Das Tor zur Welt
Andere Kulturen will Finn Johannsen (21) nicht nur im Urlaub kennenlernen. Er studiert an der Fachhochschule des Bundes im Fachbereich Auswärtige Angelegenheiten in Berlin "Auswärtiger Dienst". Damit kann er später als Diplomverwaltungswirt an Botschaften und Konsulaten in der ganzen Welt arbeiten.
Wer Beamter im Auswärtigen Dienst wird, kann anschließenden in deutschen Auslandsvertretungen weltweit arbeiten, beispielsweise in Nicaragua.
Foto: Möller/WillmyCC
Dafür studiert der gebürtige Pinneberger seit 2010 an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Berlin. Sein Vater und ein Freund hatten Finn Johannsen während seines Zivildienstes auf die Ausbildung aufmerksam gemacht. Nachdem er sich über die Inhalte und den Zugang genau informiert hatte, bewarb er sich online beim Auswärtigen Amt, zunächst mit Lebenslauf und Motivationsschreiben in Deutsch, Englisch und einer weiteren offiziellen UN-Sprache, in seinem Fall Französisch. Die Erfolgschancen sind gering: Von 1.200 bis 1.500 Bewerbern jährlich bekommen nur 30 bis 40 einen Platz. Darum hat sich
Finn Johannsen auf das zweistufige Auswahlverfahren gut vorbereitet: Er absolvierte zunächst einen schriftlichen Test und eine Fremdsprachenprüfung, dann wurde er zu einem Bewerbertag eingeladen mit Einzelgespräch, Diskussionsrunde, Kurzvortrag und Psychologengespräch. Auch ein Gesundheitscheck und eine Sicherheitsüberprüfung waren fällig.
Das alles meisterte der 21-Jährige, für den es ein Traumjob ist: „Ich will fremde Kulturen nicht nur oberflächlich kennenlernen, sondern richtig dort leben“, sagt er. Dass er das bei einer Bundesbehörde kann, ist für ihn verlockend. Außerdem schätzt er die Vorteile: Studierende erhalten Anwärterbezüge, können auf dem Gelände der Akademie günstig wohnen und haben die Perspektive, Beamter auf Lebenszeit zu werden.
Aber es wird auch einiges verlangt: Im ersten Studienabschnitt an der Akademie des Auswärtigen Dienstes werden vor allem Verwaltungskenntnisse und Geschichte vermittelt, ein Schwerpunkt liegt auf den Sprachen Französisch und Englisch. Es folgt ein Praxisteil in der Zentrale in Berlin, bevor im Hauptstudium I an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht vor allem rechtliche Grundlagen anstehen. Familien- und Erbrecht beispielsweise, dazu Internationales Privatrecht. „Die Haupttätigkeit in den Konsulaten liegt im Rechtsbereich“, berichtet Finn Johannsen. Die Sachbearbeiter dort sind beispielsweise zuständig, wenn Ehen zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalität geschlossen wurden, und sie beschäftigen sich mit Sorgerechts- und Scheidungsangelegenheiten.
Arbeitsplatz: Die ganze Welt
Hat der Anwärter geahnt, dass er so viel Jura lernen muss? „Dessen sollte man sich bewusst sein – und kann das auch der Internetseite des Auswärtigen Amtes entnehmen“, sagt er. Gleiches gilt für die sprachlichen Voraussetzungen. Dass Finn Johannsen im Studium zu Englisch und Französisch noch Portugiesisch gelernt hat, war neben einem Bewerbungsschreiben für den Einsatzort Brasilien möglicherweise ausschlaggebend. Wenn er Ende 2012 zurückkehrt, folgt als vierter Abschnitt die Diplomarbeit, als Voraussetzung für den angestrebten Abschluss als Diplomverwaltungswirt, und danach das siebenmonatige Hauptstudium II an der Akademie in Tegel sowie die Laufbahnprüfung für den gehobenen Dienst.
In der Zeit des Studiums sollen sich die Anwärter auch über ihr späteres Leben klar werden. „Wir erklären unsere uneingeschränkte Versetzungsbereitschaft“, sagt Finn Johannsen. Im Turnus von vier Jahren wechseln die Konsulatsbeamten ihren Einsatzort und das Land. Jeder dritte Posten sollte in der Berliner Zentrale geleistet werden, um den Deutschlandbezug zu wahren. Kann er sich ein solches Nomadenleben vorstellen? „Das ist eine wichtige Überlegung“, sagt er. „Familientechnisch könnte es schwierig werden, wegen der vielen Umzüge. Aber es hat auch Vorteile: Kinder wachsen mehrsprachig auf und lernen andere Kulturen kennen. Der Job ist nie Routine, sondern immer spannend.“ Finn Johannsen freut sich schon darauf.





