Die Qual der Wahl
Viele Jugendliche sind am Ende ihrer Schulzeit unsicher, für welchen Beruf sie sich entscheiden sollen. Sie wissen noch nicht genau, wer sie sind und was sie können. Um eine gute Entscheidung bezüglich der Berufswahl zu treffen, sollte sich Ihr Sohn oder Ihre Tochter deshalb mit den eigenen Stärken und Schwä-chen befassen.
Nach dem Ende der Schulzeit kommt die Frage, welchen Berufsweg man einschlagen möchte.
Foto: Striegl
Was so einfach klingt, fällt in der Regel sehr schwer. Hilfestellung bieten hier unter anderem die sogenannten Selbsterkundungstests. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat seit Dezember letzten Jahres ihr Testangebot erweitert und einen neuen Test aufgelegt: die Selbsteinschätzung studienrelevanter Personenmerkmale, kurz SSP. Der Test besteht aus zwei Teilen: Zum einen sollen die Interessen des Schülers festgehalten werden und zum anderen wird eine Antwort auf die Frage ermittelt, ob ein Studium bezüglich Motivation und Arbeitsverhalten in Frage kommt. Insgesamt sind rund 140 Fragen zu beantworten. Das Prozedere dauert ungefähr eine halbe Stunde und schließt mit einem Psychologengespräch ab, in dem die Ergebnisse erklärt werden. Daneben gibt es aber auch noch Eignungstests, die prüfen, ob ein bestimmtes Studium das passende für den Schüler ist. Der Klassiker ist hier der Studienfeldbezogene Beratungstest (SFBT) der Bundesagentur für Arbeit.
Interessen und Studienfacheignung
Kathrin Gemmeke (19) hat als eine der ersten beide Tests absolviert. Sie hatte Zweifel, ob sie für ein Studium der Naturwissenschaften geeignet ist, beziehungsweise ob ein Studium überhaupt etwas für sie ist. Ihre Interessen wurden zunächst im SSP herausgefiltert, indem sie innerhalb einer vierstufigen Skala Aussagen von „voll zutreffend“ bis „nicht zutreffend“ machen musste. Die Inhalte, die sie mit „voll zutreffend“ beantwortet hat, kamen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich, wie zum Beispiel „Ich arbeite gerne im Labor“. Zum anderen wurde analysiert, ob ihr Arbeitsverhalten und ihre Motivation zu einem Studium passen. Kathrin Gemmekes Interessen liegen, wie sie selbst schon vermutet hatte, im naturwissenschaftlichen Bereich und ein Studium würde auch zu ihrer Persönlichkeit passen. Aber das war noch nicht alles: Im Anschluss absolvierte die Gymnasiastin in der Arbeitsagentur noch den Studienfeldbezogenen Beratungstests (SFBT) im Bereich Naturwissenschaften. Nun weiß sie, dass alle ihre Zweifel unbegründet waren. „In den Bereichen Biologie und Chemie hatte ich überdurchschnittliche Ergebnisse“, erzählt sie. Sie kann nun sicher und selbstbewusst sagen: „Ich will studieren. Zur Wahl stehen Pharmazie, Lebensmittelchemie oder Biotechnologie.“
Self-Assessments
Aber auch viele Hochschulen bieten sogenannte Self-Assessments an, mit deren Hilfe man recherchieren kann, ob die Vorstellungen vom Studium richtig und die Vorkenntnisse ausreichend sind. Ein Beispiel hierfür ist der kostenfreie Onlinetest der Ruhr-Universität Bochum namens „BORAKEL – Mein Berufsweg“. Er prüft ebenfalls Interessen und Fähigkeiten auf verschiedenen Gebieten und gibt Auskunft, in welchen Bereichen die eigenen Stärken liegen und ob man für ein Studium geeignet ist.
Beim „uni-nordverbund.de“ können online die eigenen Neigungen und Eignungen mit verschiedenen Studienfeldern verglichen werden. Im Ergebnis erfährt man, wie gut man für das Studium in diesem Bereich geeignet ist.
Einen weiteren Test namens „was-studiere-ich.de“ bietet die Universität Hohenheim an: In diesem Online- Test für Studieninteressierte wird ein Interessenprofil (indem zum Beispiel Tätigkeiten, die für bestimmte Berufe charakteristisch sind, bewertet werden müssen) ermittelt, aus dem dann eine Studienfachempfehlung erstellt wird. Das Verfahren ist kostenfrei.
Solche Tests helfen Ihrem Kind nicht nur, seine Eignung zu testen und Neigungen zu filtern, es erhält auch ein individuelles Feedback, das ihm hilft, einzuschätzen, ob das Wunschstudium das richtige ist. Allerdings sollte Ihr Nachwuchs beim Umgang mit den Ergebnissen nicht zu „testgläubig“ sein und das Ergebnis keinesfalls unkritisch über die eigene Einschätzung stellen. In jedem Fall sollten die Ergebnisse des Tests auch mit einem Berater durchgesprochen werden.
Wer schon die Empfehlung für oder Interesse an einem Studiengang hat, aber noch zweifelt, sollte auch die Möglichkeit eines Schnupperstudiums in Betracht ziehen, die von den meisten Hochschulen angeboten werden. Bei dieser Gelegenheit erfährt man mehr über die Hochschule und das Studienangebot, kann sich den Fachbereich genauer ansehen sowie mit Lehrenden und Studierenden ins Gespräch kommen. Nicht selten kann man auch ganz praktische Erfahrungen sammeln, wie beispielsweise Vorlesungen besuchen und mehr darüber erfahren, welche Inhalte im Studium vermittelt werden.




