Beratung mit Weitblick
2008 nahm Silko Kamphausen (22) den Bachelorstudiengang "Beschäftigungsorientierte Beratung und Fallmanagement" (BBF) an der HdBA in Mannheim auf. Seither tauscht er im viermonatigen Rhythmus die Hochschule mit der Arbeitsagentur in Leipzig. Seine Motivation: Menschen in den Arbeitsmarkt begleiten und Strukturen verbessern.
An der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim kann man Arbeitsmarktmanagement sowie Beschäftigungsorientierte Beratung und Fallmanagement studieren.
Foto: HdBA
Als 2005 mit der Einführung des Arbeitslosengeldes II Menschen in Leipzig zum Protest auf die Straße gingen, wollte Silko Kamphausen (22) nicht einfach so in diesen Kanon einstimmen. Er begann, sich über die sozialpolitischen Hintergründe zu informieren und bewarb sich nach dem Abitur für den dreijährigen Studiengang „Beschäftigungsorientierte Beratung und Fallmanagement“ an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA). Nur wenig später zog er die Bewerbung wieder zurück. „Mir wurde bewusst, dass ich für dieses komplexe Thema noch mehr Erfahrung benötige.“ Im Rahmen eines Freiwilligendienstes engagierte er sich zunächst in einem Projekt von „Aktion Mensch“ für das bürgerschaftliche Engagement Jugendlicher in seiner Stadt und entwickelte an Schulen vor Ort soziale Projektwochen mit. So gereift und in seinem Berufsziel bestärkt, bewarb er sich 2008 erneut in der Arbeitsagentur Leipzig für das HdBA-Studium: mit Erfolg.
Heute ist er im letzten Jahr seines dreijährigen Vollzeitstudiums. „Das Studium gewährt sehr viele Einblicke in unterschiedliche Wissenschaftsgebiete: BWL, VWL, Arbeitsrecht, aber auch Soziologie und Psychologie.“ Die Frage „Warum handeln Menschen wie sie handeln?“ treibt ihn an. „Für die spätere Beratungsarbeit ist es wichtig, zu wissen, ob das, was der Ratsuchende sagt, tatsächlich dem entspricht, was er denkt und für sich wünscht“, erklärt der 22-Jährige. „Berufsvorstellungen spiegeln häufig die Wünsche Dritter, nicht aber die eigenen Wünsche wider.“ In Gestik, Mimik und der Körpersprache lesen zu können, macht einen guten Berater sensibel für Widersprüche und hilft innerhalb der Beratungsarbeit – mit dem nötigen Fachwissen – die eigentlichen Ziele und Vorstellungen des Kunden zu formulieren.
Berufsberatung und Fallmanagement
Im Fallmanagement geht es um den Umgang mit Menschen, die zum Beispiel Leistungen wie Arbeitslosengeld II beziehen. Da bei solchen Kunden häufig persönliche Einschränkungen vorliegen, die eine berufliche Integration erschweren, ist Fallmanagement besonders komplex und anspruchsvoll. „Meine Aufgabe wäre es dann, diese Menschen zu beraten, zu unterstützen und ein Netzwerk von Hilfsangeboten um sie herum aufzubauen – quasi als Türöffner für den Arbeitsmarkt“, erklärt Silko Kamphausen.
Innerhalb seines Studiums konzentriert er sich auf beide möglichen Schwerpunkte – „Berufsberatung“ und „Fallmanagement“. Ein voller Stundenplan und die viermonatigen Praktikumsaufenthalte in der Agentur für Arbeit Leipzig, während derer er genau wie in den Studientrimestern Prüfungsleistungen erbringt, sorgen für ein hohes Arbeitspensum und „setzen Leistungsbereitschaft voraus“. Während er in Mannheim sein wissenschaftliches Grundlagenwissen in Vorlesungen und Seminaren vertieft und die Anwendung spezifischer Arbeitsmethoden in Übungen festigt, stellen ihn seine Praktika in der Berufsberatung in Leipzig vor verschiedene Aufgaben. „Der hohe Praxisbezug ist ideal. Denn nur so lernen wir spezifische Situationen zu hinterfragen und auf der Basis unseres theoretischen Wissens möglicherweise zu verbessern.“ Während der Praktika werden die Studierenden von Tutoren betreut, in Silko Kamphausens Fall ist das der Leiter des Teams akademische Berufe. Ein gewisser Organisationsaufwand ist für ihn ebenfalls mit dem Studium verbunden, denn in Mannheim sucht er sich vor jedem Studienaufenthalt eine Unterkunft zur Zwischenmiete.
Ob er sich beruflich eher im Fallmanagement oder in der Berufsberatung sieht, will er noch nicht mit Bestimmtheit beantworten. Beides hat mit professioneller Beratung zu tun, doch die Anliegen und Personenkreise unterscheiden sich sehr. Der Arbeitsvertrag mit der Agentur in Leipzig stellt ihm nach Ende seines Studiums in jedem Fall eine Anstellung in Aussicht. Darüber hinaus ist das Studium so ausgerichtet, dass man später im freien Markt Fuß fassen kann beziehungsweise durch ein Masterstudium seine Qualifikationen erweitert und seine Aufstiegschancen verbessert.





