Sprachliche Phänomene beleuchten
Wer mit einem Linguistikstudium liebäugelt, sollte sich nicht nur für Sprachen interessieren, sondern auch sehr abstrakt denken können. So wie Annika Felgenträger aus Wuppertal. Die 20-Jährige studiert im dritten Semester Linguistik an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf.
Annika Felgenträger: "Es schadet nicht, gegenüber exotischen Sprachen aufgeschlossen zu sein."
Foto: Privat
Warum gibt es im Deutschen so lange Wörter wie Schifffahrtsgesellschaften? Diese und ähnliche Fragen stellte sich Annika Felgenträger schon während der Schulzeit. Zu ihrer großen Freude entdeckte sie nach dem Abitur einen Studiengang, in dem sie solchen sprachlichen Phänomenen genauer auf den Grund gehen kann: Das integrative Bachelor-Studium Linguistik an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, das sie im Herbst 2009 aufnahm.
Drei Schwerpunkte standen zur Auswahl: Grundlagen, die eine breite Ausbildung in Allgemeiner Linguistik mit Sprachphilosophie und Kognitionswissenschaft kombiniert, also auch Denk- und Lernprozesse umfasst, der Schwerpunkt Fremdsprachen und die Fachrichtung Computerlinguistik. „Ich entschied mich für Ersteres, da ich dort das Gebiet, das mich am meisten interessiert, die Psycho-/Neurolinguistik, vertiefen kann“, sagt die 20-Jährige. Diese Wissenschaft beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Sprache und Gehirnstrukturen sowie mit den Auswirkungen von Schädigungen der Hirnfunktion auf die Sprachfähigkeiten. In dieser Fachrichtung wird zusätzlich eine Fremdsprache intensiv behandelt. Annika Felgenträger wählte Englisch – eine Sprache, die sie sehr gern spricht und auch als Leistungskurs hatte.
Wo entstehen eigentlich Laute?
In den ersten zwei Semestern standen Einführungskurse in verschiedenen Teilgebieten der Linguistik auf dem Lehrplan. „Im Fach Phonetik lernten wir zum Beispiel, in welchem Mundraum und Kehlkopfbereich Laute gebildet werden und wo die Grenzen der menschlichen Sprachproduktion liegen“, erläutert die Studentin. Es gibt Wortpaare, in denen die beiden Anlaute allein dazu dienen, die Wörter zu unterscheiden: zum Beispiel „Rind – Kind“ oder „Hut – Mut“. Mit linguistischen Phänomenen dieser Art beschäftigte sie sich im Phonologiekurs.
Im Fach Morphologie kamen schließlich auch so interessante Wortbildungen wie „Schifffahrtsgesellschaften“ zur Sprache. „Im Deutschen kann man ungewöhnlich viele Wörter aneinander hängen“, erläutert die angehende Linguistin. „Der Artikel richtet sich dabei immer nach dem Wort, das ganz rechts steht. Im Englischen dagegen werden maximal zwei Wörter zusammengesetzt.“
Weitere interessante Fragen: Woran erkennt man, dass der Gesprächspartner zu Ende geredet hat? Welche Veränderungen können Einschiebungen wie „ja“ oder „doch“ bewirken? Diese Themen wurden im Kurs Pragmatik behandelt, eine Wissenschaft, die die Verwendung der Sprache näher beleuchtet. In den vier Semestern, die ihr bevor stehen, wird sie die einzelnen Teilgebiete und vor allem ihr Spezialisierungsfach Psycho-/Neurolinguistik vertiefen. „Ich gebe zu, die Studieninhalte sind sehr abstrakt, für mich aber hoch interessant“, schwärmt Annika Felgenträger.
Großes Arbeitspensum
Dass die vietnamesische Sprache ganz ohne Zeiten auskommt oder dass es in manchen Sprachen keine Konjugationen und Deklinationen gibt, kann sicherlich nicht jeden so faszinieren wie die Linguistikstudentin. „Es schadet aber nicht, gegenüber exotischen Sprachen aufgeschlossen zu sein“, bemerkt sie. So beschäftigte sie sich im Kurs Konversationssprache mit den Besonderheiten der philippinischen Sprache „Tagalog“ oder mit der Verwendung verschiedener Tonhöhen im Chinesischen. Dass das Studium mit einem großen Arbeitspensum verbunden ist, nimmt sie in Kauf. „Ich bin täglich von neun bis 18 Uhr an der Uni und besuche etwa 14 Vorlesungen in der Woche.“ Und das ist nicht alles. Zu Hause bearbeitet sie Hausaufgaben, die genau kontrolliert werden. Zwischen den Vorlesungen jobbt sie im Sekretariat des Instituts für Allgemeine Sprachwissenschaften, wo sie Lehrtexte scannt oder die Korrespondenz mit dem Lehrpersonal erledigt. Nach dem Bachelorabschluss würde sie am liebsten noch den Masterstudiengang anschließen, um danach als Dozentin arbeiten zu können.




