Gute Geschäfte mit gutem Gewissen
Viele deutsche Unternehmen engagieren sich mittlerweile in Projekten für Nachhaltigkeit oder Menschenrechte. Ökologische und ethische Ausrichtungen im Studium sind deshalb nicht mehr nur aus eigener Überzeugung, sondern auch in Bezug auf den Arbeitsmarkt interessant.
Seit Ramona Schorn bei der Umwelt Bank arbeitet, achtet sie auch privat viel mehr auf die Umwelt.
Foto: Privat
Ramona Schorn (27) liebt ihre Arbeit: „Jeden Tag tue ich etwas, das Sinn gibt.“ Seit September 2009 ist sie Trainee bei der UmweltBank AG in Nürnberg. Zuvor hatte sie BWL in Bayreuth studiert, mit Schwerpunkt Finanzierung und Banken, und war nur zufällig auf die umweltbewusste Direktbank gekommen. Jetzt mag sie nicht mehr davon lassen, das Konzept überzeugt sie. „Seit ich bei der UmweltBank arbeite, achte ich auch privat viel mehr auf die Umwelt.“
Die Einlagen der Kunden werden nur für die Vergabe von Krediten an Projekte wie den Bau von Solaranlagen, Windkraftparks oder Biogasanlagen verwendet. Grundprinzip des Instituts ist zudem, dass alle Kunden den gleichen Zinssatz bekommen – unabhängig davon, ob sie 500 Euro oder eine halbe Million anlegen. Das kommt an: Die UmweltBank AG wächst stetig.
Windräder erklimmen
Gerade ist Ramona Schorn – nach den Stationen Anlage, Vorstandssekretariat, Marketing und der Vermögensabteilung – in der Projektfinanzierung. Spannend, findet sie, weil nun auch technische Details hineinspielen. Erfahrene Kreditberater klettern sogar Windräder hinauf. Ob Ramona Schorn sich traut?
Wenn sie die zweijährige Ausbildung im August abschließt, würde sie gern bei der UmweltBank AG bleiben. Falls nicht, will sie auf jeden Fall in einem Unternehmen arbeiten, das sich ökologisches und ethisches Handeln verordnet hat.
Die Chancen stehen nicht schlecht. „In Unternehmen spielen ethische Grundsätze und ein nachhaltiger Ansatz sicher eine Rolle, zumal wenn sie um ihr Marketing bemüht sind“, bestätigt Dr. Paul Stallmeister, Berater für akademische Berufe und Berufsorientierung der Agentur für Arbeit in Münster. Bekannt geworden ist die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen unter dem Stichwort Corporate Social Responsibility (CSR). Firmen, die sich dazu bekennen, engagieren sich in den Bereichen Umwelt, Soziales und Wirtschaft. Je nach Größe, Tätigkeitsbereich und Märkten der Unternehmen unterscheiden sich ihre Aktivitäten. Auf der Internetseite von CSR Germany findet sich eine lange Liste mit Beispielen, wie Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung nachkommen: Der Schokoladenhersteller Ritter Sport etwa unterstützt Kakaobauern aus Nicaragua dabei, die Bohne organisch und ertragreicher anzubauen. Die Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH hat bei der Übernahme eines Werks in China die schädlichen Fluorkohlenwasserstoffe aus der Kühlschrankproduktion verbannt und den Wasserverbrauch gesenkt. Der Bergsport-Ausrüster Vaude betreibt ein Kinderhaus für seine Angestellten.
Auch an Hochschulen hat CSR Einzug gehalten. Die jüngste Bestandsaufnahme der Robert Bosch Stiftung stammt aus 2008. Schon damals boten die Hälfte aller Fachhochschulen und 60 Prozent der Universitäten wirtschaftswissenschaftliche Lehrveranstaltungen dazu an, vor allem Wirtschafts- und Unternehmensethik oder das Umweltmanagement. Mittlerweile sind weitere Masterstudiengänge hinzugekommen. Professor Karl-Heinz Brodbeck von der Fachhochschule Würzburg bestätigt den Trend: „In Betriebswirtschaftslehre fängt das langsam an.“ Er moniert allerdings, dass es in Volkswirtschaftslehre noch fehle, obwohl die ursprünglich ein Teil der Philosophie gewesen sei.
