Eine sichere Sache
Mirjam Kopp (26) hat ihre Magisterarbeit über "die Polizeimissionen der Europäischen Union" geschrieben, jetzt absolviert sie ein fünfmonatiges Praktikum beim Rat der Europäischen Union.
Vom Hörsaal zur EU
Foto: WillmyCC
Wo? Natürlich in der Ratsformation Justiz und Inneres, Abteilung Polizei- und Zollzusammenarbeit. Klingt nach trockener Materie. „Das könnte man meinen“, sagt Mirjam Kopp, „aber sie hat spannende Aspekte und Handlungsfelder.“ Zudem gehören Polizei- und Zollzusammenarbeit zu dem weiten Aufgabenbereich von „Justiz und Inneres“, der unter anderem auch Europol und Frontex – die Agentur, die den Schutz der europäischen Außengrenzen koordiniert –, oder die Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht und die Agentur für Grundrechte umfasst. „Die richtige Stelle, ich hatte wirklich Glück“, sagt Mirjam Kopp.
Im September 2010 hatte die junge Frau aus dem oberbayrischen Weilheim, die Politikwissenschaft, Wirtschaft und Islamwissenschaft studiert hat, in Erlangen ihren Magister gemacht. „Dann habe ich versucht, einen Job zu finden.“ Vergebens. Um ein Praktikum beim Rat der Europäischen Union hatte sie sich da schon beworben: Online über ein Formblatt, versehen mit Motivationsschreiben und dem Nachweis über den Studienabschluss. Und zwar, anders als bei den festen Stellen, nicht über Epso, sondern direkt beim Rat der Europäischen Union. Bewerbungsschluss für ein Praktikum bei der EU ist in der Regel sechs bis neun Monate vor Praktikumsbeginn.
Die bezahlten Praktikumsplätze sind begehrt: 1.500 Bewerbungen jährlich stehen rund 95 Praktikanten gegenüber. Mirjam Kopp gehörte zu den Glücklichen. Zu Jahresbeginn 2011 musste es dann schnell gehen: Für die Nachrückerin lagen nur zwei Wochen – statt der üblichen zwei Monate – zwischen Zusage und Arbeitsbeginn.
Eine turbulente Zeit, aber mit etwas Glück hat Mirjam Kopp übers Internet ein schönes WG-Zimmer gefunden. Die 1.070 Euro, die Praktikanten aktuell verdienen, gestatten bei den teuren Brüsseler Mieten keine großen Sprünge. Aber sie reichen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.
Mitarbeiten statt zuschauen
Wer als Trainee zum Rat der Europäischen Union kommt, schaut nicht nur zu – er oder sie arbeitet mit. Mirjam Kopp unterstützt einen Administrator, nimmt an Meetings der Arbeitsgruppen teil und schreibt Protokolle. Außerdem wertet sie Umfragen aus, übernimmt Recherchearbeiten und kümmert sich um Verständnisfragen der Übersetzer.
Apropos Sprachen. „Englisch – und zwar verhandlungssicher – ist Voraussetzung und Französischkenntnisse sind sehr von Vorteil“, sagt Mirjam Kopp: „Damit überlebt man in Brüssel ganz gut.“ Kontakt hat sie in der fremden Stadt schnell geschlossen: Die rund 50 Frühjahrs-Praktikanten aus 21 Ländern treffen sich jeden Tag zum Mittagessen. Am Wochenende finden häufig Ausflüge statt. „Das ist eine der tollsten Erfahrungen“, berichtet Mirjam Kopp, „zu entdecken, was die anderen denken und anders oder genauso erleben wie ich. Man merkt schnell, dass es da oft keine großen Unterschiede gibt – egal ob Schweden, Spanier oder Rumänen.“
In der täglichen Arbeit kann sie oft auf Studien-Wissen zurückgreifen. „Den Inhalt von verschiedenen Meetings könnte ich sonst gar nicht verstehen.“ Zum Beispiel wenn es um den Vertrag von Prüm geht, der den Austausch von straftat-relevanten Daten regelt – und dem bisher zehn der 27 EU-Mitgliedsstaaten beigetreten sind. An den Beratungen des Ministerrats darf die Praktikantin nicht direkt teilnehmen, allerdings hat sie ihn schon über Videokonferenzen verfolgt. Und das eindrucksvollste Erlebnis? „Ich war anwesend, als COSI getagt hat, der Ständige Ausschuss für operative Zusammenarbeit im Bereich Innere Sicherheit.“
Im Juni endet ihr Praktikum. Wie es dann weitergeht, weiß Mirjam Kopp noch nicht. Gerne würde sie im Bereich „Sicherheit“ weiter arbeiten. Aber das ist nicht immer einfach. „Man muss bei fast allen Stellen bereits langjährige Erfahrung mitbringen. Das Praktikum ist aber schon einmal ein guter Anfang“, sagt sie.





