Weit mehr als Bits und Bytes
Martina Gebrecht (Name geändert) arbeitet bei einem Hamburger Softwaregroßhändler. Vor kurzem hat sich die 28-Jährige zur IHK-geprüften IT-Beraterin weitergebildet.
Um IT-Berater zu werden, muss man eine Ausbildung im IT-Bereich absolviert haben.
Foto: Asserhofer
Nach sieben Jahren im Vertrieb hatte sie Lust auf etwas Neues. „Die Aufstiegsmöglichkeiten bei meinem Arbeitgeber sind leider begrenzt. Deswegen habe ich mich für die Weiterbildung zur IT-Beraterin entschieden“, erklärt Martina Gebrecht. Über zwei Jahre besuchte sie nebenberuflich die Wirtschaftsakademie Elmshorn der schleswig-holsteinischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Zwei Mal pro Woche – Mittwochabend und am Samstag – hatte sie Unterricht. „Ich wollte mich weiter entwickeln, etwas machen, das auf meinen Ausbildungsberuf aufbaut“, erläutert sie.
Finanzierung über Meister-BAföG
Die Fächer waren Mitarbeiterführung und Personalwesen, Fachenglisch, Geschäftsprozessanalyse sowie Projektmanagement. BWL, Marketing und Qualitätsmanagement waren ebenfalls Teil ihrer Weiterbildung. Im zweiten Jahr lag der Schwerpunkt beim Projektmanagement, das auch Teilbereiche wie Kommunikation beinhaltete. Komplettes Neuland sei das für sie gewesen, in das sie sich über die entsprechende Fachliteratur einlesen musste. „Am Ende ging ich wirklich auf dem Zahnfleisch“, räumt sie ein. Prüfungsvorbereitung, eine 70-seitige Abschlussarbeit, daneben die tägliche Arbeit im Geschäft: „Auf Einschränkungen im Privatleben muss man sich da einstellen.“
Finanziert hat sie die Weiterbildung über das Meister-BAföG: Kurse und Prüfungsgebühren kosteten in Elmshorn zusammen etwa 6.000 Euro, die sie in monatlichen Raten bezahlte. Ihr Arbeitgeber hat sich an den Kosten nicht beteiligt, in anderen Fällen kann es aber sein, dass ein Unternehmen die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter unterstützt. Um die Weiterbildung zum/zur IT-Berater/in absolvieren zu können, muss man etwa eine Berufsausbildung im IT-Bereich und eine mindestens einjährige Berufspraxis vorweisen können. Laut BERUFENET kann die tarifliche Bruttogrundvergütung beispielsweise 2.970 bis 3.412 Euro betragen.
Fachliche und soziale Kompetenz gefragt
„Ich bin jedoch kein Computerfreak, der nichts anderes als die einschlägigen Zeitschriften und Magazine liest“, macht Martina Gebrecht deutlich. Sicher sei es nötig, sich über die neuesten Entwicklungen auf dem Softwaremarkt auf dem Laufenden zu halten. Doch gehen ihre Aufgaben weit über das Wissen über Bits und Bytes hinaus. „Ich habe eine soziale Ader und bin sehr kommunikationsfreudig“, erklärt sie. Das sei im Vertrieb sehr wichtig, denn Kunden binde man am besten mit persönlichem Plausch über Familie oder Geschäft.
Dass sie dabei auch fachlich einiges auf dem Kasten haben muss, zählt für sie zu den Grundbedingungen, um erfolgreich verkaufen zu können. „Man muss aus dem Nähkästchen plaudern können. Denn wenn du keine Ahnung hast, fällt das in jeder Branche sofort auf“, meint sie. Der Arbeitstag der 28-Jährigen beginnt üblicherweise um 8.30 Uhr. Sie ruft dann zuerst ihre E-Mails ab und bearbeitet die ersten Bestellungen und Anfragen. „Zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 14 und 16 Uhr ist anschließend unsere ‚Prime Time‘ für die Telefonakquise, weil die Händler dann am besten zu erreichen sind“, weiß Martina Gebrecht. Feste Vorgaben, wen und wie viele Kunden sie anruft, habe sie dabei nicht: „Solange die Zahlen stimmen, kann ich mir meine Arbeit frei einteilen.“
Für Martina Gebrecht hat sich der Aufwand mit der Weiterbildung auf jeden Fall gelohnt. „Ich traue mich jetzt auch, mich auf höher qualifizierte Jobausschreibungen zu bewerben“, sagt sie. Nach den Jahren im Innendienst würde sie nun gerne im Außendienst oder im Qualitätsmanagement tätig werden. Sie möchte Kunden beraten, Konzepte erstellen und die bestmögliche Lösung für sie suchen. Auch eine Tätigkeit im Projektmanagement könnte sie sich vorstellen. Dabei ist sie für jegliche Art von Unternehmen offen: „Ich suche bei den einschlägigen Jobbörsen im Internet und wenn die ausgeschriebene Stelle meinen Wünschen entspricht, bewerbe ich mich.“
Die fachlichen Voraussetzungen dafür hat sie jedenfalls mit der Weiterbildung erworben. Und auch persönlich sieht sie sich als Frau in der richtigen Branche. „Ich habe ein Forscher-Syndrom“, erklärt sie mit einem Lachen, „ich will für jeden Kunden die beste praktische Lösung finden. Und das ist meistens nicht einfach, denn jedes Kundenszenario ist anders.“




