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Lehramtsstudium

Wie werde ich Lehrer?

Um Lehrer zu werden, muss man in der Regel einen Lehramtsstudiengang mit dem Master of Education oder der Ersten Staatsprüfung abschließen und einen Vorbereitungsdienst ableisten. Doch vorher sollte man sich fragen: Passt der Beruf überhaupt zu mir?

Auf dem Foto ist eine Hand zu sehen, die einen Text korrigiert. Die Hand schreibt mit einem roten Stift Anmerkungen an den Rand des Heftes.

Alle Jahre wieder der beliebteste Studiengang an deutschen Hochschulen: das Lehramt.

Foto: WillmyCC

Vanessa Panitz (18) aus Düsseldorf macht im April 2011 Abitur. In ihrer Freizeit gibt sie Nachhilfe in ihrem Leistungskurs Mathe, und das macht ihr großen Spaß. Sie möchte Mathe- und Musiklehrerin an einem Gymnasium werden. Doch bietet ihre Wunschuniversität Köln einen Lehramtsstudiengang mit dieser Fächerkombination überhaupt an? Welche Zulassungsvoraussetzungen gibt es? Das klärt die 18-Jährige bei einem Termin in der Berufsberatung der Arbeitsagentur Düsseldorf. „Ich

Vanessa Panitz hat langes blondes Haar und lacht in die Kamera.

Vanessa Panitz

Foto: Privat

habe erfahren, dass in Nordrhein-Westfalen mehrere Studienorte für mich in Frage kommen, beispielsweise Köln, Dortmund und Münster“, erzählt sie. „Zudem ist meine geplante Fächerkombination viel versprechend: Mathelehrer werden offenbar gesucht.“ Im Fach Musik muss sie vor Studienbeginn eine Aufnahmeprüfung bestehen. Außerdem erklärte ihr die Berufsberaterin, dass in NRW ab dem WS 2011/12 für alle Lehramtsstudiengänge ein vierwöchiges Eignungspraktikum Pflicht ist. „Das muss ich mir jetzt schnellstens für die Zeit nach den Abiturprüfungen organisieren“, sagt Vanessa Panitz.

Konträre Interessen vereinen

Die Lehramtsstudiengänge gehören jedes Jahr wieder zu den beliebtesten Studiengängen an deutschen Hochschulen. So waren im Wintersemester 2009/10 laut Statistischem Bundesamt 209.945 Studierende in einem Lehramtsstudiengang eingeschrieben. Das entsprach rund zehn Prozent der insgesamt über zwei Millionen Studierenden. „Viele junge Leute nennen als Grund für den Berufswunsch Lehrer die Freude an der Arbeit mit Kindern, die sie als Babysitter oder wie Vanessa Panitz als Nachhilfelehrer entdeckt haben. Andere möchten den Vorteil nutzen, dass man als Lehrer zwei konträre Interessen wie Chemie und Kunst unter einen Hut bringen kann“, beobachtet Jessica Voß, Beraterin für akademische Berufe in der Arbeitsagentur Düsseldorf.

Klassische Gründe für die Wahl eines Lehramtsstudiums sind auch: gute Möglichkeit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sicherer Arbeitsplatz, gutes Einkommen. „Doch diese Gründe, die sicher legitim sind, sollten nicht ausschlaggebend für die Entscheidung sein“, mahnt die Berufsberaterin. „Wichtig ist vor allem, dass man Persönlichkeitsmerkmale mitbringt, die für die Ausübung des Lehrerberufs von Vorteil sind.“ (siehe Interview mit Josef Kraus vom Deutschen Lehrerverband)

Bei der Einschätzung der Persönlichkeit helfen sogenannte Self-Assessment-Tests. In Baden-Württemberg muss seit WS 2010/11 für das gymnasiale Lehramt, ab WS 2011/12 auch für alle anderen Lehrämter ein solcher Selbsttest verpflichtend absolviert werden. „In der Beratung empfehle ich unter anderem den Test des Career Counselling for Teachers“, sagt Jessica Voß von der Düsseldorfer Arbeitsagentur. „Die Erläuterungen in der Auswertung sind besonders hilfreich, wenn die Selbsteinschätzung mit Unsicherheiten behaftet ist. Die ideale Lehrerpersönlichkeit gibt es zwar nicht, aber bestimmte Eigenschaften wie Kontaktbereitschaft oder ein gesundes Selbstbewusstsein sind einfach förderlicher als andere.“

 

Selbsttests (eine Auswahl)

