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Reportage EFD

"Jeder sollte einen Freiwilligendienst machen!"

Mittlerweile studiert er Medizin: Erste Erfahrungen in diesem Berufsfeld hat Jan Greinacher (20) aus Greifswald während eines Europäischen Freiwilligendienstes an einer Universitätsklinik in Antalya gesammelt.

Jan Greinacher nutzte vor allem verlängerte Wochenenden zum Reisen.

Foto: Privat

Während der Schulzeit hatte es mit einem Auslandsaufenthalt nicht geklappt. Bevor Jan Greinacher sich für einen Studienplatz in Medizin bewarb, wollte er das nachholen: „Ich wollte Erfahrungen sammeln, die mir im Leben und vielleicht auch im Studium weiterhelfen.“ Angesprochen hatte ihn der Europäische Freiwilligendienst (EFD). Die Idee: Er geht für maximal zwölf Monate ins Ausland und arbeitet in einem gemeinnützigen Projekt. Reisekosten, Taschengeld, Versicherung und ein Sprachkurs werden finanziert. Dass er sich für ein Krankenhaus entschieden hat, war freiwillig. Ein Pflichtpraktikum wird an der Uni Greifswald nicht verlangt.

Für den EFD musste er eine Entsendeorganisation in Deutschland finden. Jan Greinacher hat seine Organisation, das Europäische Integrationszentrum Rostock e.V. einfach gegoogelt: „Ich musste einen Lebenslauf und einen Motivationsbrief einreichen, dann wurden mir Projektvorschläge zugeschickt.“ Er entschied sich für die Betreuung von Kindern in der Kinderhämatologie/Onkologie des Universitätsklinikums in Antalya in der Türkei. „Mir war klar, dass die Arbeit mit krebskranken Kinder belastend sein kann, aber der medizinische Hintergrund des Projektes war mir mit Blick auf mein Studium wichtig“, erklärt er. Den Platz bekam er problemlos, was nicht selbstverständlich ist. „Freiwillige, die ihren Dienst in Ländern mit großem Andrang leisten wollen, durchlaufen zum Teil sogar Auswahlgespräche“, weiß der 20-Jährige.

Zuhören und basteln

Da er noch keine medizinische Ausbildung hatte, lag seine Hauptaufgabe in der Betreuung der zumeist drei bis neun Jahre alten Kinder. „Die meisten können das Krankenhaus über einen langen Zeitraum nicht verlassen. Sie sind einfach froh, wenn jemand mit ihnen Zeit verbringt und sie zu den Untersuchungen begleitet.“ Acht Monate lang hat er mit den Kindern gespielt, gebastelt und gemalt. Heraus kamen ein Papieraquarium, Fallschirmspringer aus Streichholzschachteln und Masken zum Aufsetzen. „Beim Uno-Spielen hatten wie durch ein Wunder immer die Kinder die Joker. Wenn sie zu erschöpft waren, haben wir gemalt oder uns einfach unterhalten, soweit es mit meinen Türkischkenntnissen ging. Einfach Dasein und Zuzuhören ist aber wichtiger als das genaue Verstehen!“ Nach ein paar Wochen hatte er guten Kontakt zu den Ärzten aufgebaut und durfte an Visiten teilnehmen und sogar bei ein paar OPs anwesend sein. Gerade diese Einblicke bestätigten den jetzigen Medizinstudenten in seinem Studienwunsch.

Sprachbarrieren überwinden

Seine Wohnung in Antalya lag etwa 30 Gehminuten von der Klinik entfernt. Dort wohnten elf weitere Freiwillige, die ebenfalls in der Klinik arbeiteten. Zu jedem EFD gehören vier Seminare: „Das erste findet im Heimatland statt, zwei im Gastland und eines zur Nachbereitung wieder im Heimatland“, erklärt Jan Greinacher. Der Sprachkurs, den er in Antalya besuchte, hat ihm leider nicht sehr geholfen. „Wenn man die Sprache nicht kann, fühlt man sich am Anfang wie ein Außenseiter. Aber ich habe während der Arbeit ganz viel gelernt! Nach acht Monaten reichte mein Türkisch, um problemlos im Land über die Runden zu kommen. Türkisch ist eine Sprache mit sehr vielen Gesten. Man glaubt nicht, wie viel man damit ausdrücken kann!“ Da ihm pro Monat zwei Urlaubstage zustanden, nutzte er verlängerte Wochenenden zum Reisen, etwa nach Ani, eine alte armenische Hauptstadt im Nord-Osten. „Alles in allem konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln, die ich jedem wünschen würde.“

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