service

Rubrik Lehrer und Eltern

studienwahl.de

Studiengangsuche in
studienwahl.de
wie, wo, was?
 
Erweiterte Suche
  • bei Facebook empfehlen
  • bei Twitter empfehlen
  • bei schülerVZ empfehlen
  • bei MySpace empfehlen
Duales Studium und Sonderausbildung

Doppelt gut aufgestellt

Das Interesse am dualen Studium wächst: Sowohl die Zahl der Studiengänge als auch die Zahl der Studierenden sind innerhalb eines Jahres um rund 20 Prozent gestiegen. Die Vorteile: Duale Studiengänge verbinden Theorie im Studium mit Praxis im Unternehmen und qualifizieren so doppelt — und das bestenfalls bei durchgängigem Gehalt. Apropos doppelte Qualifikation: Das ist auch bei vielen Sonderausbildungen möglich, die speziell für Abiturienten angeboten werden.

Zwei Schachfiguren

Mit zwei Abschlüssen haben dual Studierende einen Vorteil im Berufsleben.

 Foto: Rehm / WillmyCC

Matthias Dießner hat sich für ein duales Studium entschieden: In viereinhalb Jahren absolviert der 20-Jährige parallel ein Bachelorstudium in Chemie an der Hochschule Zittau/Görlitz und eine Ausbildung zum Chemielaboranten bei der Fit GmbH im nahegelegenen Hirschfelde, einem Hersteller von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln. Bald beginnt für ihn das dritte Semester an der Hochschule: „In den ersten beiden Semestern haben wir die Grundlagen der anorganischen Chemie, also der kohlenstofffreien Verbindungen, kennengelernt“, erzählt Matthias Dießner, der aus der Nähe von Bautzen stammt und sich eine Wohnung in Zittau genommen hat. „Jetzt steht die organische Chemie auf dem Plan.“

In der vorlesungsfreien Zeit sind die Praxisphasen im Unternehmen angesetzt. Bei der Fit GmbH hilft der 20-Jährige etwa dabei, eingehende Rohstoffe auf ihre Qualität zu prüfen oder Stichproben aus der Produktion zu analysieren. „Viel Zeit verbringe ich auch in der SBG Dresden.“ Das ist die Sächsische Bildungsgesellschaft für Umweltschutz und Chemieberufe, die Berufsschule, an der er das Hintergrundwissen für seine Berufsausbildung mitbekommt. „Es geht zum Beispiel um Stofftrennverfahren oder Reaktionen wie die aus dem Chemieunterricht bekannten Redoxreaktionen“, erklärt er. Noch eineinhalb Jahre, dann legt er die Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer ab.

Blockmodelle, wie in Matthias Dießners Fall, sind bei dualen Studiengängen am häufigsten: Längere Theorie- und Praxisphasen wechseln sich ab. Bei anderen Modellen kann es aber auch sein, dass man tageweise in der Hochschule und im Betrieb ist, oder Lehrveranstaltungen abends und am Wochenende stattfinden. Urlaub können die Studierenden nur in den Praxisphasen nehmen und dann muss häufig für Prüfungen gelernt werden. Matthias Dießner bleibt unter dem Semester genügend Zeit, um für seine Prüfungen zu lernen. „In den Urlauben kann ich mich erholen“, sagt er. Viel Freizeit bleibt dem 20-Jährigen aufs Jahr gesehen zwar nicht, von seiner Studienwahl ist er allerdings nach wie vor überzeugt: „Durch die Verzahnung von Studium und Ausbildung lerne ich die Chemie nicht nur von ihrer theoretischen Seite kennen, sondern kann das Gelernte ganz praktisch am Arbeitsplatz ausprobieren.“

Ausbildungs- oder praxisintegrierend studieren

Matthias Dießner absolviert einen von rund 430 ausbildungsintegrierenden Studiengängen, die in der Datenbank AusbildungPlus des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gelistet sind (Stand: April 2011). Diese Form des dualen Studiums verbindet eine berufliche Erstausbildung mit einem Studium – in der Regel mit Bachelorabschluss. Wer in einen der rund 370 praxisintegrierenden Studiengänge eingeschrieben ist, ist für die Zeit seines Studiums ebenfalls bei einem Unternehmen oder einer Einrichtung angestellt, erwirbt aber keinen Berufsabschluss. Beide Varianten dauern in der Regel zwischen drei und viereinhalb Jahren.

