Die Symbiose aus Psychologie und Informatik
Ein Navi, das weiß, wann es den Mund halten sollte; eine Kaffeemaschine, die auf einen einzigen Knopfdruck hin die Tasse füllt, Betriebssysteme, die keine unverständlichen Fehlermeldungen senden? Solche "Benutzerfreundlichkeiten" möchte Christian Treffs einmal entwickeln — und studiert deswegen "Mensch-Computer-Systeme" an der Uni Würzburg.
Ziel des Studiengangs: den Computer an den Menschen anzupassen und nicht den Menschen an den Computer.
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Der Bachelor of Science ist ein brandneuer Studiengang an der Julius-Maximilians-Uni in Würzburg. Im Sommersemester 2010 gestartet, ist er zurzeit noch an den Instituten für Informatik und Psychologie angesiedelt: Das Institut für Mensch-Computer-Medien befindet sich in der Gründungsphase. Solange die neuen Lehrstühle für Psychologische Ergonomie und für Mensch-Computer-Interaktion noch nicht besetzt sind, hilft sogar ein emeritierter Prof aus München aus. Doch Christian Treffs ist schon jetzt von seinem Studium begeistert: „Mit der interdisziplinären Mischung aus Psychologie und Informatik hat es bei mir den richtigen Nerv getroffen. Das erste Semester zusammen mit meinen knapp 30 Kommilitonen war super und ich bin sicher, dass es in Zukunft nur noch besser wird“, sagt der 24-Jährige optimistisch.
Computer an Menschen anpassen
Zuvor hatte er bereits Nanostrukturtechnik studiert, musste aber feststellen, dass es nicht das Richtige war. Der neue Bachelorstudiengang „Mensch-Computer-Systeme“ kam dem Studenten damals äußerst gelegen. „Ich fand den Ansatz gut, die komplexer werdenden technischen Systeme so zu gestalten, dass wir sie effektiv, intuitiv und zielführend nutzen und ohne Ablenkung und Zeitverlust zum gewünschten Ergebnis kommen können. Man muss den Computer mehr an die Menschen anpassen und nicht die Menschen an den Computer“, fasst der Hobbyprogrammierer die Idee des Studiengangs zusammen, der in den USA längst etabliert ist – und wohl auch in Deutschland Fuß fassen wird. „Die Resonanz, auf die ich bei meinen Jobs im Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen und in der Abteilung für Navigation und Maps bei Continental Automotive gestoßen bin, war immer total positiv“, berichtet Christian Treffs.
Positiv findet der Fachschaftsinitiator auch, wie gut die verschiedenen Studieninhalte aufeinander abgestimmt sind. „In der allgemeinen Psychologie haben wir gelernt, wie das menschliche Gedächtnis funktioniert, in der Physiologie haben wir die biologischen Hintergründe kennengelernt und in der Ergonomie ging es darum, wie die optischen und auditiven Reize ausfallen müssen, damit sie das Gedächtnis anregen“, gibt der Student ein Beispiel für die Vernetzung im Bereich der Psychologie. Dabei ersetze sein Bachelor natürlich kein reines Psychologiestudium, ist sich Christian Treffs bewusst, „doch gehen wir immer genügend in die Tiefe, um die Zusammenhänge zu verstehen“. Und das werde sich in den kommenden Semestern noch verstärken, da dann auch die beiden Bereiche Informatik und Psychologie immer stärker miteinander vernetzt werden sollen. „Ich sehe schon jetzt oft Anwendungsmöglichkeiten meines psychologischen Wissens in der Informatik“, sagt der Würzburger, der bereits Seminare in Softwaretechnik und -modellierung belegt hat.
Dass Christian Treffs und seinen Kommilitonen die direkten Anwendungsmöglichkeiten ihrer theoretischen Lerninhalte so früh deutlich werden, liegt auch an dem großen Praxisanteil von „Mensch-Computer-Systeme“. Auf Exkursionen haben die Studis bereits die Leitwarte eines Heizkraftwerks, einen Fahrsimulator sowie eine 3-D-Software kennengelernt, die anhand eines virtuellen Menschen die Ergonomie eines Fahrzeuges beurteilen hilft.
Master anschließen
Christian Treffs selbst könnte sich vorstellen, einmal als „sehr menschenorientierter Softwareentwickler“ zu arbeiten, also als einer, der sich zuerst die Frage stellt, was will der Benutzer mit der Software erreichen und wie kann ich ihm das erleichtern? Oder die Frage, wann die Sprachfunktion eines Navis den Fahrer eher verwirrt als unterstützt? Doch auch die mobilen Endgeräte haben es ihm angetan. Selbst in Brillen integrierte Displays oder nur mit den Händen zu bedienende 3D-Multi-Touch-Umgebungen wie in „Minority Report“ würde Christian Treffs nur allzu gerne entwickeln. Doch jetzt hofft er erst einmal, dass seine Uni auch den passenden Master zu seinem Bachelor anbieten wird. Aber auch da ist er optimistisch.





