Politik der kleinen Schritte
Der Schreibtisch in Unordnung, das ganze Leben ein Chaos — muss nicht sein, findet Ivan Blatter. Der Produktivitäts-Trainer aus der Schweiz betreibt den Blog blatternet.de, hält Seminare und Trainings und schult auch Studenten darin, ihre Zeit besser zu nutzen.
To-Do-Listen und Kalender können helfen, den Überblick zu bewahren. Foto: WillmyCC abi>>:
Ivan Blatter: Nicht nur. So einen faulen Tag braucht man von Zeit zu Zeit. Aber es besteht die Gefahr, dass man seine Leistung nicht mehr abruft. Man weiß, man
könnte mehr – aber man tut es nicht.
abi>>: Helfen Aufgabenlisten?
Ivan Blatter: Viele machen wunderbare Listen und schauen erst in zwei Wochen wieder rein oder auch nie. To-do-Listen können helfen, wenn man täglich mit ihnen arbeitet. Es entlastet den Kopf, wenn ich alles notiert habe: Ich muss mich nicht mehr ständig erinnern.
abi>>: Was ist Ihr wichtigster Tipp?
Ivan Blatter: Zeitmanagement geht weit über Aufgabenlisten hinaus. Es ist ganz wichtig zu wissen, was man überhaupt will. Wohin will ich langfristig? Aus dieser Vision leiten sich Prioritäten ab. Ich weiß, Vision klingt sehr hochgestochen. Aber die kann ganz banal und alltäglich sein. Zum Beispiel: Ich will in vier oder fünf Jahren mein Studium beenden – welche Seminare muss ich besuchen und welche Fristen einhalten?
abi>>: Klingt wie ein mächtiger Berg…
Ivan Blatter: Dafür ist der nächste Tipp auf der Mikro-Ebene angesiedelt. Er heißt: Immer etwas zu schreiben dabei haben. Klassischer Weise haben wir die besten Ideen, wenn wir entspannt sind. Beim Abendessen, im Kino, unter der Dusche. Genau in dem Moment sollte man sich eine Notiz machen. Egal ob mit Stift und Papier oder per iPhone.
abi>>: Warum?
Ivan Blatter: Ganz einfach. Was nicht aufgeschrieben ist, existiert nicht. Unser Gehirn ist gemacht, um über Dinge nachzudenken, nicht um sie zu speichern.
abi>>: Je mehr ich aufschreibe, desto mehr muss ich doch tun. Oder?
Ivan Blatter: Aber tun muss man’s ja trotzdem. So ist garantiert, dass man es nicht vergessen kann. Ich selbst notiere nicht nur Aufgaben, sondern auch tolle Ideen und Urlaubsziele in einem Ideenspeicher. Ob ich etwas damit anfange, kann ich immer noch entscheiden.
abi>>: Sie sagen, Zeitmanagement sei zu 80 bis 90 Prozent eine Sache erfolgreicher Gewohnheiten. Wie schafft man es, diese zu entwickeln?
Ivan Blatter: Das ist eine große Herausforderung, mit der auch ich ab und zu noch kämpfe. Wichtig ist, realistisch zu bleiben. Man kann nicht von einem Tag auf den anderen alles ändern. Das ist auch gar nicht nötig. Viel geschickter ist, mit einer guten Gewohnheit anzufangen und sie einem Monat lang auszuprobieren. Vielleicht merkt man, das ist gar nichts für mich – dann kann man das Ziel neu anpassen.
abi>>: Kann sich jeder ändern?
Ivan Blatter: Ich denke ja. Aber man muss Offenheit und Veränderungsbereitschaft mitbringen, damit sich etwas ändert.





