Studium und Meer
Wer Rostock als Studienziel anpeilt, weiß warum: Ein reichhaltiges Fächerspektrum, eine gute studentische Szene und maritimes Flair paaren sich mit moderaten Kosten zum Leben. Urlaub? Beginnt gleich vor der Tür.
Rostock hat viel zu bieten: Hanse, Hafen, Hightech - und einen historischen Stadtkern.
Foto: TZ / Irma Schmidt
„Ich hab mein Herz ziemlich schnell an Rostock verloren.“ Neu, fremd, auf diesen Nenner brachte Roman Bürgel *, 23, noch vor gut zwei Jahren sein erstes Erlebnis mit Mecklenburg-Vorpommern. „Mit Freunden verbrachte ich meinen Urlaub in Rostock, Warnemünde und auf Rügen“, sagt der gebürtige Westfale. „Ich hatte nicht erwartet, dass es so cool wird.“ Trotzdem fiel es ihm schwer, sich für „HRO“ zu entscheiden, wie er die Hansestadt Rostock heute scherzend nennt. „Ich sah mir dann meinen Fachbereich an der Uni näher an – Sache klar.“ Roman Bürgel studiert Medizin und wollte „an keine der üblichen Unis“. Dank seines guten Abiturs rechnete er sich gute Chancen aus, den Wunschplatz in Rostock zu erhalten. Heute zeigt er seinen Kumpels auch mal die studentischen Seiten der Stadt. „Die sind angetan.“
Kein Wunder, denn das Studienangebot ist reichhaltig: Von Agrarwissenschaften über Musik und Theologie bis hin zu Verfahrens- und Umwelttechnik – die Hochschulen in Rostock bieten für jeden Geschmack etwas. Mit der Universität Rostock und der Hochschule für Musik und Theater Rostock stehen Studieninteressierten zwei Hochschulen zur Wahl. Doch nicht nur studieren kann man hier.
Nordischer Charme
Die größte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns ist eine alte Stadt, die – heute praktisch durchsaniert – einiges in petto hat: nordischen Charme, raues Seeflair und die älteste Universität des Ostseeraums. Tradition zeigt die rund 202.000 Einwohner zählende Hansestadt schon von weitem: zum Beispiel mit der Nikolaikirche im östlichen Teil der Altstadt und der mächtigen Marienkirche am Rande des Neuen Marktes. Rostock ist vielfältig – und vor allem im Sommer mit den Segelregatten und dem Badevorort Warnemünde ein Magnet für Touristen.
Erstmals in Erscheinung trat die Stadt an der Ostsee 1161 als Zentrum dreier Siedlungen, die sich um 1265 zusammenschlossen. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde sie die bedeutendste Stadt im Ostseeraum, geprägt von Handel und Schifffahrt. Bis heute ist das so. „Hanse, Hafen, Hightech“ – auf diese
Formel bringt Rostocks Obrigkeit die Wirtschaftskraft der Region. „Wir sind gut vernetzt, gut gelegen und auf weiteres Wachstum ausgerichtet“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling. „Aus einer rein maritim geprägten Region hat sich in den letzten Jahren ein Produktions-, Dienstleistungs- und Innovationsstandort mit maritimem Rückgrat entwickelt.“
Werften und Zulieferer bilden damals wie heute das wirtschaftliche Rückgrat Rostocks, namhafte Reedereien wie AIDA Cruises oder Scandlines AG haben hier ihren Hauptsitz. Auch internationale Unternehmen wie Caterpillar, Liebherr oder Nordic Yards produzieren „direkt an der Kaikante“. „Kreuzfahrttourismus, Fährschifffahrt, Containerhandel – alle Bereiche sind weiter auf Wachstum eingestellt“, sagt der Oberbürgermeister. „Und im Passagierverkehr zwischen Skandinavien, Finnland, Russland, dem Baltikum und Deutschland ist Rostock seit Jahren die Nummer eins.“
Mittendrin in Rostock
Studierende fühlen sich in dem Klima wohl. Die meisten wissen, dass es lange anders war. „Hier tut sich was, aber dafür steigen auch die Mieten in der Innenstadt“, sagt Roman Bürgel. „Studierende wohnen halt am liebsten mittendrin, das spart Wege.“ Begehrt sei die Kröpeliner-Tor-Vorstadt, kurz KTV, in der er selbst gerade Quartier bezogen hat. Hohe Kaltmieten sind für viele Studis auch in Rostock ein Problem. „Günstiger wird es in den Plattenbauten und Wohnheimen des Studentenwerks“, sagt der Student. Und wie finanzieren?
„Das Angebot an Nebenjobs ist vielfältig“, sagt Sylke Martens-Zschieschang, stellvertretende Teamleiterin im Team Akademische Berufe der Rostocker Arbeitsagentur. Sie finden sich in Gastronomie, Handel, Promotion und im Dienstleistungssektor. „Jobs in Lager, Transport, Marktforschung sind üblich.“ Und saisonale Angebote: Sommerjobs auf dem Bau, im Winter etwa im Rahmen der „Weihnachtsmannaktion“. Dabei engagiert die Jobvermittlung jährlich circa 45 bis 50 Weihnachtsmänner für rund 650 Familien in Rostock und Umland, die am 24. Dezember ihre Geschenke direkt vom Weihnachtsmann überreicht bekommen wollen.
*Name von der Redaktion geändert
Der Hochschulstandort Rostock
Einwohner: Rund 202.000
Studierende: Rund 15.500
Hochschulen: Universität Rostock, Hochschule für Musik und Theater Rostock (htm)
Studiengebühren: Nein
Miete: Zwischen 90 und 440 Euro im Wohnheim (ca. 2.200 Plätze in vom Studentenwerk betriebenen Wohnheimen), eine 70-Quadratmeter-Wohnung in der Altstadt Rostocks kostet etwa 600 Euro kalt.





