Fernuni — die Steilvorlage vom Profi
Alisa Vetterlein (22) fährt routiniert zweigleisig: Sie ist Torhüterin in der Fußballbundesliga und absolviert daneben ein Managementstudium für Spitzensportler. Ein Pensum, das ideal ist für Ambitionierte.
Alisa Vetterlein ist Torhüterin in der Fußballbundesliga.
Foto: Privat
Es gibt Zeiten, in denen das Leben viel Tempo vorlegt. Eine Zugfahrt von Wolfsburg nach Freiburg ist nicht viel dagegen. Zwischen Nord- und Süddeutschland zu pendeln, ist für Alisa Vetterlein eher Routine: Sie achtet mehr auf ihre Studienunterlagen, die sie bearbeitet, als auf die Fahrt. Die Tour fährt sie regelmäßig, und Tempo hat sie eh – drinnen wie draußen. „Ich kenne es nicht anders, als im Zug an Studienprojekten zu arbeiten“, sagt sie. Die Frau mit der 1 auf dem Fußballtrikot ist erfolgreiche Torhüterin beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Im Leben neben dem Fußball studiert die Südbadenerin seit März 2009 „International Management“ für Spitzensportler an der Hochschule Ansbach in Bayern.
Das Leben nach der Profikarriere
Mit seiner Mischung aus Theorie und Praxis richtet sich der Studiengang ausschließlich an Kaderathleten. Weil es für den Drahtseilakt Leistungssport plus Studium kaum flexible Studienangebote gab, gründete Professor Bernd Heesen 2006 zusammen mit der Hochschule Ansbach den Studiengang: „Das Studium soll nicht als Belastung, eher als stimulierende Abwechslung empfunden werden.“
Rund 120 handverlesene Spitzensportler aus ganz Deutschland studieren in Ansbach. Radsportler, Fußballer, Wintersportler. „Das Studium bietet neben aktuellen Wirtschaftsthemen einen großen berufsnahen Anteil wie Englisch oder nationale und internationale Kontakte“, sagt Alisa Vetterlein. So nehmen Berufssportler das Leben nach der Profikarriere in den Blick. Mögliche Schwerpunktfächer sind beispielsweise Sport-Management, Sportjournalismus oder E-Business und Multimedia.
„Was haben ein Sportteam und ein Team in einem Unternehmen gemeinsam?“, schildert Alisa Vetterlein etwa die Fragestellung eines Projektes, das sie im Team mit Kommilitonen bearbeitet hat. „Unser Gastdozent, ein amerikanischer Ex-Bodybuilder, war für eine Präsenzwoche zu Gast und lehrte ‚organizational behavior and leadership’ – hoch spannend.“
Teamarbeit virtuell
Damit die Studierenden lernen können, wo und wann sie wollen, stehen ihnen verschiedene digitale Hilfsmittel zur Verfügung: Über eine Online-Bibliothek haben sie jederzeit Zugriff auf Fachbücher und -zeitschriften. Ein E-Learning-Portal ermöglicht es ihnen, mit Kommilitonen und Dozenten zu kommunizieren – unabhängig von räumlicher und zeitlicher Distanz. Auch die flexiblen Präsenzphasen kommen den vielbeschäftigten Studierenden entgegen. „Wir bieten jeden Monat Prüfungen an, die Studierenden können sich das Studium individuell dosieren. So können die Spitzensportler vor großen Wettkämpfen ihre Studienbelastung reduzieren und in ruhigeren Phasen ihr Studium intensiver betreiben“, erklärt Bernd Heesen.
Natürlich erfordert diese Form des Lernens viel Selbststudium zu Hause, Organisationsaufwand und Disziplin: „Wenn wir zusammen eine Studienarbeit machen, verabreden wir gemeinsame Arbeitszeiten und kontaktieren uns telefonisch oder via Skype. Abends ab 20 Uhr arbeiten wir dann virtuell am Thema“, sagt Alisa Vetterlein. Zeitstress – gibt es den? „Selten“, grinst die Fußballerin. „Bei Teamarbeiten kommt es schon mal vor, dass jemand sagt: ‚Ich hatte Training, ich konnte es nicht schaffen’. Mittlerweile kennen wir uns. Die meisten sind extrem effizient. Das ist das Gute: Wir lernen, nicht nur mit einer Stresssituation umzugehen, sondern gleich mit mehreren.“