Self-Assessment-Test zum Lehramtsstudium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

http://www.bw-cct.de/selbsttest.php?PHPSESSID=28ac899ec29522f8102ae0efdf53eea7

Self-Assessment-Test zum Lehramtsstudium des Career Counselling for Teachers

http://www.cct-germany.de/de/1/pages/index/39

 

Die Berufsberaterin rät außerdem, sich im Rahmen eines Schulpraktikums in der Lehrerrolle zu erproben – und das möglichst schon vor dem Studienstart: „Der Perspektivenwechsel vom Schüler zum Lehrer sollte bereits vor dem Studium vollzogen werden, sonst bleibt die persönliche Vorstellung vom Lehreralltag zu stark vom Erleben als Schüler beeinflusst.“ Während des Praktikums, so Beraterin Voß, sei es möglich, kleine Aufgaben in der Klasse zu übernehmen – etwa als Co-Teacher Gruppenarbeiten zu überwachen: „Dadurch lässt sich der Praxisschock am besten vermeiden.“

Schulart und Fächer?

Wer sich danach immer noch sicher ist, Lehrer werden zu wollen, hat mehrere wichtige Entscheidungen zu treffen. Erstens: An welcher Schulart will ich unterrichten: Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule, Förderschule, Berufsschule oder an einer neuen Schulform wie der Realschule plus in Rheinland-Pfalz oder der Integrierten Sekundarschule in Berlin? In der akademischen Lehrerausbildung sind oft bereits die Bachelorstudiengänge, spätestens aber die Masterstudiengänge mit Berufsziel Lehramt, die in vielen Bundesländern neu eingeführt wurden oder werden, auf eine bestimmte Schulart ausgerichtet. Auch unterscheiden sich der Arbeitsalltag und die Einstellungschancen von Schulart zu Schulart. Über die Schularten in den einzelnen Bundesländern kannst du dich bei den jeweiligen Schulservern der Länder informieren. Hier die Übersichtsseite: http://dbs.schule.de/landserv.html.

Die zweite wichtige Frage lautet: Welche Fächer möchte ich unterrichten? Die eigenen Vorlieben sollte man dabei ebenso im Auge behalten wie die Prognosen für den Lehrerbedarf in bestimmten Fächerkombinationen (siehe Artikel „Arbeitsmarkt und Einstellungspraxis“). Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach dem Bundesland. „Es ist sinnvoll, in dem Bundesland zu studieren, in dem man perspektivisch arbeiten möchte“, rät Jessica Voß. „Man kann zwar wechseln, während des Studiums, für den Vorbereitungsdienst oder – entlang neuer, vereinfachter Leitlinien der Kultusministerien für das Lehreraustauschverfahren – auch als verbeamteter Lehrer. Doch das kann mit Anträgen und Anerkennungsverfahren verbunden sein.“

Bei der Entscheidung für ein Bundesland sind auch die Regelungen zur Verbeamtung oder Einstellung als Tarifbeschäftigter zu beachten, die sich durchaus unterscheiden. So verbeamten Berlin und andere Bundesländer im Osten den Lehrernachwuchs grundsätzlich nicht (mehr), in den meisten Bundesländern wird, wer bestimmte Voraussetzungen in Sachen Alter und Gesundheit erfüllt, verbeamtet. „Das Beamtentum hat Vorteile, so ist man wesentlich schneller unkündbar und es kommt ein deutlich höheres Nettogehalt heraus“, gibt Jessica Voß zu bedenken.

Unterschiede in den Bundesländern

Auch die Lehramtsausbildung selbst unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Reformen entlang des Bologna-Prozesses sind überall im Gange oder bereits abgeschlossen, allerdings mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. So gibt es in Bayern noch das Erste Staatsexamen, aber ein neuerdings modularisiertes Studium, Berlin hat komplett auf das Bachelor-/Master-System umgestellt und das Erste Staatsexamen durch den Master of Education ersetzt und in Thüringen schließen Lehramtsstudierende je nach Hochschule mit dem Master of Education oder dem Ersten Staatsexamen ab (siehe Übersicht „Lehramtsausbildung in den Bundesländern“).

Die Frage: „Wie werde ich Lehrer?“ lässt sich also nur konkret für ein Bundesland und ein bestimmtes Lehramt beantworten. Ein Tipp von Jessica Voß von der Arbeitsagentur Düsseldorf: „Das Portal www.lehrer-werden.de des Deutschen Bildungsservers ist sehr hilfreich, um sich durch die verschiedenen Möglichkeiten zu klicken, sie zu vergleichen und schließlich zu einer Entscheidung zu kommen.“

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