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Hochschulrankings

Ein Auswahlkriterium unter vielen

Die Entscheidung für einen Studiengang ist gefallen. Jetzt gilt es, die richtige Hochschule zu finden. Dabei kann die Wahl ganz schön knifflig sein. Manche Abiturienten ziehen Hochschulrankings für eine Vorauswahl heran. abi>> hat die Möglichkeiten und Grenzen der Rankings recherchiert.

Florian Hermann steht vor dem Gebäude der Universität Mannheim in der Sonne. Er trägt ein dunkles Hemd, hat kurze braune Haare und ist Brillenträger.

Seine Entscheidung fiel aufgrund eines Hochschulrankings: Florian Hermann

Foto: Privat

Florian Hermann (20) studiert Betriebswirtschaftslehre im zweiten Semester an der Uni Mannheim. Sein Studienwunsch hatte bereits in der Schulzeit festgestanden. Direkt nach dem Abitur blieb ihm aufgrund eines Praktikums jedoch wenig Zeit, sich mit der großen Auswahl an Hochschulen zu befassen, die das beliebte Studienfach anbieten. Darum stützte er sich bei seiner Auswahl auf das renommierte Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Kooperation mit der Wochenzeitung DIE ZEIT.

Dieses Ranking zeigt die Stärken und Schwächen der deutschen Hochschulen in insgesamt 35 Studienfächern auf. Dafür zieht es verschiedene Kriterien in Betracht, wie zum Beispiel Ausstattung, Betreuung durch Lehrende oder Forschungsaktivitäten. So ergibt sich für jedes Fach pro Kriterium eine eigene Staffelung. Basis des Rankings ist einerseits eine Befragung von Studierenden, Absolventen und Professoren zu den Studienbedingungen und dem Ruf der Fachbereiche, andererseits eine Auswertung von Fakten, wie etwa Studienangebot oder Forschungsumfeld.

Die Uni Mannheim schnitt für das Fach BWL in fast allen Punkten herausragend ab. „Ich konnte das Ranking nach verschiedenen Gesichtspunkten, wie zum Beispiel persönliche Betreuung, sortieren“, erklärt Florian Hermann. Mit seiner Hochschulwahl ist der 20-Jährige nach wie vor zufrieden. Trotzdem würde er seine Entscheidung nicht noch einmal bloß von einem Rankingergebnis abhängig machen: „Ich hätte mir das Praktikum genauso gut für die Semesterferien aufheben können und stattdessen Uni und Stadt besser kennenlernen.“

Die Rankings seien nur eine Orientierungshilfe, betont auch Harald Janze, Berufsberater der Arbeitsagentur in Köln. „Für Studieninteressierte ist der größte Aufwand, sich erst einmal für ein bestimmtes Fach und eine Hochschulform zu entscheiden. Erst danach kann man überhaupt auf die Rankings gucken.“ Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Studiengang bietet die Berufsberatung in der örtlichen Agentur für Arbeit. Harald Janze rät: „Am besten schaut man sich wenigstens einige der infrage kommenden Hochschulen vor Ort genauer an.“ In Gesprächen mit Studierenden oder Studienberatern kann man dann beispielsweise weiter klären, ob die ausgewählte Hochschule tatsächlich den eigenen Wünschen und Vorstellungen entspricht.

Viele Faktoren bleiben unberücksichtigt

Wenn man wie Florian Hermann Rankings bei der Hochschulwahl mit einbezieht, sollte man sich vor Augen führen, dass diese viele Faktoren nicht berücksichtigen, die für das Studium jedoch wichtig sind. Das können zum Beispiel die Forschungsschwerpunkte einer Hochschule sein, die Größe des Studienorts oder ob man sich in einer Stadt wohlfühlt.

Neben dem CHE-Hochschulranking in der ZEIT gibt es auch andere Ranglisten, die einen Überblick über die deutsche Hochschullandschaft verschaffen wollen. Dazu gehören beispielsweise die Hochschulrankings der Zeitschrift FOCUS oder des Magazins Junge Karriere. Das Ranking der Universität Shanghai vergleicht sogar Universitäten auf der ganzen Welt. Dass diese Hochschulrankings jedoch zu verschiedenen Ergebnissen kommen, ist kein Wunder, denn sie sind unterschiedlich aufgebaut. Das heißt, sie haben jeweils andere Zielsetzungen und erheben ihre Daten auf verschiedene Art und Weise. Werden für das eine Ranking beispielsweise Studierende und Wissenschaftler befragt, zählen für das andere die Einschätzungen von Personalverantwortlichen. Diese Unterschiede sollte man sich klar machen und berücksichtigen, dass Rankings in der Regel keine Aussage über die Qualität der Lehre einer Hochschule machen können.

Qualifikationen wichtiger als Ranglistenplatz

Auch bei späteren Bewerbungen ist der Ruf der Hochschulen nicht so wichtig, wie manchmal suggeriert wird. Sitha Stübe, Personalmanagerin beim Energiekonzern SolarWorld in Bonn, verrät: „Wir achten nur nachrangig auf die Hochschule, von der ein Bewerber kommt. Wichtiger sind uns die Qualifikationen und erste praktische Erfahrungen des Absolventen.“ Und Ulrich Herrndorf, Direktor Human Resources bei der internationalen Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer, erklärt: „Aussagekräftiger als die besuchte Hochschule – und deren Rankings –  sind für uns bei der Auswahl unserer Berufseinsteiger ein herausragender Abschluss sowie persönlichkeitsbildende Faktoren wie Auslandsaufenthalte, Sprachkenntnisse oder gesellschaftliches Engagement.“ Rankings sind demnach ein Auswahlkriterium unter vielen – sowohl bei der Hochschulwahl als auch beim Berufseinstieg.

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