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Studienkredite

Alle Möglichkeiten prüfen

Miete, Essen, Bücher, Kino: Das Leben kostet, besonders als Student, wenn man für seine eigentliche Arbeit, das Studieren, kein Gehalt erhält. Es gibt aber viele verschiedene Geldquellen, die man anzapfen kann: Familie, BAföG, Stipendien, Nebenjobs. Wer dennoch ein Loch in der Kasse hat, kann auch über einen Studienkredit nachdenken.

Auf einem Haufen mit Geldscheinen und Münzen ist das Wort Kredit mit Scrabbel Buchstaben gelegt.

Ein Studienkredit sollte immer der letzte Ausweg sein, um sich das Studium zu finanzieren.

Foto: WillmyCC

Ums Geld hatte sich Student Markus Meiner (Name geändert) vorher nicht so viele Sorgen machen müssen. Seine Eltern zahlten ihm monatlich den Unterhalt für das Studium. Doch dann gab es finanzielle Probleme und Markus Meiner musste sich im zweiten Semester überlegen, woher er zumindest eine teilweise Unterstützung bekommen konnte. Ein Studienkredit schien eine gute Möglichkeit zu sein, die Lücke von monatlich 200 Euro zu schließen. Der BWL-Student stand kurz davor, den Kredit aufzunehmen, entschied sich dann aber um – er jobbt jetzt neben dem Studium.

Steigende Zahl

Tatsächlich sind Studienkredite auch bei uns keine Seltenheit mehr. Schließlich kann das Geld im Studium immer mal wieder knapp werden, müssen doch ein Zimmer, Semesterbeiträge, Lebensmittel, Bücher und andere Dinge bezahlt werden. Häufig übernehmen Eltern diese Kosten, aber das klappt nicht immer. Dann müssen Alternativen her. Oft kann das BAföG helfen, doch seit einigen Jahren steigt auch die Zahl der Studierenden, die einen Kredit aufnehmen. Derzeit sind es rund 100.000 – etwa doppelt so viele wie vor vier Jahren, wie Kerstin Backofen, Redakteurin der Zeitschrift „Finanztest“, sagt.

Foto von Kerstin Backofen.

Kerstin Backofen

Foto: Privat

Dafür gibt es mehrere Gründe. „Durch die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge hat sich das Studium sehr verdichtet, so dass Studierende weniger Zeit zum jobben haben“, erklärt Kerstin Backofen, die auch am aktuellen Studienkredit-Test der Stiftung Warentest beteiligt war. Hinzu käme, dass die Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahren gestiegen seien. Außerdem gibt es in einigen Bundesländern Studiengebühren, die eine weitere finanzielle Belastung sein können. „Die Länder durften per Gesetz zwar Studiengebühren verlangen, mussten aber eine Finanzierungsmöglichkeit anbieten“, sagt Kerstin Backofen. So entstanden die Studiengebührenkredite oder Studienbeitragsdarlehen. Sie sind nur zur Zahlung der Studiengebühren bestimmt und werden deswegen auch nur in den Ländern angeboten, die Studiengebühren erheben.

Großes Angebot

Foto von Ulrich Müller.

Ulrich Müller

Foto: Ausserhofer

In den vergangenen Jahren haben verschiedene Banken und Sparkassen Kredite aufgelegt, die auch für die Finanzierung der gesamten Studienzeit beantragt werden können. Ulrich Müller, Projektleiter beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) erläutert die Unterschiede: „Grundsätzlich können mehrere Arten von Krediten für Studierende unterschieden werden.“ Da sind zum einen die Studienkredite. „Sie werden von kleineren und größeren Banken bundesweit vergeben und sollen vor allem bei der Deckung der Lebenshaltungskosten helfen.“ Die Kreditsumme wird allerdings nicht wie bei Verbraucherkrediten in einer Summe ausgezahlt. Stattdessen erhalten Studierende für einen bestimmten Zeitraum jeden Monat einen bestimmten Betrag. Die Kredite lassen sich in drei Phasen einteilen: In der Auszahlphase bekommt der Studierende Geld. Danach folgt eine etwa ein- bis zweijährige Ruhephase, in der nichts geschieht. In der Rückzahlungsphase zahlt der Studierende dann den Kredit ratenweise zurück.

Abschluss- und Zwischenfinanzierungsdarlehen sind die weitere Möglichkeit. „Abschlussdarlehen sollen in der Endphase des Studiums helfen und werden daher zeitlich begrenzt angeboten“, sagt Experte Müller.

Die sogenannten Überbrückungsdarlehen der Studentenwerke sind für in Not geratene Studenten gedacht – neben der Rückzahlung muss lediglich eine Bearbeitungspauschale entrichtet werden; Zinsen fallen nicht an. Bildungsfonds stellen eine weitere Finanzierungsvariante dar; dabei handelt es sich um spezielle Fonds, in die Investoren einzahlen. „Studierende, die die Förderung durch einen Bildungsfonds in Anspruch nehmen, zahlen das Geld nicht zu bestimmten Zinssätzen zurück“, weiß Ulrich Müller, „sondern verpflichten sich, nach dem Berufseinstieg einen bestimmten Anteil ihres Einkommens für eine gewisse Anzahl von Jahren abzutreten.“

KfW bietet zwei Kreditarten an

Foto von Eske Ennen.

Eske Ennen

Foto: Klewar

Einer der größeren Anbieter für klassische Studienkredite ist die KfW Bankengruppe, die Bank des Bundes und der Länder. Bei ihr gibt es einen Bildungskredit, der für die Finanzierung eines Aufbaustudiums, eines Praktikums oder auch die Prüfungsvorbereitung gedacht ist. Zur Finanzierung der Lebenshaltungskosten während des Studiums bietet die KfW den Studienkredit an. „Er wird unabhängig vom BAföG vergeben, auch das Vermögen der Eltern und des Ehepartners spielen keine Rolle“, erklärt Sprecherin Eske Ennen. „Den Studienkredit kann man zehn bis 14 Semester lang in Anspruch nehmen – mit monatlichen Beiträgen von 100 bis zu 650 Euro.“ Voraussetzung: Man ist volljährig und war zu Studienbeginn höchstens 30 Jahre alt.

„Der Antrag wird im Internet ausgefüllt“, sagt Eske Ennen. Dann geht man unter anderem mit dem ausgedruckten Antrag, einer gültigen Studienbescheinigung, einem Ausweis und dem Nachweis über ein eigenes Girokonto zu einem KfW-Vertriebspartner, zum Beispiel einer Bank. Dort werden die Angaben und die Identität des Antragsstellers überprüft, der Online-Antrag freigeschaltet und die Unterlagen an die KfW weitergeleitet. Wird der Kredit bewilligt, kann er bei der KfW übrigens von den Studierenden geändert werden: „Wer merkt, dass er oder sie mehr oder weniger Geld pro Monat benötigt, kann die Auszahlungssumme zweimal im Jahr zum Semesterstart ändern.“

Experte Müller steht den Krediten grundsätzlich positiv, jedoch nicht unkritisch gegenüber. „Man kann damit theoretisch sehr viele Schulden anhäufen, da muss man vorsichtig sein.“ Er rät, zunächst alle Finanzierungswege ohne oder mit geringerer Rückzahlungsverpflichtung auszuschöpfen – wie BAföG, Stipendien oder Nebenjob – und einen Kredit nur bei Bedarf als Ergänzung zu anderen Finanzierungsbausteinen aufzunehmen. „Nur wenn es nicht anders geht, sollte der Kredit eine Alternative sein.“

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