Teilgebiet der Philosophie
Ethik – auch als Moralphilosophie bezeichnet – ist eines der großen Teilgebiete der Philosophie. Der griechische Philosoph Aristoteles führte den Begriff ein, er verfasste die Nikomachische Ethik. Auch heute noch können Philosophen in diesem Bereich im Studium einen Schwerpunkt setzen. Und auch die Theologie beschäftigt sich in der Regel intensiv mit dieser Disziplin. Wer im Beruf mit dem Vermitteln von Ethik zu tun haben möchte, für den ist Lehrer werden interessant. Ob der Einstieg in den Schuldienst als Religions- oder Ethiklehrer gelingt, hängt von mehreren Faktoren ab, wie etwa Bedarf, Fächerkombination und Haushaltslage des jeweiligen Bundeslandes. In der Privatwirtschaft dürften jedoch nur wenige Arbeitgeber Verwendung für reine Spezialisten auf diesem Gebiet haben, sagt Berufsberater Paul Stallmeister. Aber Ethik sei „eine interessante Zusatzqualifikation. Die Einstiegschancen hängen davon ab, ob die Absolventen zusätzlich über das Handwerkszeug von z.B. Betriebswirten, Juristen oder Ingenieuren verfügen.“
In der freien Wirtschaft „gibt es noch kein entwickeltes Berufsbild“, bestätigt Professor Albert Löhr, der am Internationalen Hochschulinstitut Zittau Wirtschafts- und Unternehmensethik lehrt und Vorstandsmitglied im deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik ist. Aber die Unternehmensverantwortung sei ein wachsendes Feld. Zum einen, weil die globale Wirtschaft neue Probleme aufwirft. Zum anderen, weil mündige Verbraucher die Industrie und Handelsketten im Blick haben – täglich und weltweit via Internet.
Im Oktober 2010 hat die Bundesregierung eine „Nationale Strategie zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen“ verabschiedet. Danach soll CSR besser in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung verankert werden. Dazu braucht es Fachwissen, sagt Professor Löhr, und Fachleute, die internationale Standards kennen, die Lieferketten untersuchen und beispielsweise mit Zulieferern verhandeln können. In fremden Sprachen und sozial kompetent über kulturelle Grenzen hinweg. „Die Pioniere haben schon verstanden, dass man für diese komplexe Aufgabe Experten braucht.“
Viele Absolventen des 2000 gegründeten Studiengangs „Philosophy & Economics“ in Bayreuth beispielsweise sind gut untergekommen, beispielsweise als Berater bei der Unternehmensberatung Roland Berger, als Projektmanager bei der KfW Entwicklungsbank, als Büroleiter von Bundestagsabgeordneten, Juniorfachkraft bei der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) (heute GIZ), externer Consultant im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Redakteur bei CSR News. Um hier nur einige zu nennen.
Wer aus ethischem Ansatz die Welt verbessern will, ist besonders bei Unternehmen gut aufgehoben, die Fairness und Nachhaltigkeit zum Daseinszweck erklären. Bei Transfair e.V. etwa, einem Verein, der sich der Förderung des Fairen Handels mit der „Dritten Welt“ verschrieben hat. Oder bei der Naturstrom-Gruppe. Hier wie dort gilt: Fachliche Vorbildung ist wichtig, aber sie muss nicht Ethik heißen. „Wir achten auf einen inhaltlichen Zugang zu unseren Themen“, sagt Tim Loppe von der Naturstrom-Gruppe, die Strom und Gas aus erneuerbaren Energien verkauft. Unter derzeit 80 Mitarbeitern sind auch Agrarwissenschaftler und Biologen. Was nach außen vertreten wird, wird nach innen gelebt: Der Büro-Kaffee ist fair gehandelt, der Klebstoff auf pflanzlicher Basis hergestellt.





