachleute waren im vergangenen Jahr rund 1.500 Stellen gemeldet. „Einen Bedarf gibt es nicht nur bei Archiven, Bibliotheken und Museen. Auch Forschungszentren oder Luft- und Raumfahrtunternehmen müssen digitale Archive aufbauen und brauchen dafür gut ausgebildetes Personal“, ergänzt Dr. Christian Keitel vom Landesarchiv Baden-Württemberg. „Insgesamt kann man sagen, dass es sich beim Arbeitsmarkt im Bereich Digitale Welt um ein wachsendes Feld mit durchaus guten Jobchancen handelt“, zieht Judith Wüllerich Bilanz.

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