Studieren im Doppelpack
Einen Teil des Studiums im Ausland absolvieren und zum Bachelor an der eigenen Hochschule den Abschluss einer ausländischen Partnerhochschule erwerben: Studiengänge mit Doppelbachelor machen's möglich.
Ein Studiengang, zwei Abschlüsse: es gibt bereits einige Studiengänge, die mit einem Doppelbachelor abschließen, zum Beispiel den deutsch-chinesischen Studiengang Druck- und Medientechnologie der Hochschule für Medien in Stuttgart.
Foto: mochitos
Andreas Hatzelmann hat die Chance genutzt: Der gelernte Konstruktionsmechaniker studiert an der Hochschule für Medien in Stuttgart den Deutsch-Chinesischen Studiengang Druck- und Medientechnologie. „Ich habe eine große Vorliebe für Asien und wollte gern Chinesisch lernen“, erzählt der 29- Jährige, der im Studium die chinesische Sprache von Grund auf gelernt hat. „Wenn man sich auf dem Arbeitsmarkt gut positionieren möchte, braucht man eine Spezialisierung“, begründet er seine Entscheidung für das Studium. Sein drittes Studienjahr hat er komplett im Reich der Mitte verbracht: Im fünften Semester absolvierte er im Gastland ein Betriebspraktikum in einer Druckerei, im sechsten setzte er das Drucktechnologie-Studium an der Technischen Universität in Xi’an fort. Zurück in Deutschland, schreibt er derzeit im siebten und letzten Semester an seiner Bachelor-Thesis, zu der er auch eine Zusammenfassung in chinesischer Sprache verfasst. „Mein Ziel ist es, für ein Unternehmen zu arbeiten, das intensive Kontakte zu China hat“, sagt er.
Der Aufbau des Studiengangs ist typisch. Peter Zervakis von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) erklärt: „Als Doppelbachelor bezeichnet man in der Regel internationale Studiengänge, die gemeinsam von Hochschulen im In- und Ausland ausgerichtet werden und einen Doppelabschluss vorsehen.“ Es gibt zwei Arten von Doppelabschlüssen, die auf der Ebene von Bachelorgraden verliehen werden: „Bei einem so genannten Doppeldiplom gibt es zwei Urkunden, die inhaltlich miteinander verzahnt sind: eine von der Heimat- und eine von der Partnerhochschule. Bei einem gemeinsamen Abschluss stellen beide Hochschulen gemeinsam eine Urkunde aus.“
Die Studienaufenthalte an beiden Einrichtungen sind in der Regel von vergleichbarer Länge, üblicherweise zwei bis drei Semester, und die Teilnehmerzahlen normalerweise stark begrenzt. „Durch gemeinsame Studien- und Prüfungsordnungen wird sichergestellt, dass alle Studienabschnitte und Examina, die an der Partnerhochschule erbracht werden, von der Heimathochschule problemlos anerkannt werden“, sagt er. Die Studieninhalte sind nicht nur zwischen den Hochschulen abgestimmt, die Teilnehmer werden auch sprachlich und fachlich vorbereitet, weiß Beate Ebbinghaus vom Team akademische Berufe der Arbeitsagentur Hamburg. „Zudem entfallen die im Ausland oft recht hohen Studiengebühren oder sind stark ermäßigt.“ Die Zugangsvoraussetzungen sind unterschiedlich. Für die integrierten Studienprogramme an der Uni Mainz sind beispielsweise ein Motivationsschreiben und ein Sprachtest erforderlich (siehe Porträt), um Business Studies/Anglophone Countries an der Fachhochschule Aachen studieren zu können, muss man einen Eignungstest absolvieren (siehe Porträt).
Bei all den Pluspunkten sollte man sich jedoch auch die hohen Anforderungen vor Augen führen: „Es ist eine Herausforderung, an Lehrveranstaltungen in einer Fremdsprache teilzunehmen, der Leistungsdruck ist höher“, erklärt Dr. Günter Pochmann, Leiter des binationalen Studiengangs Betriebswirtschaft des Deutsch-französischen Hochschulinstituts an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Zudem sollten sich die Studierenden darüber im Klaren sein, dass sie öfter den Wohnort wechseln und auch sonst mehr organisieren müssten.
Breit gefächerte Möglichkeiten
Der Hochschulkompass verzeichnet 183 Studienangebote an deutschen Universitäten und Fachhochschulen, die die Möglichkeit für einen Doppelbachelor bieten (Stand: Juli 2010). Das Fächerspektrum ist breit: Stark vertreten sind etwa ingenieurwissenschaftliche Fächer wie Bauingenieurwesen, Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen, die Studiengänge Betriebswirtschaftslehre oder International Business, aber auch sprach- und kulturwissenschaftliche Studienangebote. Insgesamt wurden laut HRK im Sommersemester 2010 2,2 Prozent aller Studiengänge als internationale Doppelabschlüsse (inklusive Master und anderer) angeboten.
Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) in Saarbrücken ist einer der größten Anbieter an binationalen und trinationalen Studiengängen zwischen derzeit 180 deutschen und französischen Partnerhochschulen. „Eines unserer wichtigsten Ziele ist die Förderung, Vereinfachung und Finanzierung der Mobilität von Studierenden. Momentan bietet die DFH 144 Studiengänge mit einem Doppelabschluss, also Bachelor und andere Abschlüsse. Der Studienaufenthalt an der Partnerhochschule beträgt in der Regel mindestens drei Semester“, sagt Elsa-Claire Elisée, Pressesprecherin der DFH. Bei der Bewerbung wendet man sich zunächst direkt an die Hochschule im Inland und meldet sich rechtzeitig vor dem Auslandsaufenthalt auch online bei der DFH an. Für die Studienzeit im Ausland erhalten die Studierenden eine monatliche Mobilitätsbeihilfe in Höhe von 270 Euro. Aktuell sind etwa 4.800 Studierende unter dem Dach der DFH eingeschrieben.
Förderung durch den DAAD
Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert Studierende in Doppelbachelor-Studiengängen, zum Beispiel über das Programm „Integrierte internationale Studiengänge mit Doppelabschluss“. Im Hochschuljahr 2010/11 wird der DAAD auf diese Weise 38 Doppelbachelor-Programme fördern. Die Teilnehmer entsprechender Studiengänge erhalten dann ein Teilstipendium. „Die Höhe der Stipendien unterscheidet sich von Land zu Land“, erklärt Nicole Berners, Referatsleiterin beim DAAD. Für den Studienaufenthalt in Großbritannien beträgt die reguläre Teilstipendienrate des DAAD derzeit 250 Euro, für die USA beispielsweise 350 Euro. Hinzu kommt jeweils eine Reisekostenpauschale. „Teilnehmer an Doppelbachelor-Programmen, die nicht vom DAAD gefördert werden, können sich für das Auslandsjahr auch um ein DAAD-Jahresstipendium bewerben oder sich beispielsweise im Rahmen von Erasmus fördern lassen“, sagt Nicole Berners.
Und wie steht es mit den Karriereaussichten von Absolventen mit einem Doppelbachelor? „Auch wenn uns keine konkreten Zahlen und Daten zu den Arbeitsmarktchancen von Absolventen mit einem Doppelbachelor vorliegen, ist feststellbar, dass die Arbeitswelt für Hochqualifizierte generell internationaler wird. Ein doppelter Abschluss ist daher auf jeden Fall von Vorteil“, weiß Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit.




