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Aachen

Klein-Europa (nicht nur) für Ingenieure

Aachen verbinden viele mit Karl dem Großen und Printen. Doch Aachen ist mehr als das. Als westlichste deutsche Stadt grenzt sie an Belgien und die Niederlande. Internationalität, rheinländischer Frohsinn und Forschung machen Aachen interessant für Studierende.

Auf dem Foto ist ein Marktpanorama von Aachen zu sehen.

Im Dreiländereck Deutschland, Niederlande und Belgien gelegen: Aachen.

Foto: Andreas Herrmann

Fragt man Severin Pierer (22, Name geändert) nach dem Grund für seinen Ortswechsel nach dem Abi, erhält man eine Antwort, die man sich von jedem wünschen würde: „Zum Studium muss man weg!“ Als der gebürtige Karlsruher überlegte, wohin er ziehen möchte, hatte er folgende Kriterien: „Der Studienort sollte Karlsruhe in den Strukturen ähneln: von der Uni und der Stadt her.“ Aachen kannte er bis dahin nicht. „Nur die Reputation der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule“, sagt der heutige Student der Angewandten Geowissenschaften – und das Ansehen war so hoch, dass er nicht lange zögerte. Im Oktober 2006 zog er um. „Ich kam kurz vor Semesterbeginn – bei mildem Spätsommerwetter. Altbauten, Straßencafés, die Sonne: der Eindruck passte.“

Perle im Dreiländereck

Aachen macht es einem nicht schwer, sich einzugewöhnen. „Die Stadt überzeugt durch ihre Urbanität, ihre Überschaubarkeit, ihren europäischen Charakter und die hohe Lebensqualität sowie das Wechselspiel von Historie und Moderne“, bringt es Oberbürgermeister Marcel Philipp auf den Punkt.

Kulturell, wirtschaftlich und politisch ist man hier eng mit den Nachbarländern verbunden. Der genaue Punkt, an dem sich die Grenzen Belgiens, der Niederlande und Deutschlands treffen, liegt fünf Kilometer südwestlich auf dem 322 Meter hohen Vaalserberg.

Besucher konfrontiert Aachen gleich optisch mit Geschichte: Der Dom, einst erstes deutsches Bauwerk in der UNESCO-Liste bedeutender Kulturdenkmäler, und das gotische Rathaus der „City of Charlemagne“ prägen das Stadtbild. Und Brunnen: der Karlsbrunnen auf dem Marktplatz, der Elisenbrunnen und zahlreiche weitere. Zwischen Rathaus und Dom liegt der Katschhof – der schönste Platz Europas, meinen zumindest viele „Öcher“, wie schon die Ur-Aachener genannt wurden. Manchmal hört man noch das Öcher Platt. Wer das Flair des alten Aachens erspüren möchte, sollte durch die Körbergasse schlendern. Hier waltete früher das Korbflechterhandwerk – und tut es teilweise noch bis heute.

Stadt des Wassers

Die Region um Aachen (lateinisch „Aquae Grani“ für „Die Heilsquellen des Grannus“) wurde um 3000 v. Chr. besiedelt. Kelten und Römer siedelten an Aachens bis heute sprudelnden, bis zu 74 Grad heißen Quellen, denen eine große Heilkraft zugeschrieben wurde. Auch der Name der Stadt leitet sich vom altgermanischen Wort für Wasser ab: Ahha. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde es zu einem bedeutenden Badeort, der den bis heute dauernden Kurbetrieb begründete und Prominenz aus aller Welt anzog. Auch deshalb gelangte Aachen später unter Karl dem Großen zu Bekanntheit.

765 wurde es vom Frankenkönig Pippin dem Jüngeren erstmals urkundlich erwähnt. Pippins Sohn Karl wurde zum „Großen“, wählte den Aachener Hof zu seiner Residenz und baute sie zur Kaiserpfalz mit Marienkirche, dem heutigen Dom, aus. Hier wurden bis ins Jahr 1531 insgesamt 30 deutsche Könige gekrönt. In Aachen lässt es sich eben residieren. „Leben, Wohnen, Essen ist hier im Vergleich eher günstig“, sagt Wolfgang Loggen, Leiter der Zentralen Studienberatung an der RWTH Aachen.

Auch gibt es hier für Studis zahlreiche Jobs: Wer nicht gerade als wissenschaftliche Hilfskraft an der Uni arbeitet („eine der besten Möglichkeiten, weil man lernt und Geld verdient“, so Severin Pierer), kommt gut unter. „Jobs gibt es in der Gastronomie, als Werkstudent/in, in der Technischen Produktion, bei Informatikdienstleistern oder in der Lebensmittelbranche“, sagt Dr. Birgit van Meegen, Beraterin im Hochschulteam der Arbeitsagentur Aachen.

Bildung par excellence – und MP3s aus Jülich

Aachen ist auch eine Stadt des Wissens. „Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind der wichtigste Standortfaktor in Aachen“, sagt Oberbürgermeister Marcel Philipp. „Sie sind wichtige Arbeitgeber, ziehen viele Studenten und Arbeitskräfte an, versorgen Stadt und Region mit neuestem Wissen.“ Die Basis ist gelegt: „Das Markenzeichen Aachens als Studienstandort ist das breite Angebot an exzellenten Ingenieurstudiengängen“, so Dr. Birgit van Meegen. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen als Elite-Uni und die FH Aachen als eine der größten Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen bieten insgesamt rund 40 Bachelorstudiengänge allein in diesem Bereich – aber natürlich ebenso in anderen. Auch die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen und die Hochschule für Musik und Tanz Köln haben in Aachen einen Standort.

Wirtschaftlich ist die Region von Technologie bestimmt. „Einer der fünf Forschungsstandorte von Phillips, das Forschungszentrum von Ford, eine wachsende Biotechnologiebranche und immer mehr neu gegründete Technologieunternehmen prägen den Ort“, sagt Birgit van Meegen. Einige Kilometer weiter ist das renommierte Forschungszentrum Jülich, das mit RWTH und FH zusammenarbeitet. „Den Nobelpreis für Physik erhielt 2007 ein Wissenschaftler von dort, Peter Grünberg“, erzählt die Beraterin der Agentur für Arbeit Aachen. „Ohne seine Entdeckung gäbe es keine MP3-Player, digitale Videorecorder und PC-Festplatten.“

 

Der Hochschulstandort Aachen

Einwohner: rund 258.000

Studierende: rund 41.000

Hochschulen: insgesamt vier staatliche Hochschulen. Davon zwei mit Hauptsitz (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Fachhochschule Aachen) und zwei mit einem Standort (Katholische Hochschule NRW Standort Aachen, Hochschule für Musik Köln Standort Aachen).

Studiengebühren: Abschaffung der Studiengebühren  zum Wintersemester 2011/12.

Miete: ab 160 Euro in einem der 22 Wohnheime des Studentenwerks (über 4.600 Bettenplätze), privat ab sechs Euro Warmmiete pro Quadratmeter.

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