Architektur studieren?
Ein Architekturstudium ist kreativ, aber man sollte sich vorher darüber bewusst sein, dass nicht alle Architekten schicke Hotels oder Museen planen.
Nicht nur kreativ: Für das ingenieurwissenschaftliche Architekturstudium braucht man auch viel Mathe.
Foto: Trabandt
Stephanie:
Eine meiner Stärken ist meine Kreativität. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, einen Beruf wie Architektin oder Innenarchitektin zu ergreifen und die Häuser oder Wohnungseinrichtungen anderer Leute zu planen. In Mathe bin ich allerdings nicht wirklich gut. Ist das ein Hindernis für ein Architekturstudium?
Yvonne Hollmann, Agentur für Arbeit Stendal
Liebe Stephanie,
Architektur ist ein ingenieurwissenschaftliches Studium, und dafür braucht man Mathe, beispielsweise für die Berechnung der Statik oder die Kalkulation von Kosten. Auf dem Stundenplan stehen neben Entwerfen, Darstellen und Gestalten beispielsweise auch Tragwerkslehre, Bauphysik, Materiallehre und technische Gebäudeausrüstung. Sie müssen das Studium wegen mangelnder Mathekenntnisse nicht ausschließen, sollten sich aber bewusst darüber sein, dass auch viele naturwissenschaftliche Grundlagen vermittelt werden und dass der Umgang mit spezieller Bau-Software einschließlich so genannter CAD-Programme (Computer-Aided-Design) zum Arbeitsalltag von Architekten gehört.
Grenzen der Kreativität
Wichtig ist, dass Sie nicht blauäugig ins Studium starten, sondern sich vorher klar machen, dass Architektur zwar ein kreatives Studium ist, dieser Kreativität im Beruf aber meistens Grenzen gesetzt sind. Zum einen gibt es immer bestimmte bauliche Vorgaben, die zu beachten sind – also beispielsweise die Baugrenzen, die Geschosshöhe oder auch die Vorgaben des Kunden – und zum andern landen viele Architekten nach dem Studium zum Beispiel im Bereich der Stadt- und Regionalbauplanung, wo sie städtebauliche Großprojekte betreuen, Flächennutzungs- und Bebauungspläne erstellen und Straßen anstelle von modernen Museen oder schicken Einfamilienhäusern konzipieren.
Auch wenn die Baubranche momentan etwas anzieht, sind die Arbeitsmarktchancen für Architekten nicht gerade rosig – zumindest dann, wenn man wirklich Gebäude entwerfen möchte. Die relativ sicheren Stellen im öffentlichen Dienst sind rar und für viele, die wirklich kreativ arbeiten wollen, bleibt oft nur die Selbstständigkeit, wofür der Masterabschluss Voraussetzung ist. Selbstständigkeit bedeutet aber, dass Sie ständig Aufträgen hinterher jagen und immer wieder Durststrecken ohne Auftrag überstehen müssen. Eine soziale Absicherung ist da relativ schwierig.
Übrigens, Architekt darf sich nur nennen, wer ein entsprechendes Hochschulstudium abgeschlossen und danach zwei bis drei Jahre Berufspraxis nachweisen kann. Erst dann darf man Planungsverantwortung übernehmen und Pläne für Bauwerke jeder Größe zur Genehmigung einreichen. Bis dahin lautet die offizielle Bezeichnung „Ingenieurin für Architektur“.
Wenn Sie den Beruf trotz aller Nachteile ergreifen wollen und sich vorstellen können, beispielsweise auch für ein Bauplanungsbüro oder im Bereich der Bauleitung zu arbeiten und sich darauf einstellen, Mathe nachzuholen, dann ist das Studium sicher eine Option für Sie. Ansonsten gibt es noch ein Vielzahl anderer kreativer Studiengänge, die vielleicht in Frage kommen, beispielsweise Produkt- oder Kommunikationsdesign.
Mehr Infos
abi>> Portal
Mit dem Suchwort „Architekt“ erscheint eine Liste sämtlicher Reportagen zu diesem Thema im Portal, von einem Architekten für Energiesparhäuser, einer Architektin, die sich zur Energieberaterin weitergebildet hat bis zu einer Innenarchitektin.
Studien- und Berufswahl
Auf der Webseite findet man Infos rund um die möglichen Studiengänge und kann nach Hochschulen recherchieren, die Architektur-Studiengänge anbieten.
Hochschulkompass
Wo gibt es meinen Wunschstudiengang ohne Zulassungsbeschränkung? Diese Info gibt es unter anderem beim Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz.
http://www.hochschulkompass.de



