Kluge Köpfe für den Katastrophenfall
Flugzeugabstürze, Massenkarambolagen, Großbrände: Für Ingenieure im Rettungswesen gehört die Vorbereitung auf diese Horrorszenarien zum Berufsalltag. Sie planen, organisieren und koordinieren den Einsatz von Rettungskräften. Katharina Wrobel (20) gehört zu den wenigen Frauen, die an der Fachhochschule Köln im Bachelor-Studiengang Rettungsingenieurwesen studieren.
"Wer diesen Studiengang erfolgreich absolvieren will, muss sich zum einen für Katastrophen interessieren und helfen wollen", sagt Katharina Wrobel.
Foto: Privat
Lediglich 20 Prozent der Studierenden in Katharina Wrobels Studiengang sind Frauen. Warum Rettungsingenieurwesen eine Männerdomäne ist? Studiengangleiter Professor Alex Lechleuthner erklärt: „Wer diesen Studiengang erfolgreich absolvieren will, muss sich zum einen für Katastrophen interessieren und helfen wollen. Zum anderen muss er naturwissenschaftlich denken können. Vor letzterem schrecken viele Frauen zurück.“
Keine Angst vor Naturwissenschaften
Für Katharina Wrobel sind diese Voraussetzungen kein Problem. Schon in der Schule zählten Naturwissenschaften und Mathe zu ihren Stärken. Entsprechend leicht fielen ihr die ersten drei Semester, in denen die Studierenden Grundlagen in Mathematik, Physik und Chemie lernen. Aber auch die ingenieurwissenschaftlichen Fächer Mechanik, Werkstoffkunde, Elektrotechnik und Messtechnik machen der jungen Frau keine Probleme. Momentan stehen allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen, Organisation und Projektmanagement auf ihrem Stundenplan. „Mir gefällt das Studium sehr gut. Gerade weil es interdisziplinär angelegt ist und sich nicht auf einen Fachbereich beschränkt“, sagt Katharina Wrobel, die inzwischen im vierten Semester studiert.
Die fächerübergreifende Lehre ist Studiengangleiter Alex Lechleuthner sehr wichtig. „Die Aufgaben rund um das Thema Sicherheit und Gefahrenabwehr werden immer komplexer. Ob Naturkatastrophe, Terroranschlag oder Massenpanik: Solche Tragödien können Rettungsassistenten nicht mehr alleine stemmen. Deshalb haben wir im Jahr 2003 diesen Studiengang gegründet.“ In dem Ingenieursstudium lernen die Studierenden unter anderem, wie sich Seuchen ausbreiten, Rettungsdienste arbeiten oder Menschen evakuiert werden. Auch das Studienfach Hygiene und die Arbeit im Labor gehören zu ihrer Ausbildung. Dazu bekommen die Studierenden regelmäßig die Möglichkeit, ihr Theoriewissen in die Praxis umzusetzen -bei einem simulierten Großbrand zum Beispiel.
Der Studiengang ist sehr beliebt, die Zahl der Studienplätze aber begrenzt: In Köln wurden im vergangenen Semester 100 Studierende angenommen. Ein guter Abischnitt (der Numerus clausus lag zuletzt bei 2,0) ist deshalb ebenso Zugangsvoraussetzung wie ein dreimonatiges Praktikum bei der Feuerwehr, im Rettungs-dienst, Katastrophenschutz oder in der Gefahrenabwehr. Katharina Wrobel engagiert sich bereits seit drei Jahren ehrenamtlich bei den Johannitern. Ihr Praktikum hat sie auf einer Rettungswache des gemeinnützigen Vereins abgeleistet.
Viele Einsatzbereiche
Die 20-Jährige hat schnell gemerkt, dass strukturiertes und projektorientiertes Arbeiten sowie eine disziplinierte Vor- und Nachbereitung der Studieninhalte unerlässlich sind, um die Klausuren am Ende des Semesters zu bestehen. Studiengangleiter Alex Lechleuthner bestätigt: „Das Studium ist sehr anspruchsvoll. Wir bereiten die Studierenden schließlich auf Positionen im mittleren oder oberen Management vor.“ Etwa 30 Prozent der Studienanfänger scheitern an den hohen Anforderungen und wechseln die Fachrichtung. „Wer es aber schafft, findet einen Job“, so Alex Lechleuthner. Das liegt auch daran, dass die Absolventen nicht nur bei Rettungsdiensten, Berufsfeuerwehren und Hilfswerken Führungsaufgaben übernehmen können. Auch Unternehmen, die Spezialgeräte für diese Branchen produzieren, stellen zunehmend Rettungsingenieure ein. Die bringen schließlich nicht nur das ingenieurwissenschaftliche Know-how mit, sondern kennen auch die Probleme und Strukturen der einzelnen Branchen.
In welchem Bereich Katharina Wrobel nach dem siebensemestrigen Studium arbeiten möchte, weiß sie noch nicht. Sie hofft, dass sich ihr Berufswunsch im fünften Semester, einem Praxissemster, konkretisiert. „Es macht mir Spaß, mich sozial zu engagieren und ich kann mir durchaus vorstellen, einmal bei Großeinsätzen die Einsatzleitung zu übernehmen. Das ist natürlich eine verantwortungsvolle Aufgabe, die eine gewisse Reife und Erfahrung erfordert. Aber darauf kann ich ja hinarbeiten.“




