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Doppelte Abiturjahrgänge

Viele Studienplätze geschaffen

Bis 2015 werden durch die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium (G8) geschätzt 275.000 zusätzliche Studienanfänger an die Hochschulen drängen. Doch Bund und Länder haben vorgesorgt und wollen viele neue Studienplätze schaffen. Abiturienten, die auf die Situation gut vorbereitet sind, haben also gute Karten.

Auf dem Bild ist ein Hörsaal zu sehen, in dem nur wenige Plätze besetzt sind.

Leere Hörsäle: Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehört, wenn die doppelten Abiturjahrgänge an die Unis drängen.

Foto: Jardner

Vorreiter bei der Versorgung von zwei Abiturjahrgängen ist das Saarland. Das kleinste Bundesland hat im vergangenen Jahr 585 mehr Studierende aufgenommen als im Vorjahr, das entspricht einer Steigerung von 26 Prozent. „Die Bewältigung des Doppeljahrgangs hat sehr gut geklappt“, berichtet Thorsten Mohr, Mitarbeiter in der Presse und Kommunikation der Universität des Saarlandes. Das Rezept: „Wir haben in besonders stark nachgefragten Studienfächern die Zahl der Studienplätze erhöht.“

So wurden zum vergangenen Wintersemester beispielsweise in der Rechtswissenschaft und in Chemie doppelt so viele Studienanfänger aufgenommen wie noch vor einem Jahr. Dazu ist neues Lehrpersonal eingestellt worden, wobei die Personalanpassung noch nicht abgeschlossen ist. Die Universität will auch künftig flexibel auf das Wahlverhalten der Studierenden reagieren, indem gezielt Studienfächer mit besonders hoher Nachfrage ausgebaut werden, verspricht Mitarbeiter Mohr. So sollen dann relativ kurzfristig Stellen für Juniorprofessuren und wissenschaftliche Mitarbeiter aufgestockt werden.

„Keine Landeskinderlösung“

Aktuell bereitet sich Hamburg auf die doppelten Abiturientenjahrgänge vor. 4.500 zusätzliche Schulabsolventen müssen zum Wintersemester 2010/11 untergebracht werden, insgesamt machen 12.500 junge Menschen in der Hansestadt Abitur. Einige davon werden eine Ausbildung machen, den Grund- oder Ersatzdienst ableisten oder eine Auszeit zwischen Schule und Studium nehmen. „Unserer Erfahrung nach wollen rund die Hälfte unserer Abiturienten in Hamburg studieren“, sagt Holger Fischer, Vizepräsident für Studium und Lehre der Uni Hamburg. Allerdings sollen die Studienplätze nur um 1.455 aufgestockt werden. Da ist abzusehen, dass nicht jeder in Hamburg studieren kann, der es sich auch wünscht, sondern für das Studium in ein anderes Bundesland ausweichen muss. Dazu Holger Fischer: „Das Problem der doppelten Abiturjahrgänge kann nicht für Landeskinder gelöst werden, hier funktioniert nur ein bundesweites Rechenmodell.“ Und demzufolge stellen alle deutschen Hochschulen bis 2015 die erforderlichen 275.000 Plätze zur Verfügung.

Aber Hamburger Abiturienten sind in der glücklichen Lage, dass sie vor der ersten großen Welle an die Hochschulen kommen können. Denn 2011 sind die Flächenstaaten Bayern und Niedersachsen an der Reihe, und durch die Umstellung in diesen beiden bevölkerungsreichen Ländern werden so viele Abiturienten wie noch niemals zuvor an die deutschen Hochschulen drängen. Bayern will daher bis 2011 insgesamt 38.000 neue Studienplätze schaffen. Zudem finden in Bayern die Abiturprüfungen des neunjährigen Gymnasiums (G9) und des achtjährigen Gymasiums (G8) zeitlich versetzt statt. Absolventen des G9-Jahrgangs sollen so bereits im Sommersemester 2011 mit dem Studium beginnen können.

Neue Fachhochschulen

2013 folgt dann das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen, und es wird noch mal enger an den Hochschulen. Doch auch dort rüstet man sich: Für die erwarteten zusätzlichen Studienanfänger sollen in NRW 29.000 neue Studienplätze geschaffen werden. Dabei setzt die Landesregierung gezielt auf die Fachhochschulen: Neben dem Ausbau von acht bestehenden Fachhochschulen wurden zusätzlich vier neue Fachhochschulen gegründet.

 

Doppelte Abiturjahrgänge im Bundesgebiet

2010

Hamburg

2011

Bayern, Niedersachsen

2012

Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Brandenburg, Hessen 1. Etappe

2013

Nordrhein-Westfalen, Hessen 2. Etappe

2014

Hessen 3. Etappe

2016

Schleswig-Holstein

Quelle: KMK

Dr. Joachim Welz, Vorsitzender des Hochschulausschusses der KMK beruhigt besorgte Abiturienten und Studierende: „Die Sorgen der Jugendlichen und ihrer Eltern um einen gelingenden Einstieg in das Studium und das Berufsleben nehmen wir sehr ernst.“ Um auch künftig allen Studierwilligen einen qualitativ hochwertigen Studienplatz anbieten zu können, verwirklichen Bund und Länder zurzeit ein ehrgeiziges Programm: durch den Hochschulpakt wird die Zahl der Studienplätze deutlich erhöht, die Ausgaben für Bildung und Forschung werden gesteigert und Maßnahmen zur Verbesserung der Lehre ergriffen. Zudem wird auch die Zahl der Stipendien deutlich erhöht.“

Bezogen auf die Studienfächer liegt den Bildungspolitikern der Ausbau des Studienangebots im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) besonders am Herzen.

Tipps von der Berufsberatung

Und auch zukünftige Studierende können einiges tun, um dem Ansturm an die Hochschulen zu entgehen: „Vor allem Abiturienten aus den Bundesländern, in denen die Umstellung früher erfolgt, sollten versuchen, möglichst rasch an die Hochschulen zu gelangen, denn bis 2013 kommen die Doppeljahrgänge aus neun Bundesländern auf den Studienmarkt“, sagt Beate Ebbinghaus, Berufsberaterin im Team Akademische Berufe der Agentur für Arbeit Hamburg. „Abtauchen wäre aus meiner Sicht jetzt der falsche Weg! Bessere Chancen auf einen Studienplatz haben Studierwillige, die sich frühzeitig informieren und sich breit bewerben. Das Streuen der Chancen sowie Flexibilität innerhalb des Bundesgebietes können dabei von Vorteil sein.“

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