Anneke Kim Sarnau
Anneke Kim Sarnau sprach mit abi>> über Durchhaltevermögen und die Härte und Schönheit ihres Berufs.
abi>>: Was fasziniert Sie so an der Schauspielerei?
Anneke Kim Sarnau: Man kann sich ausdrücken, ich schlüpfe in Emotionen und in emotionale Zustände hinein. Es hat etwas Extrovertiertes, weil man Gefühl zeigen
muss, und gleichzeitig etwas sehr Introvertiertes, weil man in sich hineingeht, um diese Emotionen zu suchen. Ich gehe sozusagen auf eine Reise. Im Vorfeld muss ich mir alles erarbeiten, quasi die Reisevorbereitungen treffen. Also die Texte lernen, die Emotionen proben, Recherche betreiben. Und dann geht die Reise los, dann stehe ich entweder auf der Bühne oder vor dem Publikum. Dann sieht man, wie gut die Vorbereitung war, ob alles funktioniert oder doch etwas kniffelig wird. Und diese Reise ist einfach toll!
abi>>: Steckte schon immer eine Schauspielerin in Ihnen?
Anneke Kim Sarnau: Ich habe tatsächlich schon als Kind gerne geschauspielert und herumgekaspert. Ich bin gerne in andere Rollen geschlüpft. In der Schule war ich dann natürlich auch in der Theatergruppe. Es hat mir Spaß gemacht, auf der Bühne zu stehen.
abi>>: Sie haben dennoch erst einmal Philosophie und Englisch studiert. Warum?
Anneke Kim Sarnau: Ja, das war der Wunsch meiner Eltern. Ich habe mich an der gleichen Uni eingeschrieben wie meine Schwester. Aber schon im ersten Semester merkte ich, dass das nicht das Richtige ist, sondern, dass ich schauspielern will. Ich habe einen regelrechten inneren Widerstand gespürt. Die Schauspielerei hatte ich auch nicht ganz aufgegeben. Mein ehemaliger Theatergruppenleiter aus der Schule war weiterhin mein Coach. Er hat an mein Talent geglaubt und mir geraten, mich an Schauspielschulen zu bewerben. Ich habe also mit ihm Monologe geübt und an verschiedenen Schulen vorgesprochen – und einfach Glück gehabt. Und dann an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart meine Ausbildung begonnen.
abi>>: Sie haben dann ein festes Engagement am Wiener Burgtheater bekommen. Wollten Sie gezielt ans Theater oder hat sich das so ergeben?
Anneke Kim Sarnau: Ich wollte unbedingt ans Theater. Ich hatte ja bereits Theatererfahrung und die Reaktion des Publikums direkt zu erleben, hat mir viel Freude bereitet. Ans Burgtheater zu kommen, war großes Glück. Allerdings hatte ich einen etwas verklärten Blick auf diesen Job. Der ist teilweise sehr hart und trocken. Man steht den ganzen Tag in diesem dunklen Vorstellungsraum, probt Szenen und Texte oder muss warten, bis man selbst dran ist. Dann geht man nach Hause, schläft etwas, geht zurück ins Theater zur Vorstellung und am nächsten Tag geht es weiter. Dass man so wenig Freizeit hat, damit hatte ich nicht gerechnet.
abi>>: Das heißt, Sie haben sich dann doch gegen das Theater entschieden?
Anneke Kim Sarnau: Ich hatte einen schwierigen Start, würde ich sagen. Ich habe auf der Bühne vermehrt die Erfahrung gemacht, dass ich mit dem Regisseur nicht auf einer Wellenlänge bin, dass er mir nicht hilft, in die nötigen Gefühlszustände zu kommen. Sondern, dass er sehr auf das Bild bedacht ist und es ihm wichtiger ist, dass ich beispielsweise zu einem bestimmten Stuhl gehe. Das ist dann sehr kniffelig, weil ich meinen eigenen Impulsen nicht nachgehen kann. Aber mit dem Regisseur Jürgen Gosch hingegen habe ich zum Beispiel erlebt, wie toll es sein kann. Wenn man sich verliert, dass man alle Formen über den Haufen wirft und alles einfach passieren lässt. Dass man quasi einen Pfropfen ziehen kann und dann sprudelt alles heraus. Trotzdem waren meine Erfahrungen und Eindrücke von der Theaterbühne insgesamt nicht so positiv.
Lebenslauf
Anneke Kim Sarnau wurde am 25. Februar 1975 in Elmshorn geboren und wuchs in Klein-Offenseth-Sparriershoop im Kreis Pinneberg auf. Nach dem Abitur studierte sie ein Semester Philosophie und Englisch in Kiel und wechselte dann an die Schauspielschule in Stuttgart. Ihre Karriere begann sie am Burgtheater in Wien. Seit dem Jahr 2000 ist Anneke Kim Sarnau vor allem in Film- und Fernsehsendungen wie „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, „Polizeiruf 110“ oder „Ken Follets Eisfieber“ zu sehen. Für ihre Arbeit wurde sie unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem Deutschen und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.