Zählt man noch die berufsintegrierenden und berufsbegleitenden Angebote dazu, kommt man auf rund 930 duale Studiengänge – fast 20 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Überwiegend werden duale Studiengänge an Fachhochschulen, Berufsakademien und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) angeboten – Universitäten beteiligen sich bislang eher an wenigen Programmen (rund 30). In der DHBW, die Hochschulstatus hat, sind seit März 2009 die ehemaligen Berufsakademien des Bundeslandes zusammengeschlossen. Die baden-württembergischen Berufsakademien waren übrigens die ersten ihrer Art, und auch die ersten, die duale Studienmodelle aufgelegt haben. Zum Wintersemester 2010/11 waren an der DHBW rund 26.000 Studierende in den 20 praxisintegrierenden Studiengängen mit rund 90 Studienrichtungen eingeschrieben.

Was die Fachrichtungen dualer Studiengänge betrifft, so haben die Wirtschaftswissenschaften mit knapp 380 dualen Studiengängen die Nase klar vorn – auch, was die Zuwächse betrifft. „Wir verzeichnen aber auch im ingenieurwissenschaftlich-technischen Bereich hohe Zuwachsraten“, sagt Jochen Goeser, Sprecher von AusbildungPlus. Hoch ist das Angebot etwa in Maschinenbau/Verfahrenstechnik (142), Informatik (133) und Elektrotechnik (87). Aber auch im Sozialwesen gibt es fast 30 duale Programme.

Anspruchsvoll und chancenreich

Außer der Zahl der Studiengänge ist auch die Zahl der Studierenden um mehr als 20 Prozent gestiegen, wie AusbildungPlus meldet: Von 50.764 im April 2010 auf 61.195 im April 2011. Das kann auch Torsten Lentz, Berater für akademische

Torsten Lentz

Torsten Lentz

Foto: Bundesagentur für Arbeit

Berufe bei der Arbeitsagentur Wolfsburg, bestätigen: „Es kommen immer mehr Abiturienten zur mir in die Beratung, die sich für ein duales Studium interessieren.“ Die Vorteile liegen klar auf der Hand: „Nicht nur, dass duale Studiengänge Praxis und Theorie optimal verknüpfen. Wer einen ausbildungsintegrierenden Studiengang absolviert, spart Zeit gegenüber denjenigen, die zuerst eine Ausbildung machen und danach studieren. Außerdem gibt es eine Vergütung, mit der Lebenshaltungs- und Studienkosten gedeckt werden können“, erläutert der Berufsberater.

Matthias Dießner etwa hat monatliche Ausgaben für seine Wohnung in Zittau, für Lebensmittel, Fahrtkosten und Studienmaterial. Die 450 Euro, die er im ersten Ausbildungsjahr monatlich netto verdient hat, haben – zusammen mit dem Kindergeld – für die Finanzierung ausgereicht. Studiengebühren muss er nicht bezahlen. Einige Bundesländer erheben jedoch die Campusmaut – und es ist nicht immer so, dass die Arbeitgeber dafür aufkommen. „Einige private Hochschulen, etwa im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich, können sogar noch höhere Beiträge erheben. Und auch an Berufsakademien können, je nach Bundesland, Studiengebühren anfallen“, weiß Torsten Lentz. „Es lohnt sich in jedem Fall, mit dem Arbeitgeber über die Finanzierung eines dualen Studiums zu sprechen.“

