"Nicht einschüchtern lassen"
Max Mannheim (19) studiert an der Technischen Universität München im ersten Semester Elektrotechnik. Der Mathevorkurs ist eine ebenso große Herausforderung wie die Wohnungssuche in dieser Stadt. Sein Fazit: "Nur nicht abschrecken lassen."
Max Mannheim: "Ich weiß nicht, was anstrengender war: Der Mathevorkurs oder die Wohnungssuche."
Foto:Privat
„Wenn man alles mitschreiben würde, hätte man ständig einen Krampf in der Hand“, meint Max Mannheim, wenn er an seinen Mathevorkurs zurückdenkt. Für Studiengänge mit hohem Matheanteil, wie etwa Elektrotechnik, organisieren viele Hochschulen zwei bis drei Wochen vor dem eigentlichen Semesterbeginn solche Angebote. Max Mannheim hatte vormittags und nachmittags im Wechsel Vorlesungen und Übungen, dabei ging es ums Differenzieren, um Vektoren, Gleichungssysteme und komplexe Zahlen. Einerseits wurden Themen der Schulmathematik aufbereitet, andererseits auch erste Einblicke in höhere Mathematik gegeben. „Nach den ersten Tagen im Mathevorkurs habe ich nur noch Formeln und Zahlen gesehen“, erinnert sich der 19-Jährige. Die Stofffülle sei abschreckend gewesen: „Da wird in eineinhalb Stunden runtergerissen, wofür man in der Schule mehrere Monate Zeit hatte.“
Um die 600 Erstsemester hatten sich in seinen Studiengang eingeschrieben, etwa die Hälfte saß mit ihm im Vorkurs. Gebracht hat ihm der Kurs einiges: „Ich wusste danach, was inhaltlich auf mich zukommen wird und konnte mein Schulwissen auffrischen. Außerdem war es eine gute Gelegenheit, Kommilitonen kennenzulernen und sich auf dem Campus zurechtzufinden.“ Dafür, dass sich die Studierenden später im Studium ganz auf die Vorlesungen konzentrieren können und nicht alles mitschreiben müssen, sorgt die Fachschaft: „Die sind super organisiert, haben eine Skriptsammlung verkauft, eine zweitägige Einführungsveranstaltung abgehalten und ihre Hilfe angeboten.“
Die Grenzen der neuen Freiheit
Wohnen konnte er anfangs bei der Tante eines Freundes, der gemeinsam mit ihm sein Studium in München begonnen hatte. Allein das war ein Luxus, denn Wohnraum in München ist knapp und teuer: „Ich weiß nicht, was anstrengender war: der Mathevorkurs oder die Wohnungssuche“, sagt Max Mannheim. Die Idee, in eine WG zu ziehen, hat er relativ schnell verworfen. „Meist gab es Bedingungen wie ‚nur zur Zwischenmiete für ein paar Monate’, oder man musste die kompletten Möbel übernehmen. Oftmals ist auch das Bewerbungsprozedere sehr aufwendig gewesen.“ Gemeinsam mit seinem Freund eröffnete er schließlich eine eigene WG und hatte bei der Wohnungssuche Glück: „Das Haus ist zwar nicht schön, aber die Wohnung liegt im neunten Stock mit Panoramablick auf die Berge, die Uni ist in 15 bis 20 U-Bahnminuten zu erreichen und die Miete bezahlbar.“ Gefunden haben sie die Wohnung über ein Internetportal. Leider gibt es in München kein Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr, nur eine Ermäßigung. Überhaupt sei Geld schnell ausgegeben: „Da muss man schon genau rechnen“, sagt er. Unterstützt wird er von seinen Eltern mit einem Budget von knapp 800 Euro. Zum Haushalten gehört auch, dass in der WG abends oft selbst gekocht wird. Gekocht habe er zwar früher nie, aber das bringe die neue Selbstständigkeit eben so mit sich, genau wie Wäsche erledigen oder zum ersten Mal die Strom- und Gasrechnung selbst bezahlen.
Frei ist Max Mannheim auch in puncto Anwesenheit in Vorlesungen und Tutorien: „Es gibt wenig Pflichtveranstaltungen, aber wer kein autodidaktisches Mathe-Ass ist, der geht sowieso in die Veranstaltungen.“ In den Tutorien gibt es zwar ausreichend Plätze: „Aber die guten Zeiten sind schnell ausgebucht.“
Nur nicht abschrecken lassen
Dass man sich nicht gleich abschrecken lassen soll, hat ihm seine Fachschaft gezeigt. Die organisierte während der Einführungsveranstaltung eine Vorlesung mit einem „Pseudo-Professor“, der immer wieder Andeutungen einstreute, etwa, dass viele ihren Abschluss überhaupt nicht schaffen würden. Keiner der Studierenden widersprach oder fragte nach. Am Ende gab sich der „Professor“ als Anwalt zu erkennen, und riet, nicht alles einfach hinzunehmen. „Das fand ich gut“, sagt Max Mannheim.




