Die Sinne schärfen
Schokoladenwerkstatt, Brotbackstation und Klangwerkstatt: Jannes Brostean-Kaiser (19) jobbt seit Mai auf dem Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne in Nürnberg.
Spielend Geld verdienen und dabei noch Schokolade herstellen. Jannes Brostean-Kaiser hat auf dem Nürnberger Erfahrungsfeld der Sinne seinen Traumjonb gefunden.
Foto: Willmy CC
Im Mai hat Jannes Brostean-Kaiser (19) aus Nürnberg Abitur gemacht. Am 1. September beginnt er ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus, „um etwas Sinnvolles zu tun und mir Zeit zu nehmen, den passenden Studiengang zu finden“, erklärt der 19-Jährige. Aber was tun, um die Zeit zwischen Abi und FSJ zu überbrücken? „Ich wollte bis dahin mein eigenes Geld verdienen und nicht die ganze Zeit zu Hause rumhängen“, erzählt er, „also hab ich mir einen Job gesucht.“ Seine Schwester arbeitete schon beim „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“, ein Angebot des Amtes für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg. „Die haben zu dem Zeitpunkt gerade Leute gesucht und mich sofort genommen.“ Seit 1. Mai ist Jannes dort nun angestellt und verdient zehn Euro pro Stunde.
Verschiedene Stationen betreuen
Was er dafür tun muss? An verschiedenen Stationen Kinder und Jugendliche betreuen, mit ihnen Brot backen oder ihnen etwas über Flaschenzüge, Kaleidoskope oder die Natur beibringen. Die Arbeitszeiten sind flexibel: Das Erfahrungsfeld der Sinne hat wochentags von neun bis 18 Uhr geöffnet. Jannes kann jeden Tag bis zu acht Stunden arbeiten, hat aber auch „ruhige“ Tage, an denen er nur fünf Stunden im Einsatz ist. „Ich finde es auch gut, dass wir die Stationen immer mal wieder durchwechseln und man auch mit Kollegen tauschen kann.“
Die Eingewöhnungszeit fiel ihm leicht: „Alle dort sind sehr entspannt und die Arbeitszeiten, mit Beginn um 8.30 Uhr auch nicht gerade hart. Morgens, wenn alle da sind, trinken wir erst mal gemeinsam Kaffee, dann geht jeder an seine Station und wartet auf die ersten Besucher.“ Meist kommen Gruppen von jungen Schülern zum Erfahrungsfeld, die an den 17 Stationen mit all ihren Sinnen gefordert werden. „Wir haben beispielsweise einen liegenden Flaschenzug, an dem die Kinder herausfinden können, wie sich die Anzahl der Rollen auf den Kraftaufwand auswirkt.“ Außerdem gibt es dieses Jahr auf dem Erfahrungsfeld eine interaktive Bienenausstellung, bei der die Besucher sich wie in einer Wabe fühlen, einen 60 Zentimeter hohen Basalt, der als Klangstein fungiert und ein Hand-Kugellabyrinth, bei dem eine Kugel durch geschickte Handbewegungen von bis zu acht Akteuren gleichzeitig durch einen verschlungenen Weg geleitet werden muss.
Keine Lieblingsstation
Fragt man ihn nach seiner Lieblingsstation, muss Jannes lange nachdenken: „Ich mag eigentlich alle Stationen gern. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich aber die Schokoladenwerkstatt nehmen.“ Verständlich, immerhin darf Jannes die selbstgemachte Schokolade, die er zusammen mit den Kindern aus gerösteten und gemahlenen Kakaobohnen sowie Zucker herstellt, auch selbst aufessen. „Beim Klangraum reizt mich vor allem der Standort im alten Luftschutzbunker. Außerdem gibt es dort unheimlich viele Instrumente aus aller Welt, die ich mit der jeweiligen Gruppe ausprobieren kann.“ An manchen Stationen muss Jannes aber auch viel erzählen: „Ein Vortrag über Kinderarbeit beim Pflücken der Kakaobohnen oder darüber, wie wichtig es ist, auf ‚Fair-Trade‘-Produkte zu achten, kann dann schon mal bis zu einer halben Stunde dauern.“ Aber das stört ihn keineswegs – im Gegenteil: „Es ist ein schönes Gefühl mit Kindern zu arbeiten, gerade wenn man merkt, dass sie das gerade Erzählte verstanden haben.“