Und wer ist überhaupt für ein duales Studium geeignet? „Prinzipiell jeder“, sagt Andrea Rohrer, Leiterin der Zentralen Studienberatung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg am Campus Horb, „allerdings sollten die Studienanfänger belastungs- und teamfähig sein und sich gut organisieren können.“ Auch Torsten Lentz bestätigt: „Ein duales Studium stellt eine hohe Belastung dar, das muss man sich bewusst machen. Der ständige Wechsel von der Hochschule in den Betrieb und umgekehrt kann sehr anstrengend sein. Das Arbeitspensum ist hoch, und zwar sowohl im Studium als auch in den Praxisphasen.“

Wer den anspruchsvollen Einstieg schafft und sein duales Studium erfolgreich meistert, hat allerdings gute Aussichten auf eine Übernahme: „Die Unternehmen investieren viel in diese passgenau ausgebildeten Nachwuchskräfte und möchten sie in der Regel auch nach dem Studium an sich binden“, erklärt der Berufsberater, „was aber nicht heißt, dass sie sofort in Führungspositionen aufsteigen.“ Matthias Dießner hat heute schon einen Arbeitsplatz nach Abschluss seines dualen Studiums sicher, wenn er weiterhin gute Leistungen erbringt. Er kann sich gut vorstellen, längerfristig bei der Fit GmbH zu bleiben. „Ich möchte aber auch nicht ausschließen, dass ich irgendwann ein Masterstudium dranhängen werde“, sagt er, gerne auch berufsbegleitend.

Wer wie der 20-Jährige ein duales Studium an einer Hochschule absolviert, kann sich danach ganz regulär für Masterstudiengänge bewerben. „Diese Möglichkeit steht übrigens auch Bachelorabsolventen von Berufsakademien rechtlich offen“, berichtet Torsten Lentz. „In der Praxis ist das allerdings nur schwer realisierbar: Die Hochschulen legen die Zulassungsvoraussetzungen für die Master selbst fest und gerade Bewerber von Berufsakademien bringen die geforderten fachlichen Vorkenntnisse aus dem Erststudium nur selten mit.“

Behörden und individuelle Regelungen

Finden duale Studiengänge überwiegend mit Kooperationspartnern aus der Wirtschaft statt, so gibt es auch bei Behörden auf kommunaler, Länder- und Bundesebene zahlreiche Möglichkeiten, ein duales Studium zu absolvieren – zum Beispiel die Vorbereitungsdienste im gehobenen nicht-technischen Dienst, etwa beim Auswärtigen Amt, der Bundesbank oder der Allgemeinen und inneren Verwaltung. In der Regel dauert das duale Studium bei Behörden drei Jahre, Abschluss ist meist der Bachelor. Im Anschluss an das duale Studium besteht die Möglichkeit, in ein Angestellten- oder Beamtenverhältnis übernommen zu werden.

Stärker im Kommen ist auch das „Studium individuell“: Betriebe ermöglichen damit ihren ehemaligen, in der Regel besonders leistungsstarken Azubis mit Abitur ein Studium. Diese schreiben sich an der Hochschule ein und werden für Lehrveranstaltungen sowie Prüfungen von der Arbeit freigestellt. Manuel Stephan (21) hat zum Beispiel bei Audi in Ingolstadt eine verkürzte Ausbildung zum Werkzeugmechaniker gemacht und danach ein Maschinenbaustudium an der Hochschule Regensburg aufgenommen. „Ich bin freigestellt, das Arbeitsverhältnis ruht“, sagt der 21-Jährige, der aber nach wie vor Mitarbeiter bei Audi ist. Er bekommt zwar derzeit kein Gehalt, wird vom Unternehmen allerdings über ein internes Förderprogramm unterstützt. Bei sogenannten Informations- und Vernetzungstagen werden er und andere studierende Mitarbeiter über aktuelle Themen im Konzern auf dem Laufenden gehalten. Außerdem absolviert er sein Praxissemester in der Technischen Entwicklung bei Audi.

