Landwirtschaft nachhaltig gestalten
Kira Schoop (21) ist eine von fünfzehn Studierenden, die im Wintersemester 2010/11 in den neuen siebensemestrigen Bachelorstudiengang "Sustainable Agriculture" gestartet sind. An der Hochschule Rhein-Waal lernen die Studierenden landwirtschaftliche und gartenbauliche Produktionssysteme hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit zu analysieren, zu bewerten und weiter zu optimieren.
Die Studierenden beschäftigen sich unter anderem damit, wie der Bodenzerstörung und dem Verlust der Artenvielfalt Einhalt geboten werden kann.
Foto: Reinhold
Als die 21-Jährige sich um ihren Studienplatz beworben hat, arbeitete sie gerade in einem agroforstwirtschaftlichen Betrieb in Nepal. Die Mitarbeit in dem Projekt war im Rahmen des Weltwärts-Programms, einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst, möglich geworden. „Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wir haben Reis angebaut und verschiedene Arten von Gemüse. In das Projekt waren 15 nepalesische Bauern einbezogen. Auf diese Weise wird die Entwicklung vor Ort gestärkt“, erzählt Kira Schoop. Die Erfahrungen, die sie in dem Projekt gemacht hat, waren für ihren Studienwunsch ausschlaggebend.
„Dass der Studiengang in englischer Sprache angeboten wird, hat mich ebenso angesprochen, wie der Nachhaltigkeitsaspekt, der im Mittelpunkt steht.“ Seit mehreren Wochen nimmt Kira Schoop an Vorlesungen, Seminaren und Laborübungen teil. „Im ersten Semester beschäftigen wir uns mit den theoretischen Aspekten der Nachhaltigkeit und mit Grundlagenwissen in Ökologie. Im Fach Chemie wird bereits ein Bezug zur Landwirtschaft hergestellt“, berichtet die Studentin.
Im Zentrum: Nachhaltigkeitsanalysen
„Der Studiengang unterscheidet sich von einem klassischen agrarwissenschaftlichen Studiengang“, erklärt Professor Dr. Florian Wichern, Dekan des Fachbereichs Life Sciences der Hochschule Rhein-Waal.
„Der Schwerpunkt liegt bei der Methodik der Nachhaltigkeitsanalyse. Dabei wird die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick genommen, wobei der Schwerpunkt auf dem Bereich Produktion liegt.“ Die Wertschöpfungskette in der Landwirtschaft reicht von der Herstellung und Zulieferung von Landmaschinen, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln bis hin zur Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln. Kira Schoop hat bereits praktische Einblicke bekommen: „Wir haben einige Exkursionen gemacht, etwa zu einem Betrieb, der Landwirtschaftsmeister ausbildet und in eine Kaffeerösterei.“ Dass die Lehrveranstaltungen auf Englisch stattfinden, empfindet die Studentin als keine allzu große Herausforderung. „Da wir eine kleine Gruppe sind, können wir in den Lehrveranstaltungen zwischendurch Fragen stellen, wenn wir Probleme mit den Vokabeln haben.“
Ökologische und ethische Fragen
Die Studierenden werden sich in den nächsten Semestern beispielsweise damit beschäftigen, wie die landwirtschaftliche Produktion so gestaltet werden kann, dass der Bodenzerstörung und dem Verlust der Artenvielfalt Einhalt geboten wird. Der Klimawandel ist ebenfalls ein großes Thema. „Auch bei uns sind die Auswirkungen bereits spürbar. In der Region hat es in diesem Jahr zum Beispiel Extremwetterereignisse wie Starkregen gegeben, wie sie noch nie zuvor aufgetreten sind“, sagt Professor Wichern. Zudem werden sich die Studierenden mit ethischen Fragen beschäftigen. „Die Frage, ob man angesichts des Hungers in der Welt die vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen besser für die Nahrungsmittelproduktion nutzt oder für die Erzeugung von Energie, ist eine ethische Frage, die immer mehr Brisanz bekommt.“ Bis zum Ende des vierten Semesters müssen die Studierenden ein dreimonatiges Praktikum absolvieren. „Wir empfehlen längere Praxiszeiten in ein und demselben landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Betrieb“, sagt Professor Wichern. Zudem steht im sechsten Semester wahlweise ein Auslandsaufenthalt oder ein Betriebspraktikum auf dem Studienplan. Absolventen können unter anderem in der Ernährungs- und Genussmittelindustrie, bei Herstellern von Futter-, Dünge und Pflanzenschutzmitteln, bei Verbänden, Behörden oder Beratungsunternehmen arbeiten.





