Erdbeben und Kiwis
Mit einer Stärke von 7,1 erschütterte am 4. September 2010 ein Erdbeben den Süden Neuseelands. Tiefe Risse ziehen sich seitdem durch die Straßen Christchurchs. Dort lebt und lernt derzeit Robert Müller (19) im Rahmen einer Sprachreise.
Robert Müller: "Ich genieße jede Sekunde."
Foto: Privat
Die ersten drei Monate hatte der Abiturient bei einer Gastfamilie in Auckland im Norden des Landes verbracht, wo er auch zu Sprachkursen ging – so blieb er vom eigentlichen Erdbeben verschont. Freunde erzählten ihm aber, die Südinsel sei noch schöner und interessanter, und so wechselte er nach drei Monaten Schule und Gastfamilie, um in Christchurch weiterzumachen. Seit dem 11. September ist er nun im Erdbebengebiet. Ein wenig mulmig war ihm am Anfang natürlich schon, aber: „Nach einer Woche dauerhafter Nachbeben, ob in der Nacht oder am Tag, gewöhnt man sich daran.“
24 Stunden Englisch
Der Sprachschüler ist also mittlerweile mehr als nur begeistert. Ob es nun der Lifestyle, die Landschaft oder die Freizeitmöglichkeiten sind, Robert Müller findet Neuseeland fantastisch. Auch von den Kiwis selbst (so nennen sich die Neuseeländer) ist er fasziniert: „Alle hier sind freundlich und kümmern sich um einen. Ob es jetzt die Gastfamilie ist oder Leute auf der Straße.“ So kommt man natürlich einfach ins Gespräch. Und wer viel redet, lernt auch viel. Robert Müllers Englischkenntnisse haben sich jetzt schon deutlich verbessert, dabei hat er noch nicht einmal die Hälfte seines Aufenthalts hinter sich. „Die ersten Tage waren zwar etwas kompliziert, aber wenn man 24 Stunden am Tag Englisch hört und spricht, wird es schnell zu Gewohnheit.“
Vom Unterricht ist Robert Müller begeistert, auch wenn er dafür früh aufstehen muss. Um 8:30 Uhr beginnt sein Unterricht in einer festen Gruppe – so hat er auch schon viele Freundschaften schließen können. Am Nachmittag lernt er entweder in der Bibliothek und macht Hausaufgaben, nimmt an Nachmittagausflügen zu Unternehmen teil oder betreibt Sport. Abends und am Wochenende unternimmt er viel mit den Freunden aus der Sprachschule, geht in Pubs oder ins Kino. Freizeitmöglichkeiten sind recht günstig und vielfältig. Die Schule selber bietet zum Beispiel Ausflüge ins ganze Land an, die gebucht werden können. Abenteuerlustigere können Neuseeland aber auch auf eigene Faust mit Rucksack besichtigen oder sich ein Auto mieten. Die Nordinsel erkundete Robert Müller mit dem Fahrrad, auf einem Boot und sogar mit Skiern.
Englisch – die Weltsprache
„Englisch braucht man heutzutage überall, ob im Studium oder in einem Unternehmen. Es ist absolut von Vorteil, wenn man die Sprache perfekt beherrscht“, findet Robert Müller. Das und der Reiz Neuseelands hatten ihn dazu bewegt, die Sprachreise zu machen. Der 19-Jährige ist nicht nur zwei Wochen oder ein paar Monate, sondern ein ganzes Jahr mit den Euro-Sprachreisen in Neuseeland.
Am Anfang seiner Reise wurde ein Einstellungstest gemacht, der ihn bereits in ein recht hohes Niveau einstufte. Die Kurse, die er im Laufe der Zeit macht und bereits gemacht hat, konnte er sich selbst aussuchen. So gibt es etwa einen Kurs für zukünftige Lehrer oder einen Business-Englisch-Kurs. Den wird er ab Anfang nächsten Jahres belegen. Dabei wird er Telefonate, Meetings oder Präsentationen üben, also alles, was man im internationalen Geschäftsbereich so braucht. Das wird er dann bei einem abschließenden unbezahlten Praktikum in den letzten drei Monaten in einem Unternehmen in Christchurch vertiefen und anwenden. Bei welchem Betrieb oder in welcher Branche das sein wird, das weiß er noch nicht. Das Praktikum wird von seiner Schule vermittelt und ist Teil seiner Sprachreise.
Mit 12.000 Euro ist die Sprachreise nicht billig. Dafür bekommt der Abiturient aber auch ein Jahr lang Unterricht, Verpflegung bei der Gastfamilie und kann weltweit anerkannte Kurse besuchen und Zertifikate absolvieren. Außerdem half die Sprachschule dabei, das erforderliche Visum zu bekommen. „Meine Eltern haben mir diese Sprachreise ermöglicht. Das ist das Beste, was mir passieren konnte“, erzählt Robert Müller. Von ihnen bekommt er auch etwas Taschengeld zugesteckt.
„Ich genieße jede Sekunde.“ Auch mit Nachbeben. Was er danach machen will, weiß er allerdings noch nicht. Einige Ideen hat er aber schon: Er schwankt zwischen einem Studium der Betriebswirtschaftslehre und einer Ausbildung zum Immobilienkaufmann.