Sonderausbildungen für Abiturienten

Neben den dualen Studiengängen gibt es für Abiturienten die attraktive Möglichkeit sogenannter dualer Sonderausbildungen, die hauptsächlich im kaufmännischen, aber auch im technischen Bereich angeboten werden. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Studium, sondern „nur“ um eine duale Ausbildung für Absolventen, die mindestens die Fachhochschulreife mitbringen müssen. „Hier gibt es ganz unterschiedliche Modelle“, sagt Torsten Lentz von der Arbeitsagentur Wolfsburg. Finanz- oder Immobilienassistenten zum Beispiel qualifizieren sich doppelt: Zusätzlich zu einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf – in diesem Fall Bankkaufmann/-frau oder Immobilienkaufmann/-frau – erwerben sie diese Zusatzqualifikation. „Angehende Bankkaufleute, die die Zusatzqualifikation Finanzassistent erwerben möchten, haben an der Berufsschule zusätzliche Fächer: Allfinanz, wo es um Immobilien, Bausparen und Versicherungslehre geht, und Steuerrecht. Hinzu kommt eine Sprachausbildung in Wirtschaftsenglisch oder -französisch“, erklärt der Berufsberater. Die Zusatzqualifikation schließt mit einer Prüfung in den Fächern Allfinanz und Steuern ab und wird in einem gesonderten Zeugnis ausgewiesen.

Wo man solch eine Zusatzqualifikation erwirbt, ist allerdings unterschiedlich: „Das kann an der Berufsschule passieren. Bei Handelsfachwirten oder -assistenten etwa sind es aber Bildungseinrichtungen des Handels oder der IHK“, führt Torsten Lentz aus. Das Portal AusbildungPlus hat ermittelt, dass 2010 über 10.000 Auszubildende eine solche „Zusatzqualifikation mit Fortbildungsabschluss“ erworben haben, allein über 5.000 davon den Handelsassistenten oder -fachwirt.

Was Abiturienten, die sich für eine Sonderausbildung interessieren, berücksichtigen sollten: „Sie werden nicht flächendeckend angeboten. Da kann es vorkommen, dass man pendeln oder gar umziehen muss“, erklärt der Berufsberater. „Industrietechnologen beispielsweise werden ausschließlich in Bayern ausgebildet, für Textilbetriebswirte findet die theoretische Ausbildung an der Fachakademie für Textil & Schuhe in Nagold statt, für Fluglotsen an der Akademie für Flugsicherung in Langen.“ Allerdings lohnt sich der Mehraufwand: „Sonderausbildungen sind mit einer Höherqualifizierung verbunden, außerdem sind sie in ihren Aufgabenstellungen sehr anspruchsvoll“, sagt Torsten Lentz. Interessant auch: Manche Ausbildungseinrichtungen kooperieren inzwischen mit Hochschulen, so dass die Abiturienten neben einem Ausbildungsabschluss auch gleich einen staatlich anerkannten Bachelorabschluss erhalten. Bei der Abiturientenausbildung zum Betriebswirt, die von Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien angeboten wird, erwerben die Studierenden beispielsweise neben einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf nach sechs Semester den Abschluss zum Betriebswirt VWA und können gegebenenfalls noch einen Bachelor anhängen.

Wer einen Überblick über Sonderausbildungen für Abiturienten haben will, geht im BERUFENET (http://www.berufenet.arbeitsagentur.de) unterhalb des Suchfeldes auf „Eingrenzen auf Gruppen“ und setzt den Haken bei „Ausbildungsberufe > Abiturientenausbildungen“. Auch unter www.ausbildungplus.de sind unter dem Suchbegriff „Abiturientenausbildung“ Informationen zu finden. Dabei ist zu beachten, dass die Ausbildungsangebote je nach Ausbildungsbetrieb unterschiedlich bezeichnet werden.  

News RSS-Feeds abonnieren (Öffnet sich in neuem Fenster)

mitmischen.de in neuem Design

T5 in vier deutschen Städten

Events

Studieren in den Niederlanden

T5 Jobmesse

Veranstaltungsübersicht