Das macht doch jeder ?
Das beliebteste Studienfach in Deutschland ist BWL — und zwar sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Aber gibt es bei so vielen Studierenden und Absolventen eigentlich auch genügend Jobs? Berufsberaterin Yvonne Hollmann findet, dass sich das "Joker-Studium" lohnt.
Ein Wirtschaftsstudium führt nicht nur in die Wirtschaft, sondern auch in die Verwaltung, in Behörden oder Institute.
Foto: WillmyCC
Philipp:
Ich habe großes Interesse an Mathe und interessiere mich für Wirtschaft. Eigentlich würde ich gerne BWL studieren, aber das machen so viele. Gibt es denn noch Arbeitsplätze für all die Absolventen?
Yvonne Hollmann, Agentur für Arbeit Stendal
Lieber Philipp,
Sie haben Recht, BWL ist das beliebteste Studienfach. Rund acht Prozent aller Studierenden sind in einem BWL-Studium eingeschrieben. Und wenn man noch „internationale Betriebswirtschaft“ hinzunimmt, so studiert fast jeder Zehnte in diesem Bereich. Aber trotzdem würde ich sagen: Ein BWL-Studium lohnt sich auf jeden Fall. Ich nenne das gerne ein „Joker-Studium“, weil die Absolventen in jeder Branche und in vielen Bereichen eines Unternehmens arbeiten können, also beispielsweise im Management, Personal, Marketing, Controlling … Wenn Sie sich mal die Stellenanzeigen von großen Zeitungen anschauen, werden Sie feststellen, dass große Unternehmen oft ein Wirtschaftsstudium verlangen – ganz egal, um welchen Posten oder welche Branche es sich handelt.
Ein BWL-Studium führt aber nicht zwangsläufig dazu, dass man später mal in der Wirtschaft landet oder gar ein Unternehmen leitet. Arbeitsmöglichkeiten gibt es beispielsweise auch in der Verwaltung, bei Behörden oder Instituten.
Viele Studienplätze
Das Gute ist: Es gibt viele BWL-Studienplätze an Unis und Fachhochschulen und der Numerus clausus ist in der Regel leicht zu erreichen – wenn das Studium nicht sogar völlig zulassungsfrei ist. Aber das heißt nicht, dass es ein leichtes Studium ist. Gefordert werden gute Mathekenntnisse, logisches Denken, Analysefähigkeit, Sozialkompetenz und ethisches Verständnis. Und unbedingt auch Fremdsprachenkenntnisse. Deshalb würde ich jedem raten, ein Auslandssemester einzulegen, und zwar auch dann, wenn es nicht verpflichtend vorgeschrieben ist.
Im regulären BWL-Studium lernen Sie sämtliche Bereiche wie Marketing, Controlling, Unternehmensführung und Personalwesen kennen. Im Masterstudium können Sie sich dann auf einen Schwerpunkt festlegen. Spezialisierungen sind auch schon früher möglich, auch auf eine bestimmte Branche oder Region, beispielsweise mit Bachelor-Studiengängen wie Gesundheitsmanagement, Europäische Betriebswirtschaftslehre oder Tourismusmanagement. Oder Sie wählen einen Studiengang wie „Philosophy & Economics“ an der Uni Bayreuth, der ethische mit wirtschaftlichen Themen kombiniert. Bevor Sie sich für einen solchen speziellen Studiengang entscheiden, sollten Sie sich allerdings überlegen, ob die Spezialisierung wirklich das Richtige für Sie ist, ob Sie wirklich auf Dauer in diesem Gebiet arbeiten wollen. Ein Joker-Studium ist das dann nicht mehr.
Aber auch beim allgemeinen BWL-Studium haben die Hochschulen unterschiedliche Ausrichtungen. Manchmal endet das Studium mit einem Bachelor of Arts, wie Sozial-, Sprach- und Kulturwissenschaften und manchmal mit einem Bachelor of Science wie Natur- und Ingenieurwissenschaften. Schauen Sie sich deshalb vorab die Inhalte genau an und wählen Sie die für Sie und Ihre Interessen passende Hochschule. Dann brauchen Sie sich keine Sorgen vor einem Überangebot an Absolventen zu machen. Denn wie heißt es so schön im betriebswirtschaftlichen Slang: „Angebot und Nachfrage stehen hier in einem guten Verhältnis“.
Mehr Infos
Studien- und Berufswahl
Auf der Webseite findet man Infos rund um die möglichen Studiengänge und kann nach Hochschulen recherchieren, die Studiengänge im Bereich „Wirtschaft“ anbieten.
Hochschulkompass
Wo gibt es meinen Wunschstudiengang ohne Zulassungsbeschränkung? Diese Info gibt es unter anderem beim Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz.




