Vergleichen und abwägen
Private Hochschulen werben mit einer intensiven Betreuung, guten Kontakten in die Wirtschaft und einer hervorragenden Ausstattung. Doch ein Studium ist hier meist teuer. Da fragen sich viele: Halten die Privaten auch was sie versprechen? Und wie lässt sich das Studium finanzieren? abi>> hat recherchiert.
Ein Vorteil privater Hochschulen sind oftmals kleine Studiengruppen.
Foto: Becker
Mit fünfhundert Kommilitonen in einem Hörsaal zu sitzen, das konnte sich Peter Kupfer nicht vorstellen. Der 22-Jährige studiert an der privaten Karlshochschule International University in Karlsruhe im vierten Semester „International Business“. Sein Wunsch nach individueller Betreuung hat sich erfüllt. „An den Vorlesungen nehmen nur Kleingruppen von höchstens 25 Studierenden teil, deshalb ist das Studium recht intensiv“, erzählt Peter Kupfer. Außerdem verfügen die Lehrenden seines Fachs über gute Kontakte zu Unternehmen. „Die Mehrzahl von ihnen kommt aus der Wirtschaft und bringt ein Netzwerk mit, das sie den Studierenden zur Verfügung stellen.“ Im vergangenen Jahr hat der Student selbst davon profitiert: Über den persönlichen Kontakt eines Professors konnte er ein mehrmonatiges Praktikum im Bereich Marketing/Vertrieb eines weltweit agierenden Automobilkonzerns absolvieren.
Neue Studiengänge
„Die intensive Betreuung ist eines der wichtigen Motive, warum sich Studieninteressierte für eine private Hochschule entscheiden“, weiß Wolfram Hahn vom Verband der Privaten Hochschulen. Auch wenn betriebswirtschaftliche Studiengänge noch immer dominieren, wird die Landschaft bunter. „Neugründungen gibt es derzeit besonders im Bereich der Pflegewissenschaften. Nach wie vor wenig verbreitet sind die geisteswissenschaftlichen Studiengänge“, sagt Wolfram Hahn. Daneben gibt es Angebote im gestalterischen Bereich wie etwa Design, Medien und auch in Medizin und Jura.
Der überwiegende Teil der privaten Studienstätten sind Fachhochschulen. Es gibt inzwischen auch zehn Hochschulen mit Promotionsrecht beziehungsweise Universitäten. Um als Universität anerkannt zu werden, muss eine private Hochschule alle personellen, infrastrukturellen und organisatorischen Voraussetzungen erfüllen, die erforderlich sind, um auf universitärem Niveau tätig werden zu können. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie geeignete Forschungsstrukturen wie Labore und Bibliotheken zur Verfügung stellen muss.
Allgemein gilt: „Damit eine private Hochschule staatlich anerkannt wird, darf sie nicht nur einen einzigen Studiengang anbieten, sondern muss mehrere Studiengänge einrichten“, erklärt Ralf Alberding von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). „Dabei kann es sich entweder um nebeneinander bestehende oder um aufeinanderfolgende Studiengänge handeln. Zudem müssen Studierende und Lehrende die gleichen Voraussetzungen wie an staatlichen Hochschulen erfüllen. Die Privaten sind zudem verpflichtet, im gleichen Umfang wie die staatlichen Hochschulen Forschung zu betreiben“, führt der HRK-Experte aus. Inzwischen sei dokumentiert, dass die Privaten dies in den meisten Fällen auch tun. Der Umfang der Forschung ist jedoch nicht einheitlich geregelt, sondern unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.
Mehr Studierende
Bundesweit ist die Zahl der privaten Hochschulen in den vergangenen Jahren gestiegen. Der Hochschulkompass weist 92 private Hochschulen mit staatlicher Anerkennung aus (Stand: 14.05.2010). Im Wintersemester 1999/2000 lag ihre Zahl erst bei 34. Damals waren 21.120 Studierende an einer der privaten Studieneinrichtungen eingeschrieben, im Wintersemester 2008/09 waren es bereits 84.566.
Wie geht es weiter mit den privaten Hochschulen? Wird sich dieser Trend fortsetzen? „Die Privaten reagieren auf den Markt. Folglich werden sie mit den doppelten Abiturjahrgängen der kommenden Jahre auch ihre Kapazitäten erhöhen“, prognostiziert Wolfram Hahn vom Verband der Privaten Hochschulen.
Wie aber kann man herausfinden, ob eine private oder staatliche Hochschule die richtige ist? „Die Studiengebühren an privaten Hochschulen liegen erheblich höher“, gibt Heinz Peter Lemm vom Team Akademische Berufe der Agentur für Arbeit in Hamburg zu bedenken. In einigen Bundesländern gibt es an staatlichen Hochschulen keine Studiengebühren (http://www.hrk.de/de/download/dateien/Uebersicht_ueber_Studiengebuehren.pdf).




