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Fachlehrer an beruflichen Schulen

Der Praktiker im Kollegium

Seine Leidenschaft, junge Menschen zu unterrichten und auszubilden, hat André Wujanz erst im Laufe seines Berufslebens entdeckt: Nach Abitur, Ausbildung und Meisterprüfung hat er schließlich in Bayern den Vorbereitungsdienst zum Fachlehrer an beruflichen Schulen absolviert. Der 36-jährige Beamte auf Probe arbeitet an der staatlich anerkannten Adolph-Kolping-Berufsschule in Bamberg im Bereich Gartenbau.

Auf dem Foto ist ein kleiner Pflanzentopf in einem Erdhaufen zu sehen. Eine Gartenschaufel steckt in der Erde.

André Wujanz unterrichtet seine Schüler im Gartenbau: Setzlinge einpflanzen, Pflanzen düngen und schneiden stehen unter anderem auf dem Lehrplan.

Foto: Sparrer

„Mit meinen Schülern bin ich so viel wie möglich draußen“, erzählt André Wujanz, der seit eineinhalb Jahren als Fachlehrer tätig ist. Der ausgebildete Gärtnermeister der Fachrichtung Zierpflanzenbau unterrichtet Schülerinnen und Schüler, die das Berufsvorbereitungsjahr Gartenbau besuchen, oder junge Menschen mit Behinderung, die die Ausbildung zum/zur Gartenbaufachwerker/in absolvieren wollen. „Unsere Schüler und Azubis sind Jugendliche mit individuellem Förderbedarf, die zur Berufsvorbereitung oder während ihrer Ausbildung gezielte Unterstützung brauchen“, erklärt André Wujanz. Im Gewächshaus und auf den Freiflächen zeigt er ihnen, wie Topfpflanzen, Schnittblumen, Beet- und Balkonpflanzen ausgesät und herangezogen werden, wie man Pflanzen gießt, düngt und schneidet, wie man einen Kompost anlegt und umschichtet, Hecken schneidet, Rasen mäht, Treppen setzt, Teiche anlegt oder Bodenproben unterm Mikroskop analysiert. „In der Fachtheorie geht es dann um Themen wie Pflanzenkunde, Pflanzenschutz oder Düngerlehre“, sagt der Fachlehrer.

Im Fachbereich Gartenbau der Bamberger Berufsschule gibt es fünf Lehrkräfte: außer André Wujanz noch einen Agraringenieur, der ebenfalls als Fachlehrer tätig ist. Darüber hinaus unterrichten zwei Sonderschul- und ein Berufsschullehrer, die ein Lehramtsstudium absolviert haben.

Auf Umwegen zum Ziel

Der Weg zu seinem heutigen Beruf war lang. Wichtigster Baustein war der einjährige Vorbereitungsdienst zum Fachlehrer für gewerblich-technische Berufe, den André Wujanz im September 2009 begonnen hat. Der theoretische Teil erfolgte am Staatsinstitut IV in Ansbach, das die Weiterbildung für Fachlehrer an beruflichen Schulen bayernweit koordiniert; den praktischen hat er an einer Regensburger Berufsschule absolviert. „Eigentlich macht man die Praxisphasen an der Berufsschule, an der die Stelle auch ausgeschrieben ist, aber die Adolph-Kolping-Schule konnte mir keinen Mentor im höheren Dienst bereitstellen.“ Montag und Dienstag unterrichtete der angehende Fachlehrer somit in Regensburg. Insgesamt sechs Schulstunden hielt er wöchentlich selbstständig, zu denen ihm sein dortiger Mentor Feedback gab. Von Mittwoch bis Freitag besuchte er in Ansbach Vorlesungen und Seminare zu Pädagogik, Psychologie, Didaktik, Fachdidaktik, Schulrecht und Kommunikation. „Ich bin viel gependelt und hatte an den Wochenenden einiges vorzubereiten, aber es hat sich gelohnt“, zieht er Bilanz. Abgeschlossen hat er den Vorbereitungsdienst mit der Anstellungsprüfung, die sich aus schriftlichen, mündlichen und schulpraktischen Teilen sowie Leistungsnachweisen in Kommunikation zusammensetzt.

Zu Beginn der Ausbildung werden alle Anwärter als Beamte auf Widerruf vereidigt. Nach bestandener Anstellungsprüfung hat ihn der Regierungsbezirk Oberfranken in die Laufbahn des gehobenen Dienstes als Fachlehrer eingestellt, mit der Eingangsbesoldung A10. „Momentan bin ich noch Beamter auf Probe“, erzählt André Wujanz. Nach Ablauf der Probezeit wird er auf Lebenszeit verbeamtet.

Vom Gärtner zum Lehrer

Ursprünglich hatte der 36-Jährige nach seinem Abitur in Cottbus eine Ausbildung zum Gärtner in der Fachrichtung Zierpflanzenbau gemacht – sein damaliger Wunschberuf. Nach mehreren Jahren als Facharbeiter in einem großen Betrieb in Dresden hat er im Jahr 2000 seinen Meister absolviert. „Als Ausbilder habe ich gemerkt, wie viel Spaß es mir bereitet, jungen Menschen einen Beruf beizubringen. Da wusste ich, ich möchte unterrichten und habe Initiativbewerbungen an Bildungswerke, Fach- und Berufsschulen geschickt“, erinnert er sich. Die Adolph-Kolping-Schule hat ihn schließlich eingestellt – zunächst ohne pädagogische Zusatzausbildung, denn in Bayern dürfen Meister oder Techniker zwei Jahre lang an beruflichen Schulen unterhälftig unterrichten, das heißt, eine Stunde weniger als die Hälfte der normalen Schulstunden eines Lehrers. Bei André Wujanz wurden es dank Sondergenehmigungen sogar vier Jahre.

2009 hat seine Berufsschule dann Fachlehrerbedarf im Gartenbau angemeldet, sodass sich der Gärtnermeister für die Einstellungsprüfung bewerben konnte. „Ich hätte mich etwa auch an anderen bayerischen Berufsschulen auf ausgeschriebene Stellen bewerben können, wollte aber in Bamberg bleiben.“ Ausgewählte Bewerber mussten einen Lehrversuch vorbereiten und vor einer Klasse an der Bamberger Berufsschule durchführen. Dafür hat André Wujanz den Stundenablauf geplant und Materialien erstellt. In einem zweiten Schritt meldete ihn die Schule zum schriftlichen Deutschtest am Staatsinstitut in Ansbach an. „Ich bin froh, dass es damals geklappt hat“, sagt der 36-Jährige, „und dass ich heute Fachlehrer bin.“

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